Free Chico: Darum darf dieser Hund nicht eingeschläfert werden!

Free Chico
© dpa

Vor einer Woche tötete ein Staffordshire Terrier in Hannover zwei Menschen. Dennoch steht für mich fest: Chico darf unter keinen Umständen eingeschläfert werden. Warum? Weil man die Dinge nicht verwechseln sollte. Weil dieser Hund nicht für die Verfehlungen von Menschen büßen darf. Und weil er trotz meines tief empfundenen Mitleids mit den Hinterbliebenen der beiden Todesopfer ein Recht auf Leben hat. Darum unterstütze ich hiermit öffentlich die Kampagne „Free Chico”!

Ich gebe es zu: Ich habe seit Kindheit an panische Angst vor großen Hunden, wechsele in der Regel sofort die Straßenseite, sobald mir ein Vierbeiner entgegenkommt. Dennoch möchte ich mit diesem Kommentar an die Mitarbeiter des Veterinäramtes der Stadt Hannover appellieren und sie darum bitten, den als „Killer-Hund” bezeichneten Staffordshire Terrier nicht zu töten.

Kein Tier kommt böse auf die Welt — auch nicht Chico, der seine Halterin und deren Sohn durch Biss-Attacken in der eigenen Wohnung getötet hatte. Meiner Ansicht nach trifft diesen Hund jedoch keine Schuld. Wir wissen nicht, was in der Wohnung genau vorgefallen ist. Wir wissen nicht, ob Chico provoziert oder getrimmt wurde. Wir wissen nicht, ob seine „schmerzhafte Umfangsvergrößerung am Kiefer”(O‑Ton Christiane Mehl, Leiterin für Veterinärangelegenheiten) das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Chico wollte doch nur geliebt werden! Zu viel verlangt?

Klar ist, dass sich die verstorbene Frau vor acht Jahren einen Hund zugelegt hatte, um sich vor dem Mann zu schützen, der sie in den Rollstuhl geprügelt hatte. Ohne etwas unterstellen zu wollen, ist aufgrund dieses Hintergrundes davon auszugehen, dass Chico eine bestimmte Aufgabe übernehmen sollte — in einer für ihn ungeeigneten Umgebung, auf engstem Raum und an der Seite einer überforderten Frau und einem Sohn, der gesundheitlich ebenfalls nicht auf der Höhe gewesen sein soll.

Und damit wären wir auch schon beim Begriff „Kampfhund”, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellen. Es sind die Menschen, die Hunde abrichten und zu einer „Waffe” ausbilden. Auch Chico ist eines Tages auf die Welt gekommen, um artgerecht aufzuwachsen und, ja, geliebt zu werden. Dies wurde ihm anscheinend den Großteil seines Lebens verwehrt. Wir Menschen können sagen, wenn wir unglücklich sind und Ängste haben. Chico konnte das nicht — er hat sich, so tragisch es auch ist, vielleicht anders zu helfen versucht. Sollte er so abtreten — nach acht qualvollen Jahren? Aus meiner Sicht lautet die Antwort NEIN! Gibt diesem Tier eine Chance, geliebt zu werden und Liebe zu geben — in den richtigen, professionellen Händen. Free Chico!

So kannst du die „Free Chico”-Kampagne unterstützen!

Um eines klarzustellen: Diese Erkenntnis hat nichts damit zu tun, dass mir das Schicksal der Opfer und deren Hinterbliebenen gleichgültig ist. Ich empfehle lediglich, die Dinge nicht zu vermischen. Die Tötung des Tieres wird nichts ändern! Vielmehr gilt es aufzuklären, wie dieses Drama hätte verhindert werden können. Selbst die Stadtverwaltung hat laut eines HAZ-Berichtes inzwischen gravierende Fehler eingeräumt, bereits 2011 habe die Stadt Hannover vom Amtsgericht einen Hinweis über die Gefährlichkeit erhalten, die vom Hund ausgeht. „Es ist kaum erklärlich, warum den Hinweisen, die uns vorlagen, nicht nachgegangen worden ist. Der Halter hätte demnach das Tier nicht weiter besitzen dürfen.”, so Hannovers Ordnungsdezernat Axel von der Ohe.

Ich begrüße ausdrücklich den Vorschlag des Tierschutzvereins Hannover, Chico in eine Spezialeinrichtung zu übergeben. Die Sicherheit der Bevölkerung steht ohne Zweifel an erster Stelle. Dafür können wir alle sorgen. Über 250.000 Menschen haben sich bereits an einer Online-Petition beteiligt und dafür eingesetzt, dass Chico leben soll. Mit der einen oder anderen Spende sollte die für Mensch und Hund sichere Unterbringung doch zu ermöglichen sein. Niemand hat das Recht, ein Tier zu töten, sobald die unmittelbare Gefahr gebannt ist. In Deutschland gibt es keine Todesstrafe — und das sollte auch für Tiere gelten, auch wenn sie — unverständlicherweise — juristisch gesehen wie Gegenstände behandelt werden. Free Chico!

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