Artenschutz ja, aber … Die Angst vor dem bösen Wolf

Artenschutz
Henning Sonnenschein
03.03.2019

Der 3. März ist offizieller World Wildlife Day – der Tag des Artenschutzes. Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte in Sachen Artenschutz. Aber Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es daraus nicht ein Problem konstruieren würde …

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts galt der Wolf in Deutschland als ausgestorben. Aber mittlerweile gibt es hierzulande wieder mehr als 70 Rudel – und seit 20 Jahren wächst die Population pro Jahr um 36 Prozent. Eine absolute Erfolgsgeschichte des Artenschutzes, weshalb der Wolf in Deutschland auch laut EU-Bestimmungen und Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt ist.

Artenschutz ja – aber nicht bei artgerechtem Verhalten?

Aber Deutschland ist bekanntlich das Land, in dem alles seine Ordnung haben und reguliert werden muss. Da kann es für das Wildlife natürlich keine Ausnahme geben – für den Artenschutz hingegen schon: Da es ja jetzt so viele Wölfe gibt, ist es im Zweifel wieder eine auch den verantwortlichen Politikern legitim erscheinende Option, Wölfe, die auffällig werden, töten zu lassen. So wie jetzt in Raum Nienburg in Niedersachsen, wo ein Leitwolf zum Abschuss freigegeben wurde, weil er über 40 Nutztiere gerissen haben soll. Was für einen Wolf so gesehen kein auffälliges Verhalten ist, sondern einfach nur die Kollision zwischen Wildnis und Zivilisation, auf die man in Deutschland scheinbar einfach nicht (mehr) eingestellt ist. Natur schön und gut – so lange sie mich in Ruhe lässt.

Nicht, dass man die Einwände und Sorgen von Schäfern und anderen Nutztierhaltern nicht nachvollziehen könnte. Ganz anders als das Geschrei von jenen Menschen, die scheinbar in einer Märchenwelt leben und Angst davor haben, dass Wölfe künftig in Rudeln ganze Dörfer heimsuchen und die Kinder und Alten in den dunklen Wald entführen. Trotzdem bleibt ein unbehagliches Gefühl, wenn einem mit einem so faszinierenden Tier nichts anderes einfällt, als es abzuknallen, wenn sich dieses nicht dem Menschen anpasst. Es gibt geeignete Schutzzäune und andere Maßnahmen. Und wenn die nicht reichen, ist da sicherlich noch viel Luft nach oben, um sie zu verbessern. Aber das wäre für die deutsche Seele vielleicht zu progressiv …