Weltenbummler Leonard Cohen: Reiseroute einer Legende

Weltenbummler Leonard Cohen
Fabian Langkamp
11.11.2016

Reisende soll man nicht aufhalten! Dieses Sprichwort scheint wie für Leonard Cohen gemacht, der zeitlebens als Weltenbummler seinen Horizont erweiterte. Nur mit dieser letzten Reise hätte der Song-Poet – egoistisch gedacht – noch länger warten können. Bereits vor einigen Tagen verstarb Cohen mit 82 Jahren. Aus diesem Anlass zeichnen wir seinen beeindruckenden Weg von Hydra über das Chelsea Hotel bis in den Musik-Himmel nach.

Eigentlich wollte Leonard Cohen Schriftstiller werden. Zwar setzte er diese Begabung in die Tat um, schrieb Bücher und Gedichtbänder, doch in Erinnerung bleibt er den Menschen vor allem als ausdrucksstarker Singer-Songwriter. Cohen war ein Song-Poet, dessen Worte noch weit über seinen Tod hinaus nachhallen werden. Sein größter musikalischer Erfolg war sicherlich der Song „Hallelujah“, der als der meist gecoverte in die Geschichte einging. Inspiration für seine musikalischen und literarischen Werke holte sich der gebürtige Kanadier im Rahmen seiner vielen Reisen. Nun ist Leonard Cohen leider von uns gegangen.

Zum Abschied von Weltenbummler Leonard Cohen haben wir Auszüge aus der Reiseroute des Ausnahmekünstlers zusammengestellt.

1

Wie alles begann ...

Leonard Cohen erblickte in Westmount, einem Vorort von Montreal das Licht der Welt. Er wurde in eine einflussreiche jüdische Familie geboren. Hier lernte er das Gitarrespielen, hatte seine ersten Auftritte und spielte an der McGill University mit seiner Country-Folk-Band Buckskin Boys. Doch zu dieser Zeit spielte die Musik noch nicht die Hauptrolle in seinem Leben, da er an einer Karriere als Schriftsteller arbeitete.

2

Sein Leben auf Hydra

Nach längeren Reisen durch Europa, die er sich mit den Einnahmen aus seinen Bücherverkäufen finanzierte, zog es Cohen auf die griechische Insel Hydra.

Dort ließ er sich nieder und eine gewisse Marianne Ihlen wurde zu seiner Lebensgefährtin und Muse. Er widmete ihr unter anderem den Welthit „So Long, Marianne“.

Ihlen verstarb im vergangenen Sommer, was Cohen zu folgenden Zeilen veranlasste: „Marianne, wir sind nun beide in dem Alter angekommen, da unsere Körper langsam anfangen, zu vergehen – und ich denke, dass ich dir bald folgen werde. In dem Wissen, dass ich so nah bei dir bin, kannst du einfach deine Hand ausstrecken, und ich denke, du wirst meine erreichen.“

3

Rückkehr nach New York (Chelsea Hotel)

Im Jahr 1967 verließ Leonard Cohen seine Lieblingsinsel, um nach New York zurückzukehren – mit dem Ziel, als Songwriter und Musiker zu arbeiten. Wie viele andere Künstler lebte er zu dieser Zeit im legendären Chelsea Hotel. Passend dazu brachte er 1974 den Song „Chelsea Hotel #2“ auf den Markt.

Eigentlich hatte Cohen in diesem Hit unter anderem seine Beziehung zu Janis Joplin verarbeiten wollen. Dass er dem Chelsea Hotel damit ein Denkmal setzte, konnte er damals noch nicht erahnen.

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Ein Date in Greenwich Village

Neben Marianne Ihlen und Janis Joplin gab es eine weitere Frau, die im Leben Cohens eine große Bedeutung hatte. Die Rede ist von Joni Mitchell, die er im Manhattaner Stadtteil Greenwich Village kennenlernte.

Etwa ein Jahr lang waren die beiden Folk-Künstler liiert. Beide schrieben in dieser Zeit einen eigenen Song mit dem Titel „Winter Lady“.

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Newport Folk Festival 1967

Eine ganz wichtige Station im Leben des Leonard Cohen war das Newport Folk Festival 1967. Erstmals stand er damals als Sänger auf der Bühne, darauf folgte sein erstes Album mit Songs wie „So Long, Marianne“ oder „Suzanne“. Der neue Bob Dylan war geboren!

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Rückzug ins buddhistische Kloster

Mitte der 90er, also bereits einige Jahre nach seinen größten Erfolgen (u.a. mit „Hallelujah“), entschied sich Cohen dazu, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Und wo kann man das am besten in die Tat umsetzen? In einem Kloster! Das buddhistische Mount Baldy Zen Center liegt in der Nähe von Los Angeles in 2.000 Metern Höhe.

Weltenbummler Leonard Cohen
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Waldorf Astoria Hotel – Rock and Roll Hall of Fame

Nach seiner Zeit im Kloster nahm Cohen 2001 wieder seine musikalische Arbeit auf. Sieben Jahre später wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Im New Yorker Waldorf Astoria Hotel fand ihm zu Ehren eine große Zeremonie statt – mit Lou Reed als Laudator.

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Welttournee nach 15 Jahren

15 Jahre nach seiner letzten Tournee bereiste Leonard Cohen 2008 und 2009 wieder die Welt. Das Konzert in der Londoner O2-Arena wurde aufgenommen und unter dem Titel „Live in London“ als Doppel-Album und DVD veröffentlicht.

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Seine letzte Reise

Am  vergangenen Montag, den 7. November 2016, trat der Weltenbummler Leonard Cohen seine letzte Reise an – in den Musik-Himmel. Bereits vor einer gewissen Zeit hatte der Song-Poet erklärt, dass er bereit sei zu sterben. Zwar revidierte er diese Aussage später („Als ich sagte, ich bin bereit zu sterben, habe ich übertrieben. Ich mag das Drama um mich. Ich habe vor, ewig zu leben.“), doch nun ist leider die Zeit des Abschieds gekommen.

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