Liebe Nichtwähler: Demokratie heißt, die Wahl haben — Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt sein

Lieber Nichtwähler: Warum nicht zu wählen keine Alternative ist!
© Jakob Owens / Unsplash

Dies ist ein offener Brief an alle Unentschlossenen und Nichtwähler, die eventuell mit dem Gedanken spielen am 24. September bei der Bundestagswahl zu schwänzen. Dabei wäre ich fast selber zu einem Nichtwähler geworden.

Ein Wahlsystem ist vergleichbar mit dem Verkehrssystem. Befindet man sich auf der Autobahn, kann ich selber entscheiden, wohin ich fahre und darf mich auch beschweren, wenn vor mir ein Stau ist oder ich einen Umweg fahren muss. Liege ich aber nur faul auf der Straße, muss ich mich nicht wundern, wenn Autos an mir vorbeiziehen, oder schlimmer, ich überfahren werde. Vielleicht ist der Vergleich etwas zu dramatisch. Aber wenn ich kein aktiver Teilnehmer des Wahlsystems bin, brauch ich mich hinterher nicht beschweren, wenn Entscheidungen getroffen werden, die mir nicht gefallen, oder noch schlimmer, mich überrennen. Und das wird Machtlosigkeit, Gleichgültigkeit und Politikverdrossenheit in dir auslösen. Nicht so cool.

Sei kein Nichtwähler: Wählen dauert nur Minuten und tut nicht weh!

Vor vier Jahren war ich noch vorübergehend der Auffassung, dass eine „Nichtwahl” immer noch besser ist, als die „falsche” Partei zu wählen. Heute weiß ich es besser. Zwar ist inzwischen erwiesen, dass eine höhere Wahlbeteiligung nicht zwingend den Erfolg rechtspopulistischer (oder gar extremistischer) Parteien verhindert, doch wenn man es verhindern kann, dann nur dadurch auch sein Kreuzchen zu machen. Wichtig ist zu verstehen, dass keine Partei 100% deiner Interessen abdeckt. Dann bräuchten wir ja so viele Parteien, wie es Einwohner in Deutschland gibt. Finde also die Partei mit dem größten gemeinsamen Nenner. Eine Hilfe ist der Wahl-o-mat der die neue Wahl-Tinder-App.

Hier sind 5 Killer-Argumente, warum auch du am 24. September zur Bundestagswahl gehen solltest:

1

Fight for your Right!

Natürlich ist Wählen keine Pflicht, gemäß Artikel 20 des Grundgesetzes aber dein verdammtes Recht und die Grundlage einer Demokratie. Natürlich ist der politische Einfluss bei zwei Kreuzchen (Erst- und Zweitstimme) begrenzt. Es ist sozusagen die Minimum-Anforderung eines jeden Bürgers, sich politisch zu äußern. Wenn du möchtest, engagiere dich in Initiativen oder Parteien, versuche deine Überzeugungen durchzusetzen — aber fang doch erstmal mit zwei Kreuzchen an. Stell dir vor, es gibt immer noch viele Länder, die träumen von unserem Wahlsystem.

2

Selbst ein ungültiger Stimmzettel ist besser!

Du denkst, nicht wählen zu gehen und einen ungültigen Stimmzettel abzugeben ist das selbe? Nope. Selbst wenn du statt der Kreuze ein Emoji oder sonst was darauf malst, bist du im Kreise des Wahlvolks. Das erhöht die Wahlbeteiligung und senkt die Prozentwerte aller Parteien. Das finden Parteien natürlich nicht so toll, ist aber dennoch ein gutes Mittel für Unentschlossene. Denn du vergeudest deine Stimme nicht für eine Partei, von der du nicht überzeugt bist und gleichzeitig lässt du die Volksvertreter damit wissen, dass sie dich nicht erreicht haben. Als Nichtwähler verpasst du diese Chance und hast nichts zu melden.

3

Tu was für dein Gewissen!

Entscheidungen zu treffen, sind was tolles. Vor allem bringen sie dich in eine Handlungsposition, in den „Driver Seat”, wie die Amis zu sagen pflegen. Durch Nichtentscheidungen wurden jedenfalls noch keine großen Ideen und Konzepte der Menschheit verwirklicht. Viel wichtiger: Wenn du am 24. September eine Entscheidung triffst, lässt du nicht andere über deinen Kopf hinweg entscheiden. Wir haben nun mal eine repräsentative Demokratie, die auf Mehrheiten beruht. Selbst wenn du nicht inhaltlich mit allen Punkten einer Partei übereinstimmst, entscheide dich zur Wahl zu gehen. Entscheidungen tun gut.

4

Wählen statt Weckruf

Rechtspopulisten und ‑extreme sind sehr aktiv, das zeigen auch aktuelle Zahlen in den sozialen Netzwerken. Sie treten ein für Überzeugungen, wenngleich auch für sehr zweifelhafte Ansichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zur Wahl gehen ist recht hoch. Willst du das? Dann gehe zur Wahl und zeig’ es ihnen, mach deinen Stimmzettel ungültig, wenn du dir unsicher bist, in dem du deinen Namen drauf schreibst oder dich bei „Mutti” bedankst. Damit sorgst du wenigstens dafür, dass der prozentuale Anteil auch einer NPD oder AfD eher sinkt, als steigt.

5

Wählen ist einfach, kostenlos und sicher!

Leider ist es noch nicht möglich via Facebook oder Snapchat zu wählen. Dadurch, dass das Internet vor Hackerangriffen nicht geschützt werden kann, wird es dazu in absehbarer Zeit vermutlich auch nicht kommen, auch wenn beispielsweise in Estland das „i‑Voting” eingeführt wurde. Das soll aber keine Ausrede sein! Das nächste Wahllokal ist ganz sicher auch in deiner Nähe und du hast bis 18 Uhr Zeit. Dann müsstest du eigentlich ausgeschlafen sein, oder? Wenn du an dem Tag nicht in deinem Wahlkreis bist, kannst du dich bis zum Wahltag auch an der Briefwahl beteiligen. Weitere Informationen findest du hier.

Also, nutze dein Privileg, geh’ zur Wahl — gemeinsam sind wir stark!

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