Vergesst das Dschungelcamp! Australien brennt — und Deutschland debattiert über eine TV-Show [Kommentar]

Dschungelcamp in Australien
© picture alliance/AP Photo, RTL/Stefan Gregorius (Montage)

Am Freitag startet RTL das Dschungelcamp in Australien. Dort, wo unzählige Menschen um ihre Existenz, ja, um ihr Leben bangen. Rund eine Milliarde Tiere fielen den Flammen schätzungsweise bislang zum Opfer. Zehn Millionen Hektar sind inzwischen abgebrannt. Und Teile des „fünften Kontinentes” könnten für immer unbewohnbar bleiben. Deutsche Politiker fordern: Stoppt das Dschungelcamp! Mein Appell lautet: Vergesst das Dschungelcamp!

Der Aufschrei ist lauter als der traditionelle „Ich bin ein Star — Holt mich hier raus!”-Ruf von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, mit dem die beiden Dschungelcamp-Moderatoren jede Show einleiten. Aufgrund der verheerenden Brände in Australien fordern viele deutsche Politiker (parteiübergreifend) dieser Tage, die Ausstralung der RTL-Reality-Show 2020 auszusetzen.

So sprach sich SPD-Mann Karl Lauterbach gegenüber der Bild klar für eine Absage aus: „Ich finde es angemessen, während dieser Brände die Sendung Dschungelcamp, die ich persönlich aber auch grundsätzlich entbehren könnte, dort nicht weiter zu drehen. Das Ganze erinnert an den Tanz auf dem Vulkan.” D’accord! Die CDU-Abgeordnete Elisabeth Motschmann empfindet es „als höchstgradig geschmacklos, die Sendung in diesem Jahr in Australien stattfinden zu lassen”. Und die medienpolitische Grünen-Sprecherin, Margit Stumpp, hält den Zeitpunkt nicht für geeignet, „für den Dreh leichter Unterhaltung in das gebeutelte Australien zu fliegen”. Ebenfalls D’accord!

Verfehlte Diskussion

Mein Problem bei dieser Diskussion: Es gibt meines Erachtens keinen Grund, diese überhaupt zu führen. Es ist völlig irrelevant, ob ab kommenden Freitag zwölf Z‑Promis irgendwo auf dieser Welt um Sterne kämpfen oder auf Schatzsuche gehen. Noch einmal: In der Sache ist die Empfehlung der Politiker absolut zu unterstreichen. Doch dass gefühlt ganz Deutschland über das Dschungelcamp in Australien debattiert, während die wohl größte Naturkatastrophe unserer Zeit in vollem Gange ist, halte ich für verfehlt.

Selbiges gilt übrigens für die Ankündigung des Senders, dass die Sicherheitsvorkehrungen im Camp verschärft wurden. So würden alle Personen am Set im Falle eines Notfalls benachrichtigt werden. Zudem soll eine Gaskochstelle das Lagerfeuer ersetzen. Gut zu wissen — NICHT! Ich gebe zu, dass ich nach dieser Ankündigung kurz geneigt war, auf den „Stoppt das Dschungelcamp”-Zug aufzuspringen. Letztlich hat mich dieser Einblick in das neue Regelwerk einer TV-Show allerdings nur darin bestärkt, das Thema, das keines ist, links liegen zu lassen.

Zudem stelle ich mir die Frage: Braucht es wirklich eine Dschungelcamp-Diskussion, um die Menschen für das Feuer in „Down Under” zu sensibilisieren oder dem Ganzen eine größere Aufmerksamkeit beizumessen? Ich habe da so meine Zweifel.

Dschungelcamp in Australien absagen: Wen interessiert’s?

Keinen Menschen in Australien oder in anderen Teilen dieser Welt wird es interessieren, ob RTL die Show stattfinden lässt oder nicht. Zeichen hin oder her. Dadurch wird kein Mensch, kein Tier und kein Haus gerettet! Also: Stoppt das Dschungelcamp oder lasst es bleiben! Oder anders ausgedrückt: Vergesst das Dschungelcamp und lasst uns alle auf das besinnen, worum es wirklich geht: den Fortbestand unserer Zivilisation, unserer Erde. Zu pathetisch? Mag sein! Doch lieber pathetisch als redundant!

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