Gegen die AfD: Wie ein Blogger die Partei austrickst

Gegen die AfD
© dpa
Thorsten Kolsch
19.02.2018

Gegen die AfD ist kein Kraut gewachsen? Der 25-jährige Berliner Nathan Mattes sieht das anders. Mit seiner ironischen, aber ernstgemeinten Kampagne „Wir sind AfD” hat der Blogger die sogenannte „Alternative für Deutschland” einfach mal  ausgetrickst. 

Nathan der Weise ist die Hauptfigur in Lessings gleichnamigem Ideendrama über Humanismus, Toleranz und Aufklärung. Wie passend, dass ausgerechnet ein junger Berliner mit dem Namen Nathan das Netz derzeit darüber aufklärt, dass die AfD eine „rechtsextreme, rassistische, menschenverachtende Partei” ist. So der O‑Ton von Nathan Mattes auf seinem Zitate-Blog Wir sind AfD. Auf dieser Seite finden sich Zitate, oder besser gesagt Entgleisungen, zahlreicher AfD-Politiker. Ziel sei es, zu dokumentieren, auf welche Partei sich die Menschen einlassen, die die vermeintliche „Alternative” wählen und unterstützen.

Nathan gegen die AfD — doch die wehrt sich

Natürlich muss auch die AfD anerkennen, dass in Deutschland sowas wie Meinungsfreiheit herrscht. Doch was sie anmahnt, ist die widerrechtliche Nutzung der Domain wir-sind-afd.de. Auf dieser Webseite würde sich Nathan Mattes den Namen der Partei „anmaßen”. Das sieht der Blogger völlig anders, da er bereits ganz oben auf der Seite deutlich macht, was er von der Partei hält. Nämlich nichts. Dennoch klagt die AfD gegen den 25-Jährigen — und bekam sogar Recht. Die Folge: 9.400 Euro Anwalts- und Gerichtskosten. Jetzt kommt das Happy End: Freunde von Nathan haben auf Leetchi.com eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen, um Geld für ihn zu sammeln. Das Ergebnis: Inzwischen sind mehr als 51.000 Euro (Stand 20.02.2018) zusammengekommen und es werden stündlich mehr. Nathan ist außer sich:

Dank Crowdfunding geht’s in die Berufung

Die enorme Unterstützung nimmt Nathan nun zum Anlass, in die Berufung zu gehen und sollten es die Gerichtskosten erlauben, noch weiter. Denn schlechte Anwälte hat die AfD nicht. Dabei versichert er, dass übrig gebliebenes Geld nur Projekten zugute kommt, „die der AfD nicht gefallen”. Und selbst wenn er die höchste Instanz verliert, habe er einen Plan B und alternative Domains gesichert. Hier kannst du die Kampagne von Nathans Freunden unterstützen.

Welche Domain es am Ende sein wird, oder ob Nathan am Ende doch noch den Prozess gewinnt, bleibt abzuwarten. Nur blöd, dass die Domain wir-sind-die-alternative.de bereits von  Jan Böhmermann reserviert wurde. Zwei Schlaue, ein Gedanke?

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