Dank AfD News: Warum Medien eine Mitschuld am AfD-Erfolg tragen

Eine unverhältnismäßig große Anzahl an AfD News hat in den vergangenen Wochen und Monaten dazu geführt, dass die rechtspopulistische Partei nun mit 13 Prozent in den Bundestag einziehen wird. Liebe Medien: Können wir das AfD-Bashing jetzt bitte mal kurz aussetzen?

Gibt man bei Google News das Wort „AfD” ein, erhält man 4,35 Mio. Ergebnisse. Also 4,35 Mio. Online-Artikel und für das Internet kuratierte Medienbeiträge. Zum Vergleich: Gerade mal 2,3 Mio. News-Beiträge gibt es für die FDP und auch die 6,1 Mio. Ergebnisse für die CDU zeigen, wie unverhältnismäßig in den vergangenen Monaten über eine Partei berichtet wurde, die noch nicht einmal im Deutschen Bundestag vertreten war. Der Grund? Skurille Polit-Gestalten und hanebüchene Ideologien sorgen für gute Auflagen, Klicks und Quoten. Ja, auch wir von 2GLORY mussten das einsehen und fühlen uns mitverantwortlich.

AfD News: Es geht auch um die Art und Weise der Berichterstattung

Was genau ist passiert? Natürlich soll auch über außerparlamentarische Parteien berichtet werden. Entscheidend ist jedoch die Verhältnismäßigkeit in der Quantität — und in der Qualität. Noch bis zum Wahlsonntag wurde die AfD als verfolgte Unschuld in die Ecke gestellt. Ein Zustand, über den sich die Partei nach außen hin zwar künstlich aufregt, innerlich sich damit aber sehr wahrscheinlich wohlfühlt.

Sehr auffällig: Zuletzt wurde AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland in der Talkshow Anne Will oft mit fremdenfeindlichen Zitaten und Rassismus konfrontiert. Sogar der Moderatorin wude die Dämonisierung zusehends unangenehm und sprach von der „verfolgten Unschuld”, von der Opferrolle, die die AfD am Ende so stark gemacht hat. Sehr oft unterbrach sie deswegen den „Stern”-Kolumnisten Hans-Ulrich Jörges, der immer wieder ausholte und Gaulands vergangenen Äußerungen als rassistisch einordnete. Anne Will hatte offenbar erkannt, dass die Opferrolle genau die Wahlkampf-Strategie der AfD war. Sie hat dazu geführt, dass 13 Prozent der Wähler in Deutschland die Partei gewählt haben.

Hört auf mit den unsäglichen AfD News — jetzt geht’s um die Sache!

Ein Vorwurf, der weder an die AfD, noch an die Wähler gerichtet ist. Für die Partei ist das Konzept aufgegangen und das angesprochene Wählerklientel konnte bei der unverhältnismäßigen und denunzierenden Berichterstattung gar nicht anders, als die sogenannte „Alternative” zu wählen. Eine „Jetzt erst recht”-Stimmung machte sich im Land breit, obwohl die tendenziell negative Berichterstattung über die AfD eigentlich dazu führen sollte, die Partei bloßzustellen. Doch der ehrenhafte Ansatz der Medien ist nach hinten losgegangen. Das müssen wir uns eingestehen. Der fulminante Einzug der AfD, mit mehr als 90 Sitzen, hat allerdings auch eine positive Seite. Das Wahlergebnis wird zu einer Wiederbelebung der Opposition führen und Satiriker werden ihre große Freude daran haben, wenn die ersten AfD-Abgeordneten am Rednerpult stehen. Denn von den mindestens 90 Abgeordneten werden vorraussichtlich etwa 20 offen rechtsradikale AfD-Politiker in den Bundestag einziehen.

Trotzdem Danke: Die Demokratie lebt

Natürlich ist es eine Schande. Das Kind ist allerdings in den Brunnen gefallen. Also lasst uns die Schande in eine Chance verwandeln. Die Chance darauf, dass die etwas eingeschlafene parlamentarische Demokratie in Deutschland wieder Konturen zeigt. So ist es nur zu begrüßen, dass sich die SPD für die Opposition entschieden hat und den Weg für die „Jamaika”-Koalition freigibt. Denn auf diese Weise können die Sozialdemokraten ihr Profil wieder schärfen und verhindert durch die Annahme der Oppositionsführerschaft, dass nicht Rechtsradikale das erste Wort nach der Regierungserklärung haben und wichtige Schlüsselpositionen in Ausschüssen belegen.

Und ganz am Ende sollten wir nicht vergessen: 87 Prozent der Deutschen haben sich klar gegen eine rechtspopulistische Alternative entschieden.

Was glaubst du? Wird sich die AfD langfristig etablieren?

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