Unvergessen: 5 Filme und Serien über die Sklaverei in Amerika

© Unsplash / Zulmaury Saavedra
Sascha Falkner
25.03.2019

212 Jahre ist es her, dass am 25. März 1807 der Slave Trade Act zur Abschaffung des Sklavenhandels im britischen Reich in Kraft trat. In den Südstaaten Amerikas hingegen, die damals eine Hochburg der Sklaverei waren, kam die Freiheit erst mit dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahre 1865. Auch das ist mittlerweile 154 Jahre her. Es ist ein düsteres Kapitel der Menschengeschichte, das bis heute aber nicht vergessen ist: Dazu trägt auch Hollywood bei, wo die Thematik immer wieder aufgegriffen und präsent gemacht wird. Wir stellen euch fünf historische Filme und Serien vor, die die Geschichte der Sklaverei in Amerika aufgreifen. 

Obwohl bereits seit der Antike Sklaven gehalten wurden, hat der Sklavenhandel seine Wurzeln im frühneuzeitlichen Europa. Im 16. Jahrhundert wurden afrikanische Menschen von den Kolonialherren in die Karibik verschifft, um sie dort als Sklaven zu verkaufen. Später wurden sie dann auch nach Nordamerika gebracht, wo schließlich im 18. und 19. Jahrhundert in den Südstaaten ein regelrechter Sklaven-Boom herrschte: Die Baumwollwirtschaft wuchs und die Plantagenbesitzer brauchten Arbeitskräfte – Menschlichkeit stand da völlig außen vor.

Wenn der Mensch zum Eigentum wird

Es ist ein trauriges Stück amerikanischer Geschichte. Es ist unangenehm und man redet nicht gern darüber. Einige Jahrhunderte lang mussten abertausende von afrikanischen Frauen, Männern und Kindern sich ihrem Schicksal fügen. Nur wegen ihrer Hautfarbe und weil sie aus einer anderen, weniger zivilisierten Welt kamen, als der wohlhabende und übergeordnete Weiße. Das war nicht nur Rassismus, sondern Menschenverachtung und oft reiner Sadismus: Peitschenhiebe und Prügel, Beleidigungen, sexueller Missbrauch – und niemand wird wohl jemals genau wissen, wie viele Sklaven von ihren weißen Besitzern zu Tode gequält wurden.

Ein langer und steiniger Weg

Mit der Abschaffung der Sklaverei nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs war es noch lange nicht getan. Rassismus und Missachtung waren auch für den freien Afroamerikaner an der Tagesordnung. Es dauerte noch über ein weiteres Jahrhundert, bis sich die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten änderte und die afroamerikanischen Bürger endlich mehr Akzeptanz, Rechte und Inklusion erfahren durften. Ein langer und steiniger Weg, der sich über Jahrhunderte zog. Genau deshalb ist es klasse, dass die UN seit 2007  jedes Jahr am 25. März die zahlreichen Opfer der Sklaverei und des Sklavenhandels mit einem Gedenktag würdigt. Damit niemals in Vergessenheit gerät, wozu der Mensch in der Lage ist: nämlich dazu, ein Unmensch zu sein – aber genau so gut auch dazu, die größten Hürden zu überwinden.

Auch Hollywood hat in den letzten 80 Jahren immer wieder Tribut an die Epoche der Sklaverei in Amerika gezollt und mit zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen große, bewegende und traurige Geschichten über das Leben der Sklaven auf den Plantagen im Süden erzählt. Hier sind fünf Produktionen, die auf ihre eigene Art mit dem Thema umgehen.

1

12 Years a Slave (2013)

Das jüngste Werk über Sklaverei von Regisseur Steve McQueen erhielt 2014 zwei Oscars: Bester Film und beste Nebendarstellerin für Lupita Nyong’o. Der Film basiert auf der Autobiografie von Solomon Northup, der als freier Afroamerikaner in den 1840er Jahren in die Sklaverei auf eine Plantage verkauft wurde. Es ist die starke Leidensgeschichte eines Mannes und seiner Gleichen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und kämpfen müssen – und der Film geht dabei alles andere als zimperlich mit dem Thema um: sexueller Missbrauch, zerfleischte Rücken von Peitschenhieben und Weiße, die es einfach nur aufgeilt, Sklaven zu quälen. Hier wird definitiv nichts beschönigt oder romantisiert, sondern knallhart so dargestellt, wie Northups Aufzeichnungen es festhalten. Definitiv ein ganz starker Film, wenn auch nichts für Zartbesaitete.

 

2

Roots (1977)

Vor 12 Years a Slave gab es diese 8-teilige TV-Serie, die die Geschichte des Sklaven Kunta Kinte und sieben Generationen seiner Familie erzählt: Sie beginnt damit, dass er als 17-Jähriger aus seinem Dorf in Gambia verschleppt wird, um auf einem Sklavenmarkt in Nordamerika verkauft zu werden, und endet mehr als ein Jahrhundert später mit der Befreiung der Sklaven nach dem Ende des Bürgerkriegs. Für die packende Familiensaga aus der Sicht der Sklaven, gab es insgesamt neun Emmys und einen Golden Globe für die beste Miniserie. Auf Grund des großen Erfolges wurde 1979 eine zweite Serie, Roots: Die nächste Generation, produziert. 2016 wurde für den amerikanischen TV-Sender History ein vierteiliges Remake der Originalserie gemacht.

3

Fackeln im Sturm (1985-86)

Kinder der 80er erinnern sich vielleicht noch an dieses epische Stück Fernsehgeschichte, das Patrick Swayze vor Dirty Dancing ganz groß raus brachte: Es ging um die Freundschaft zwischen dem kecken Orry Main aus dem Süden und dem charmanten George Hazard aus dem Norden… vor, während und nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Natürlich bietet diese zwölfteilige Serie auch Liebesdramen, jeder Menge Intrigen, Schicksalsschläge, Verrat, schwere Entscheidungen – und natürlich Sklaverei, was die Freundschaft von Orry and George mehr als nur einmal auf die Probe stellt. Auch wenn die Serie als historische Seifenoper konzipiert ist, so ist die Darstellung der Sklaverei sehr authentisch und die Gewalt an den Sklaven wird hier explizit veranschaulicht. Auch der sexuelle Missbrauch der weiblichen Sklavinnen wird zumindest stellenweise angedeutet. Darüber hinaus thematisiert die Serie die Liebesgeschichte einer weißen Abolitionistin und eines Sklaven, dem sie zur Flucht verhilft, gemeinsam mit ihm in den Norden flieht und ihn heiratet.

4

Django Unchained (2012)

Auch Quentin Tarantino thematisiert die Sklaverei in diesem Film – jedoch in einem völlig neuen Ansatz als vorherige (und nachherige) Film- und Fernsehproduktionen: Er bedient sich verschiedenen Aspekten der amerikanischen Geschichte, fügt diese zusammen und macht dann mal ganz einfach einen Western daraus. Anders als hier eine weitere Leidensgeschichte zu erzählen, macht ein Sklave namens Django (gespielt von Jamie Foxx) einfach gemeinsame Sache mit einem Weißen (gespielt von Christoph Waltz), die zusammen als Kopfgeldjäger auf Banditenjagd gehen. Natürlich ist das perfekte Gelegenheit, ordentlich Rache an den weißen Unterdrückern zu nehmen. Auch wenn sich hier Sklaven beispielsweise in Wrestling-Matchs zu Tode prügeln, liegt die Gewichtung nicht auf der Opferrolle der Afroamerikaner, sondern auf deren Emanzipierung… und natürlich Djangos cooler Haudegen-Mentalität.

5

Vom Winde verweht (1939)

Der Film, mit dem alles begann: Wer kennt ihn nicht? Das knapp vierstündige Südsaaten-Epos um die Liebes- und Leidensgeschichte von Scarlett O’Hara und Rhett Butler. Der Film, dessen Geschichte während und nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg stattfindet, war lange Zeit der erfolgreichste (und wohl längste) Film aller Zeiten. Er gibt ein wichtiges Stück amerikanische Geschichte wider – allerdings völlig romantisiert und absolut verharmlost… das Härteste ist lediglich eine Ohrfeigen-Szene. Kritiker sowie das afroamerikanische Publikum bezeichneten die Darstellung der Sklaven, die teilweise recht stereotypisch bis leicht dümmlich verkörpert werden, später als rassistisch. Immerhin brachte der Film die erste afroamerikanische Oscar-Gewinnerin, Hattie McDaniel, hervor und wird wohl immer in der Filmgeschichte als einer der ganz Großen verweilen.

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