Warum das Kölner Rathaus ein obszöner Ort ist …

Kölner Rathaus
© Depositphotos / Moskwa
Henning Sonnenschein
02.04.2019

Das Kölner Rathaus ist ein in jeder Hinsicht zentrales Gebäude in der Rhein-Metropole und gilt als das älteste Rathaus Deutschlands. Im Laufe der 800-jährigen Baugeschichte hat es auch ein unscheinbares, aber umso frivoleres Detail an den Prachtbau geschafft.

Mittelalterliche Gebäude im Allgemeinen und Rathäuser sind von besonderer Ernsthaftigkeit und Erhabenheit. Die Mischung aus Verwaltungsaufgaben und dem Hauch der Geschichte lehrt Betrachter zumeist Gefühle zwischen Ehrfurcht und Andacht. In Köln aber wohl nur so lange, bis sie ein gewisses Detail entdecken: In einigen Metern Höhe findet sich inmitten der reichhaltigen Verzierung des Gebäudes eine Figur, die bei heruntergelassener Hose (und ganz offensichtlich keiner Unterwäsche) den Hintern rausstreckt und den Kopf dabei soweit zwischen die Beine bekommt, um sich selbst oral zu befriedigen. An Details wird dabei nichts ausgespart:

Wirklich unentdeckt war das selbstverliebte Kerlchen bis dato nicht. Interessierte Einheimische wissen längst um das pornografische Detail am seriösen Rathaus. Wirklich breite Aufmerksamkeit bekommt die Darstellung aber erst jetzt, nachdem der Twitter-Kanal Whores of Yore (Huren von einst) sie gepostet und damit bereits fast 40.000 Reaktionen geerntet hat.

Kölner Rathaus: Ort der Seriosität – und der pikanten Details

Wer diese Figur wann und warum geschaffen hat, ist nicht genau überliefert. Fakt ist, dass sie aus dem frühen 15. Jahrhundert stammt und es damals eine durchaus übliche Art der Provokation war, um der Obrigkeit zu zeigen, dass man längst nicht alle Sitten- und Moralvorstellungen der Herrschenden zu teilen bereit war. Dass dieses Symbol ausgerechnet in der Karnevals-Hochburg an so prominenter Stelle wissentlich geduldet wurde und wird, überrascht dabei nicht sonderlich.

Die Figur an der Fassade ist übrigens nur eine einige Jahrzehnte alte Nachbildung: Das Original befindet sich vor äußeren Einflüssen (und Blicken) geschützt im Turm des Rathauses. Auf seine alten Tage ist der steinerne Kollege vielleicht auch ganz froh, seiner intimen Beschäftigung in einem etwas privateren Rahmen nachzugehen …

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