20 Jahre Burning Man: Was macht das Festival so besonders?

© Georg Beyer
Shari Hosseini
Shari Hosseini
29.08.2016

Das Burning Man gehört zu den bekanntesten Festivals der Welt. Mindestens ein Bild von einer überdimensionalen Holzfigur in Flammen hat jeder schon Mal gesehen. Acht Tage dauert das Festival und endet am ersten Montag im September (Labor Day/US-Feiertag). Am sechsten Tag wird die menschliche Holz-Statue verbrannt. Vor 20 Jahren hat Larry Harvey das Festival ins Leben gerufen. Was mit 20 Menschen begonnen, hat 20 Jahre später einen Zulauf von 70.000 Menschen. Selbst ein Krankenhaus wird in der Wüste von ehrenamtlichen Mitarbeitern aufgebaut. 

Aber was genau steckt dahinter? Wie ist es eigentlich dort vor Ort? Am besten kann das natürlich jemand beantworten, der schon mal da war: Georg Beyer, gebürtiger Bielefelder, hat Deutschland vor 12 Jahren verlassen und lebt momentan mit seiner Frau Tara in Evergreen, Colorado, USA. Beide sind Fotografen und gehen regelmäßig auf das Burning Man Festival.

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Wie war das erste Mal Burning Man für dich?

Ich würde so weit gehen und sagen, dass das erste Mal das beste Mal war. Einfach aus dem Grund, wie bei vielen Dingen auch, dass man Erwartungen hat und eine bestimmte Idee davon, welche aber dann vor Ort ganz anders sein werden. Ganz besonders bei einem Event, bei dem Menschen in der Wüste zusammenkommen, ihre eigenen Vorräte mitbringen und noch zusätzlich extra Sachen, die sie mit allen um sich herum teilen. Es gibt wirklich nichts vergleichbares. Ich bin selbst ein gutes Stück als Profi-Segler und als weniger Profi-Nomade für 6 Jahre non-stop in sechs Kontinenten und mehr als 50 Ländern gereist, aber ich war noch nie an so einem Ort wie Black Rock City. Das ist der Name der Stadt, die wir „Burners“ für eine Woche in den Salinen von Nevada erschaffen.

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Wie unterscheidet sich die Festival-Kultur dort zwischen der deutschen Festival-Kultur? Gibt es in Deutschland ähnliche Festivals?

Ich bin schon bei einen paar Musik-Festivals gewesen und verstehe auch, dass Menschen das Burning Man als ein Festival beschreiben, aufgrund der Ansammlung von großen Massen, aber sobald man dort ist, wird man verstehen, dass nichts so ist wie man dachte. Ja, da ist Musik, aber es gibt keine großen Bühnen. Jeder bringt seine eigene Musik mit. Es gibt eine Wand von Verstärkern, die durch die Wüste fährt und House Music spielt, denen dann die Menschen folgen. Es gibt auch einen Flammenwerfenden Oktopus der Greendays „American Idiot“ spielt und noch so vieles mehr. Aber die Musik steht nicht im Mittelpunkt, es ist eher ein Nebenprodukt der Menschen sich in allen Formen auszudrücken. Ich wüsste von nichts vergleichbarem in Deutschland, aber auch da: Ich lebe schon seit 12 Jahren nicht mehr in Deutschland und bin ein wenig raus.

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Was macht das Burning-Man so sehenswert/einzigartig?

Burning Man ist ein Spielplatz. Ein Spielplatz für das Bizarre, das Schöne und das Künstlerische. Für mich ist es ein Modell der Gesellschaft, wie sie sein sollte. Du kannst mit jedem reden und interagieren. Tatsächlich sind die Menschen die Attraktion: Keiner ist Zuschauer, jeder ist ein Teilnehmer. Es gibt kein Geld, es gibt auch kein Tauschen, es gibt nur Geben. What goes around comes around. Meine Frau und ich haben einen Kaffee-Stand vor unserem Zelt aufgemacht, wo wir mit Kaffee, Tee und heißer Schokolade jeden Morgen die Nachteulen oder die Frühaufsteher versorgt haben. Es haben uns sogar Leute geholfen unser „Crayon Coffee“-Schild auszumalen, mit, wie der Name es schon sagt, Kreide.
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Was war das schrägste was du/ihr dort erlebt hast/habt?

Es ist schwer sich an das „bizarrste“ zu erinnern. Jede Minute an jedem Tag passiert etwas, womit man nicht gerechnet hat. Es kann sein, dass du in einer der vielen Sandstürme auf einer Kunst-Figur gefangen bist, bei der du zuvor entschieden hast hoch zu klettern um ein „Whiteout“ zu vermeiden (Anm.d.Red. ein Sandsturm, bei dem man nichts mehr sieht). Jemand kann dich unerwartet zu sich ziehen, während er den Sonnenuntergang beobachtet, um dir ein eiskaltes, selbstgebrautes Bier einzuschütten, damit du dich von dem langen und heißen Tag abkühlen kannst. Jemand nacktes könnte dir vielleicht anbieten auf seinem 5 Meter hohen Dreirad gen Sonnenuntergang mitzufahren.

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Was war dein/euer persönliches Highlight?

Meine Lieblingszeit war das Wandern mit Freunden auf dem Playa (der Ort, der voll war mit Kunst-Installationen in der Mitte vom Burning Man). Wir sind gefahren, getramped, gelaufen und geklettert, alles und überall.

Was ist das wichtigste was man vorher wissen sollte (für Vorbereitungen oder so)

Sei vorbereitet! Der einzige Grund warum so etwas wie Burning Man in der Wüste zustande kommt, ist, dass die Menschen eine „ultimative Eigenverantwortung“ haben, d.h. du musst alles mitbringen, was du brauchen könntest, da nichts anderes außer Eis und Kaffee vom Event angeboten wird. Du musst deine eigene Unterkunft, Essen, Wasser und etwas zum Teilen mitbringen. Letzteres muss nicht unbedingt materiell sein, du könntest auch Karate- Stunden, Yoga- Sessions oder Blowjob-Seminare anbieten. Und nochmal: Alle Spenden sind freiwillig. Aber du wirst schnell herausfinden, dass du so viel wie möglich teilen willst, genau wie man eben mit dir teilt.

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Für wen wäre dieses Festival überhaupt nichts?
Man muss schon über seinen eigenen Schatten springen können und wenn nicht: Burning Man wird dich dazu bringen. Es wird dir einen neuen Namen geben, einen Playa Namen. Es wird dich überwältigen mit Freundlichkeiten und Geben und es wird dich buchstäblich zu Tode umarmen. Man wächst mit der Angst vor Fremden auf, beim Burning Man gibt es aber keine Fremden. Jeder umarmt jeden. Jeder ist ein Freund, den du noch nicht getroffen hast. Und da gibt es keine sozialen oder wirtschaftlichen Barrieren. Ich habe jemanden getroffen, der ein Grilled Cheese Sandwich von Mark Zuckerberg bekam. Es ist ein Gesellschaftsmodell in dem wir alle da sind, nur für einen bestimmten Grund: Eine unvergessliche Erfahrung zu teilen und den denkbar größten Spaß zu haben.

… und das hatten sie definitiv. Schaut euch in der Galerie die sensationellen Bilder vom Burning Man an:

 

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