Im Selbstversuch: Wie schmecken eigentlich Insekten?

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Wie schmecken Insekten

Sie sind gesund, leicht zu züchten und extrem klimafreundlich: Insekten. Die kleinen Tierchen sind bereits weltweit in vielen Kulturen fester Bestandteil der Ernährung und könnten bald auch in europäischen Küchen Einzug halten. Doch wie schmecken Insekten eigentlich? Im Selbstversuch habe ich mich überwunden und vier Arten von Insekten ausprobiert.

Als Kind stand ich bei der Expo 2000 in Hannover vor einem Pavillon, der geröstete Heuschrecken verkaufte. Für mich war das der erste Kontakt mit der Idee, dass Insekten Essen sein können. Und auch wenn ich mich damals nicht getraut habe, ließ mich dieser Eindruck nicht mehr los. Irgendwann wollte ich die Krabbeltierchen mal probieren und herausfinden, ob sie so eklig schmecken wie sie aussehen – oder ob Insekten das Essen der Zukunft sind.

19 Jahre später war es dann endlich soweit. Ich machte mich im Internet auf die Suche nach essbaren Insekten. Und wo fängt man an, wenn man keine Ahnung hat, wo man suchen soll? Richtig, Amazon. Erstaunlich schnell hatte ich ein passendes Produkt gefunden. Ein Paket mit kleinen Glasröhrchen, die vier verschiedene Arten von Insekten enthielten: Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer und Buffalowürmer.

20 Euro für 100 Gramm Insekten

Etwas seltsam war es schon, die Röhrchen in den Händen zu halten. Wenn man das Glas bewegt, kommt es einem manchmal so vor, als würden die eigentlich toten Insekten wieder zum Leben erwachen und munter umher krabbeln. Nicht unbedingt appetitlich, aber andererseits erwartet man bei Insekten auch keinen leckeren Anblick. Zudem ist der Preis für das Probier-Set erstaunlich hoch: Rund 20 Euro für vielleicht 100 Gramm der Krabbeltiere sind angesichts der unkomplizierten Züchtung und Haltung fast frech.

Aber was soll’s. Das Ganze ist ja schließlich ein Experiment, alles für die Wissenschaft! Also traf ich mich kurz darauf mit zwei Freunden, um die Insekten zuzubereiten. Wir entschieden uns für den einfachsten Weg und brieten die Tierchen in der Pfanne. Dazu Reis, ein wenig Gemüse und eine leckere Sauce – fertig ist das Insektengericht.

Einer Kostprobe vor dem eigentlichen Hauptgericht konnten wir aber nicht widerstehen. Nacheinander verschwanden die vier Insektenarten im Mund. Überraschenderweise haben mir ausgerechnet die Heuschrecken nicht wirklich geschmeckt. Knusprig in der Konsistenz, aber ein recht strenger Nachgeschmack. Die Grillen waren schon besser, ebenfalls kross und fast ein wenig nussig. Die größte Überraschung waren allerdings die Mehlwürmer, auf die ich anfangs so gar keine Lust hatte. Sehr nussig, kein Nachgeschmack und am Ende auch harmonisch mit Reis und Sauce. Die Buffalowürmer waren ähnlich, nur fast zu klein, um den Geschmack zu bemerken.

Im Selbstversuch: Wie schmecken Insekten?

Bei der Einzelverkostung waren die Hemmungen dann auch ziemlich schnell überwunden. Gebraten sehen Heuschrecken und Co. deutlich appetitlicher aus und riechen auch ganz gut. Als vor allem die kleinen Insekten aber unter den Reis gemischt waren, setzte mein Gehirn auf Blockade. Schließlich wächst man mit der Regel auf, dass Krabbeltiere im Essen alles andere als ein gutes Zeichen ist. Und auch wenn der Geschmack eigentlich stimmte: Wirklich genießen konnte ich das fertige Gericht so letzten Endes nicht – weil mein Kopf nicht mitspielte.

Und das ist das größte Problem bei Insekten als Nahrungsmittel. Natürlich spielt der Geschmack eine Rolle. Aber wir essen was wir essen, weil wir das so eben gelernt haben. Ernährung beruht auf Sozialisation. Es ist einfach Gewohnheit, dass wir zum Beispiel Garnelen essen, aber keine Heuschrecken oder Spinnen. Schließlich sind Schnecken oder Austern äußerlich auch nicht gerade appetitlich, gelten in manchen Teilen Europas aber als Delikatesse.

Wenn wir uns also an den Gedanken von Insekten als Nahrungsmittel gewöhnen, kommt der Rest von allein. Schließlich können die Krabbeltiere in Zukunft ein entscheidender Teil der Ernährung weltweit werden. Sie sind extrem nahrhaft, sehr leicht und kostengünstig zu züchten und gerade im Vergleich zur Fleischproduktion kaum belastend für das Klima. Der Geschmack stimmt jedenfalls, jetzt muss nur noch der Kopf nachziehen.

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