Angst und Panik… die ungebetenen Gäste im Kopf [Kommentar]

© Unsplash / Aaron Blanco Tejedor
Sascha Falkner
08.10.2019

Angst ist ein völlig natürlicher Impuls des Menschen. Und viele Menschen haben Ängste – sei es beispielsweise vor Spinnen, Höhen, engen Räumen, dem Fliegen oder Dunkelheit. All diese Ängste sind logisch nachvollziehbar und haben einen konkreten Auslöser. Dann gibt es wiederum Menschen, die von plötzlichen Angstzuständen und Panikattacken befallen werden: Es kommt einfach so aus dem Nichts, ohne einen logisch nachvollziehbaren Grund. Fest steht, dass Angst und Panik verdammt üble Gesellen sind. Sie verursachen nicht nur unangenehme Gefühle, sondern können dein Leben auch zeitweise ziemlich einschränken …

Tag beziehungsweise Nacht X war vor einem Jahr. Ich war gerade mitten in meinem Teneriffa-Urlaub – Zeit zu entspannen und dem Alltag zu entfliehen. Meine Oma war vier Monate zuvor gestorben. Eine Auszeit konnte ich also sehr gut gebrauchen. Eines Nachts schreckte ich plötzlich aus dem Schlaf auf, mit dem Gefühl, keine Luft zu kriegen. Da ich oft meine Brustwirbel eingeklemmt habe (Bürojob und falsche Haltung halt), schob ich es darauf. Ich stand also auf, dehnte mich kurz, ging zur Toilette und trank einen Schluck Wasser. Wieder auf dem Bett sitzend, wurde es immer enger und beklemmender in meiner Brust. Mein Herz fing an zu pochen. Plötzlich kribbelten meine beiden Handgelenke. Das alarmierte mich und prompt breitete sich ein flattriges, brennendes Gefühl der Panik durch meinen gesamten Brustkorb aus. Ich wusste nicht, was und wohin, wollte am liebsten auf die Straße rennen und um Hilfe schreien. Mein erster Gedanke: „Schlaganfall oder Herzinfarkt … auf Teneriffa … mehr als 3000 km weg von zu Hause!“

Ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt

Was ich in jener Nacht durchmachte, war kein Herzinfarkt oder Schlaganfall, sondern meine allererste Panikattacke. Onkel Google bestätigte mir das, nachdem ich meine Symptome direkt gegoogelt hatte (was das Allerbeste ist, das man in so einer Situation tun kann … NICHT!). Durch das Wecken meines Kumpels und Atemübungen – ebenfalls ein Tipp von Onkel Google – konnte ich mich dann wieder etwas runterholen. Dennoch war mein Urlaub ab dem Zeitpunkt im Eimer. Permanent schwirrte mir jene Erfahrung im Kopf herum und die Angst: „Hoffentlich habe ich nichts am Herzen, hoffentlich sterbe ich hier nicht!“ Als Jogger, Anfang 30, mit einem relativ guten und gesundem Lebensstil ist dies ein eher unwahrscheinliches Szenario. Aber erklär das mal deinem Kopf.

Es vergingen viele Monate, ohne dass sich eine solche Erfahrung wiederholte. Im Sommer dieses Jahres bin ich zweimal mit einer Freundin nach Mallorca geflogen. Beim ersten Mal war alles super, beim zweiten Mal hatte ich wieder eine Panikattacke. Immer auf Reisen komischerweise. Die Angst, dass mir etwas passiert, wenn ich von Zuhause weg bin. Wenn ich meine Komfortzone verlassen habe und mich Situationen ausgesetzt fühle, in denen ich möglicherweise keine oder nicht schnell genug Hilfe bekomme. Gut, dass ich jedoch nicht alleine war. Dennoch, denkt sich der Kopf, wenn dir jetzt was passiert, dann kann dir auch die Freundin nicht helfen. Aber: Ich hab‘ es überlebt! Ich wusste, was da wieder mit mir passierte. Das Tückische an Panikattacken ist, dass sie eine gewisse Angst vor der nächsten Attacke auslösen. Angst vor der Angst nennt man das. Man beginnt quasi, in gewissen Situationen eine nächste Attacke zu prophezeien. Bis dato dachte ich, dass solche Situationen bei mir scheinbar vorwiegend auf Reisen vorkommen.

Wenn der Kopf dir Steine in den Weg legt

Man legt sich selbst Steine in den Weg. Bei den kleinsten körperlichen Symptomen fängt das Kopfkino an, verrückt zu spielen, die Angst bauscht sich auf und wird zur Panik – Todesangst und Raserei. Kürzlich klopfte sie auch recht beharrlich an meine heimische Haustür … in meiner Komfortzone! Nach einem sonntaglichen Abstecher in die Notaufnahme, gefolgt von mehreren EKGs, Herz-Ultraschall und Schilddrüsen-Check ohne jegliche Befunde sagte ich mir: Jetzt reicht es! So geht das nicht weiter. Das macht dich wahnsinnig und raubt dir Lebensqualität. Man fühlt sich total bescheuert, weil man nicht mal erklären kann, wieso man diese Panikattacken plötzlich hat. Sie kommen einfach. Mal heftig, mal schwächer. Mal tagsüber, aber auch nachts. Und sie schränken dich in gewissen Dingen ein.

Weite Reisen? Das überlegst du dir zweimal. Was, wenn dir das in Japan passiert? Genau dieses Reiseziel steht nächstes Jahr bei mir an – so zumindest der Plan. Das stand schon immer auf meiner Liste, mein Traumziel. Jetzt habe ich die Gelegenheit, mit meinem Vetter und seiner Freundin dort hin zu reisen. Und ich will unbedingt, denn ich liebe Reisen, ferne Länder und Kulturen zu erkunden. Doch die innere Unruhe, die Angst vor der Angst ist bereits im Voraus spürbar. Das ist für mich der Startschuss gewesen: Ich lasse mir von Panik nicht mein Leben ruinieren oder vorschreiben, was ich tun und nicht tun kann!

Schäme dich nicht für deine Ängste: Hole dir Hilfe!

Sich seinen Ängsten zu stellen, bedeutet vor allem auch, sich nicht dafür zu schämen. Es ist menschlich. Manchmal gibt es Dinge, die sich an dein Unterbewusstsein anheften und eine Blockade auslösen – diese rufen dann ohne jegliche Vorwarnung und logischer Erklärung Panikattacken hervor. Habe dann den Mut, dir Hilfe zu holen und mit Experten zu sprechen. Eine Therapie oder Coaching ist immer eine super Sache, um die Ursache herauszufinden und diese auszuloten. Auch autogenes Training oder progressive Muskelentspannung und Meditation können dich stärken, damit du aus solchen „Momenten“ schnell wieder raus kommst. Denn: Panikattacken sind keine psychische Erkrankung und man landet auch nicht in der Klapsmühle. Sie sind lediglich die Reaktion auf eine mentale Blockade durch eine oder mehrere Erfahrungen, mit denen man unterbewusst nicht fertig wird. Und genau daran sollte man mit einem Profi arbeiten.

Die körperlichen Symptome, die eine Panikattacke auslösen, sind sehr beängstigend. Vor allem, wenn man zum allerersten Mal in seinem Leben eine solche Attacke hat. Und ja, auch wenn es sich bedrohlich anfühlt und du denkst, dass du stirbst oder den Verstand verlierst. Sei dir bewusst: Das wirst du nicht! Und es geht vorbei! Stelle dich deiner Panik und sieh sie als Freund an – als ungebetenen Gast: Ach ja, die kenne ich, sie kommt ab und an vorbei, geht dann aber auch recht schnell wieder. Und wenn du dir den Mut fasst, dir Hilfe zu holen, dann wird sie bald auch für immer verschwinden. 

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