Bonify.de im Check - wie seriös ist das Angebot wirklich?
Bonify verspricht Verbraucherinnen und Verbrauchern, kostenlos ihre Bonität einzusehen und ihre Finanzen zu verwalten. Das Berliner Fintech-Unternehmen bietet per App Einblick in den SCHUFA-Score, Finanzübersichten und sogar personalisierte Kreditangebote. Doch wie vertrauenswürdig ist dieser Dienst? Viele potenzielle Nutzer stellen sich die Frage, ob sie bonify.de ihre sensiblen Finanzdaten anvertrauen können, ohne in eine Falle zu tappen. Dieser Magazinartikel beleuchtet, wer hinter bonify steckt, wie das Geschäftsmodell funktioniert, welche Daten erhoben werden und wie es um Datenschutz und Sicherheit steht. Außerdem werfen wir einen Blick auf Kundenmeinungen sowie Bewertungen durch Verbraucherschützer und Medien. Am Ende gibt es eine klare Einschätzung, ob bonify seriös ist oder nicht.
Wer steckt hinter bonify.de?
Bonify wird von der Forteil GmbH mit Sitz in Berlin betrieben. Gegründet wurde das Fintech im Jahr 2015 von Andreas Bermig und Gamal Moukabary. Schon 2019 erhielt Forteil die Zulassung als Kontoinformationsdienst, was bedeutet, dass es von der Finanzaufsicht BaFin reguliert wird. Ein wichtiger Einschnitt fand Ende 2022 statt: Die SCHUFA Holding AG – Deutschlands größte Auskunftei – übernahm bonify vollständig, hält es aber als eigenständige Tochtergesellschaft weiter in Betrieb. Durch diese Übernahme hat bonify nun direkte Anbindung an die SCHUFA-Daten, bleibt aber weiterhin eine eigene Marke unter dem Dach der SCHUFA.
Nach eigenen Angaben verzeichnet bonify über 1,5 Millionen registrierte Nutzer. Die Plattform wurde Mitte 2023 in neuer Form als App vorgestellt und verspricht seither einen kostenlosen Online-Zugriff auf den SCHUFA-Basis-Score. Die Leitung des Unternehmens blieb auch nach der Übernahme beim bisherigen Team: Gründer Andreas Bermig und rund 40 Mitarbeitende blieben an Bord, und der Geschäftsbetrieb soll eigenständig fortgesetzt werden. Hinter bonify steht also kein unbekannter Hinterhofanbieter, sondern ein von der SCHUFA unterstütztes Fintech – was einige Vorteile, aber auch potentielle Interessenkonflikte mit sich bringt, wie wir noch sehen werden.
Wie funktioniert das Geschäftsmodell?
Bonify bietet seine wichtigsten Dienste kostenlos an. Verbraucher können über die App ihre Bonitätsinformationen abrufen, ihre Finanzen analysieren (z.B. Einnahmen, Ausgaben, Kontostände) und erhalten Vorschläge zur Verbesserung der "FinFitness". Verdient wird Geld jedoch indirekt: Die App unterbreitet den Nutzerinnen und Nutzern personalisierte Angebote für Finanzprodukte – etwa Kredite, Kreditkarten, Versicherungen oder Energieverträge – die auf ihre finanzielle Situation und Bonität zugeschnitten sind. Entscheidet sich jemand, eines dieser Angebote anzunehmen, tritt bonify als Vermittler auf und erhält eine Provision von der jeweiligen Partnerbank oder dem Anbieter. Dieses Provisionsmodell erinnert an Versicherungsmakler oder Vergleichsportale. Für den Nutzer entstehen laut bonify dabei keine direkten Kosten: Weder werden die angezeigten Kreditkonditionen durch die Provision schlechter, noch ist man verpflichtet, etwas abzuschließen.
Wichtig zu wissen: Bonify selbst sammelt keine eigenen Bonitätsdaten, sondern stellt die Daten etablierter Auskunfteien bereit. Ursprünglich arbeitete bonify mit der Auskunftei Creditreform Boniversum zusammen. Heute ermöglicht bonify den direkten Blick auf die SCHUFA-Daten, insbesondere den SCHUFA-Basisscore und Einträge, da die Kooperation mit der SCHUFA besteht. Damit fungiert bonify gewissermaßen als verlängerter Arm der SCHUFA in Richtung Verbraucher: Man bekommt die Bonitätsinformationen bequem digital in der App präsentiert, statt selbst eine Auskunft bei der SCHUFA einzuholen. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Bonitätsauskunft über bonify ist nur zur Eigennutzung gedacht. Laut bonify-AGB dürfen die Informationen nicht als offizielle Bonitätsauskunft an Dritte weitergegeben werden. Wer also z.B. für einen Vermieter eine offizielle SCHUFA-Auskunft braucht, kommt um das kostenpflichtige Dokument der SCHUFA selbst meist nicht herum.
Zusammengefasst basiert das Geschäftsmodell von bonify auf Daten und Empfehlungen: Verbraucher erhalten kostenlosen Einblick in ihre Finanz- und Bonitätslage, im Gegenzug nutzt bonify diese Erkenntnisse, um ihnen passende Finanzprodukte zu vermitteln. Bonify verdient nur, wenn Nutzer ein Produkt über die Plattform abschließen – z.B. einen Kredit aufnehmen oder einen neuen Handyvertrag über bonify wechseln. Die Kerndienstleistungen wie die Bonitätsauskunft und der Finanzüberblick bleiben kostenlos, was bonify in seiner Außendarstellung betont. Dieses Modell ist durchaus üblich in der Fintech-Branche (Stichwort „wenn das Produkt kostenlos ist, zahlt man eventuell mit etwas anderem – nämlich den eigenen Daten oder Abschlussprovisionen“). Ob diese Empfehlungen immer im besten Interesse der Verbraucher sind, hängt davon ab, wie objektiv und passend sie wirklich ausfallen – dazu gleich mehr.
Welche Daten werden erhoben und wie steht es um den Datenschutz?
Um seine Dienste anbieten zu können, benötigt bonify umfangreiche Daten seiner Nutzer. Bei der Registrierung müssen Nutzer sich identifizieren – wahlweise per Personalausweis (Online-Ausweisfunktion) oder durch Verknüpfung des eigenen Bankkontos mit bonify. Letzteres Verfahren wirkt zunächst befremdlich: Warum sollte man sein Bankkonto verbinden, nur um den SCHUFA-Score zu sehen? Laut SCHUFA-Angaben dient das Kontolink-Verfahren allein der Identitätsprüfung, ohne dass bonify Transaktionsdaten auswertet, und soll eine bequeme Alternative zum Ausweis sein. Verbraucherzentralen sehen diese Praxis dennoch kritisch und raten zur Zurückhaltung mit solchen Zugängen zu sensiblen Kontoinformationen.
Hat man bonify eingerichtet, sammelt der Dienst verschiedene Datentypen: Zunächst natürlich Bonitätsdaten (SCHUFA-Score, gespeicherte Einträge, Anfragen etc.). Darüber hinaus, sofern man die Finanzübersicht nutzt, auch Kontodaten – also Informationen zu Einnahmen, Ausgaben und Kontobewegungen (der letzten 90 Tage) sowie ggf. Kreditkarteninformationen. Diese Finanzdaten ermöglichen es bonify, die individuelle Finanzsituation zu analysieren (z.B. Budgetüberschuss, regelmäßige Kosten) und einen FinFitness-Wert zu berechnen. Kombiniert mit der Bonitätsauskunft entstehen so detaillierte Profile, auf deren Basis bonify dann produktangebote von Partnern maßschneidert.
Beim Thema Datenschutz betont bonify, dass die Kontrolle über die Daten beim Nutzer bleibe: „Deine Daten gehören dir!“, heißt es auf der Website. Das Unternehmen verspricht, sämtliche Daten nur nach aktuellen Sicherheitsstandards zu übertragen und zu speichern. Regelmäßige Prüfungen durch den TÜV sowie moderne Verschlüsselung (SSL) sollen die Daten der Nutzer schützen. Zudem unterliegt bonify als zugelassener Kontoinformationsdienst der Aufsicht der BaFin, was gewisse technische und organisatorische Sicherheitsvorgaben mit sich bringt. Eine Weitergabe oder gar ein Verkauf persönlicher Daten an Dritte finde nicht statt, versichert bonify ausdrücklich. Selbst wenn ein Nutzer sein Bankkonto verknüpft, habe „niemand Einsicht in deine Kontotransaktionen oder kann etwas abbuchen“, da nur ein schreibgeschützter Zugriff zur Identifizierung genutzt werde. Daten würden grundsätzlich anonymisiert verarbeitet. Lediglich im konkreten Fall, dass ein Nutzer ein Kredit- oder Versicherungsangebot über bonify abschließt, werden die dafür nötigen Angaben mit ausdrücklicher Einwilligung an den jeweiligen Produktpartner übermittelt.
Unabhängige Stellen beurteilen den Datenschutz allerdings zurückhaltender. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weist darauf hin, dass bonify von Nutzern „höchstsensible Informationen“ erhält und diese auch für kommerzielle Zwecke nutzt. Um personalisierte Angebote zu erstellen, werden relevante Daten auch an die bonify-Partnerunternehmen weitergeleitet. Bonify beteuert zwar die Anonymisierung, doch in dem Moment, wo ein individuelles Angebot gemacht wird oder ein Abschluss zustande kommt, fließen natürlich persönliche Daten. Verbraucherschützer warnen: Man solle sich bewusst sein, dass man mit seinen Daten bezahlt – auch wenn kein Geld fließt. Bonify nutzt die Preisgabe der Finanz- und Bonitätsdaten, um Werbung und Produktvorschläge zu schicken. Aus Sicht der Verbraucherzentrale steht „eher der Verkauf im Vordergrund, anstatt kostenlose Information“. Zudem wird gemahnt, dass man Schufa und Co. nicht noch mehr persönliche Finanzdaten liefern sollte, solange die Score-Berechnung intransparent ist. Kurz gesagt: Datensparsamkeit ist geboten – Nutzer sollten genau abwägen, welche Einblicke sie bonify gewähren.
Wie sicher ist der Dienst? (IT-Sicherheit und frühere Vorfälle)
Als Finanzdienstleister muss bonify hohe Sicherheitsstandards einhalten. Positiv zu vermerken ist, dass bonify TÜV-geprüft im Bereich Datenschutz ist und modernste Verschlüsselung einsetzt. Die Server befinden sich in Hochsicherheitsrechenzentren, und die Übertragung der Daten erfolgt verschlüsselt (wie z.B. via HTTPS/SSL). Auch die Tatsache, dass bonify unter BaFin-Aufsicht steht, deutet darauf hin, dass bestimmte IT-Sicherheitsauflagen erfüllt werden müssen. In der Google-Playstore-Beschreibung der App (Stand Ende 2025) wird explizit hervorgehoben: „Unsere Datensicherheit ist TÜV-zertifiziert, und bonify ist von der BaFin lizenziert. Wir garantieren Sicherheit durch Hochsicherheits-Server und Datenverschlüsselung.“. Aus technischer Sicht dürften die Schutzmaßnahmen also dem Standard von Online-Banking- und Fintech-Anwendungen entsprechen.
Allerdings gab es in der Vergangenheit mindestens einen Sicherheitsvorfall, der Fragen aufwarf. Im Juli 2023, kurz nach dem Start der neuen Bonify-App mit SCHUFA-Integration, wurde eine Sicherheitslücke bekannt. Eine unabhängige IT-Expertin (Hackerin) entdeckte, dass man im Registrierungsprozess durch einen Trick die Identifikation manipulieren konnte. Konkret ließ sich beim Verifizierungsverfahren via Bankkonto der Name und die Adresse des Nutzers austauschen, sodass bonify einem Anmelder unter fremder Identität einen Score zuwies. Dieser Befund deutete auf eine Schwachstelle im Identitätsabgleich hin – theoretisch hätte jemand so Bonitätsdaten einer anderen Person abrufen können. Bonify reagierte schnell: Die App wurde vorübergehend offline genommen, die Lücke geschlossen und der Prozess überarbeitet, bevor der Dienst wieder online ging. Nach derzeitiger Informationslage sind keine größeren Datenlecks oder Hacks publik geworden, die zu einem Diebstahl von Kundendaten geführt hätten. Trotzdem zeigt dieser Vorfall, dass auch ein TÜV-zertifiziertes Fintech nicht vor allen Fehlern gefeit ist. Für Nutzer ist es daher ratsam, gängige Sicherheitsregeln zu beachten – zum Beispiel ein starkes Passwort zu verwenden und sicherzustellen, dass sie wirklich die offizielle App/Webseite nutzen.
Ein weiterer Aspekt der „Sicherheit“ betrifft die vertragliche Sicherheit aus Kundensicht: Hier gab es Kritik am Abo-Modell (dazu gleich mehr bei den Kundenerfahrungen). Kurz erwähnt sei: Seit 2025 bietet bonify neben dem Gratis-Zugang auch kostenpflichtige Premium-Abos an, die weitere Funktionen freischalten. Diese Abos (Tarife Starter, Smart, Pro) haben eine Mindestlaufzeit von einem Jahr, selbst wenn sie als „monatlich kündbar“ erscheinen. Wer nicht genau liest, könnte denken, er schließe ein flexibles Monatsabo ab, tatsächlich hängt man aber 12 Monate drin – was einigen Nutzern als unsichere bzw. intransparente Vertragsgestaltung aufstieß. Dieses Thema gehört zwar nicht zur IT-Sicherheit, betrifft aber die „Fairness“ des Angebots und somit indirekt das Vertrauen in die Seriosität.
Was sagen Kundinnen und Kunden? – Erfahrungen, Kritik und Lob
Ein Blick auf Erfahrungsberichte zeigt ein gemischtes Bild, das zuletzt eher negativ ausfiel. Auf Bewertungsportalen erhält bonify nur mittelmäßige Noten. Laut Finanzplattform Finanzfluss erreicht bonify in den Nutzerbewertungen im Schnitt 2,3 von 5 Sternen, basierend auf etwa 39 Erfahrungsberichten (Stand Ende 2025). Davon seien nur 21% der Bewertungen positiv, während rund zwei Drittel negativ ausfallen. Auch auf Trustpilot wird bonify kritisch gesehen: Viele Rezensenten zeigen sich enttäuscht von ihrer Erfahrung. Häufig genannt werden folgende Kritikpunkte:
Irreführende Werbung und Abo-Fallen: Nutzer berichten, dass die vollmundig beworbene „kostenlose SCHUFA-Auskunft“ nur der Einstieg sei, dann aber sehr schnell ein kostenpflichtiges Abo nahegelegt werde. Insbesondere stören sich viele daran, dass das angebliche Monatsabo faktisch ein Jahresabo ist – der Hinweis auf die Jahresbindung sei im Kleingedruckten versteckt. Ein Trustpilot-Nutzer beschreibt es so: „Das Monatsabo ist ein verstecktes Jahresabo... Lauter Dark Patterns, um Nutzer zum Abschluss eines Abos zu bringen.“ Solche dunklen Design-Tricks (Dark Patterns) sorgen verständlicherweise für Verärgerung.
Probleme bei der Identifizierung: Einige Kunden klagen, dass die Verifizierung via Personalausweis-App nicht funktioniert hat und sie gezwungen waren, das Bankkonto zu verknüpfen. Dies empfanden einige als unseriös, da sie ungern ihre Kontodaten preisgeben wollten. Wenn die eID-Funktion scheitert (etwa wegen technischer Hürden), bleibt also nur der Umweg über die Kontozugriff-Methode – was nicht bei allen auf Akzeptanz stößt.
Nutzerfreundlichkeit und Support: Mehrfach wird berichtet, dass es technische Fehler und Abstürze in der App gibt (z.B. Fehlermeldungen, unvollständige Seiten) und der Kundenservice langsam oder schwer erreichbar sei. Auch die Kündigung eines Abos sei unnötig kompliziert gestaltet – teilweise musste man erst über Umwege (versteckte Formulare auf der Website) kündigen oder sogar das ganze Konto löschen, um das Abo loszuwerden. Diese Hürden tragen zum Eindruck bei, bonify agiere nicht immer verbraucherfreundlich.
Nutzen der Informationen: Einige Nutzer loben zwar den grundsätzlichen Servicegedanken – z.B. kostenlos seinen Score checken zu können, Benachrichtigungen bei neuen SCHUFA-Einträgen zu erhalten und ein Mieterauskunft-Dokument bequem aus der App zu generieren. Positives Feedback kommt etwa von Nutzern, die bonify bei der Wohnungssuche eingesetzt haben: Sie konnten dem Vermieter eine aus der App erzeugte Selbstauskunft mit SCHUFA-Score präsentieren und fanden das sehr praktisch. Allerdings relativieren andere diese Vorteile mit dem Hinweis, dass der SCHUFA-Basis-Score ohnehin nur alle 3 Monate aktualisiert wird und man wichtige Änderungen daher nicht in Echtzeit erfährt. Der Mehrwert gegenüber der gesetzlichen kostenlosen SCHUFA-Eigenauskunft (Datenkopie nach Art. 15 DSGVO) wird von einigen als gering angesehen.
Unterm Strich überwiegen in den öffentlichen Kundenstimmen momentan die kritischen Töne. Besonders die als aggressiv empfundenen Abo-Angebote und die „nicht wirklich kostenlose“ Erfahrung (ohne Abo nur begrenzter Nutzen) scheinen bonify Ruf gekostet zu haben. Es gibt zufriedene Anwender, die den Dienst nützlich finden – aber man sollte sich bewusst sein, wo die häufigsten Fallstricke liegen (Abo-Kündigung, Datenpreisgabe, technische Holprigkeiten).
Bewertungen durch Verbraucherschützer und Medien
Nicht nur einzelne Kunden, auch offizielle Stellen haben bonify.de unter die Lupe genommen. Stiftung Warentest hat im Juli 2025 die Bonify-App in einem Artikel bewertet und kommt zu einem klaren Urteil: „Den Umweg über die Bonify-App halten wir für unnötig.“. Warentest stellt fest, dass man seinen SCHUFA-Basis-Score genauso gut direkt bei der SCHUFA einholen kann – entweder über die kostenlose jährliche Datenkopie (nach DSGVO) oder über vorhandene SCHUFA-Online-Angebote. Die Bonify-App biete gegenüber diesen Möglichkeiten keinen entscheidenden Vorteil, sondern koste im Zweifel nur Geld (wenn man ein Abo abschließt) und Daten. Insbesondere von den kostenpflichtigen Abomodellen rät Warentest ab: Ein Bonify-Abo „rechnet sich für die wenigsten“, zumal der regelmäßige Blick auf den Basis-Score gar nicht so wichtig sei. Warentest kritisiert ebenfalls die Jahresbindung der Abos (Stichwort „Achtung: Auch ein vermeintliches Monatsabo lässt sich erst nach einem Jahr kündigen“) und ordnet viele der Premium-Funktionen als verzichtbare „Gimmicks“ ein. Die Quintessenz der Warentest-Experten: Bonify ist aus ihrer Sicht nicht nötig – wer seine Bonitätsdaten wissen will, kommt anders ebenso gut und sicher an diese Informationen, ohne seine Daten einer App anzuvertrauen.
Auch Verbraucherschützer äußern Bedenken. Die Verbraucherzentrale sieht in bonify einen Versuch der SCHUFA, zusätzliche Geschäftsfelder zu erschließen – nämlich die Vermittlung von Krediten und Finanzprodukten. Diese enge Verzahnung von Bonitätsauskunft und Produktverkauf bewerten sie kritisch. Es bestehe das Risiko, dass verbraucherschädliche Anreize entstehen: Beispielsweise könnten Personen mit schlechtem Score verstärkt an bonify weitergereicht werden, wo ihnen sogenannte „schufafreie Kredite“ angeboten werden. Tatsächlich warb bonify zeitweise mit Krediten, die auch bei negativer SCHUFA verfügbar sein sollten. Dies wurde in Medien als „skurriles Geschäftsmodell“ bezeichnet, da ausgerechnet eine SCHUFA-Tochter solche Angebote promotete. Ein Schuldnerberater kommentierte im NDR, es sei „etwas skurril“, dass eine Schufa-Tochter fragwürdige Kredite mit Zinssätzen bis zu 15–16% an hochverschuldete Personen vermittelt. Der Vorwurf im Raum: Die SCHUFA verdient am Scheitern mit – sie rät ihren Vertragspartnern (etwa Banken), riskante Kunden abzulehnen, um seriös zu bleiben, leitet diese abgelehnten Verbraucher dann aber an bonify weiter, wo sie über Drittkreditanbieter doch Geld zu höheren Zinsen erhalten können. Bonify bzw. die SCHUFA-Tochter kassiert dabei die Vermittlungsprovision. Die SCHUFA hat nach Übernahme von bonify zwar beteuert, alle Kreditangebote auf der Plattform genau zu überprüfen und unseriöse Partner entfernt zu haben. Dennoch bleibt ein Geschmäckle, wie Verbraucherschützer formulieren würden: Eine klare Trennung zwischen neutraler Bonitätsauskunft und kommerzieller Produktvermittlung ist nicht gegeben.
Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass bonify als SCHUFA-Beteiligung auch einen gewissen Rückhalt genießt. Es handelt sich nicht um ein unbekanntes Startup ohne Aufsicht, sondern um ein Unternehmen, das an etablierte Strukturen angebunden ist. In puncto Seriosität im Sinne von Legalität und Zuverlässigkeit steht bonify daher auf einem soliden Fundament. Weder Warentest noch die Verbraucherzentralen unterstellen bonify Betrug oder Datenmissbrauch im rechtswidrigen Sinne. Die Kritik richtet sich mehr darauf, wie nützlich, fair und verbraucherfreundlich das Angebot wirklich ist.
Tech-Magazine wie t3n oder heise online haben ebenfalls über bonify berichtet, meist im Kontext der SCHUFA-Strategie. Die Resonanz ist tendenziell skeptisch: Man würdigt zwar die erhöhte Transparenz, dass Verbraucher einfacher Einblick in ihre SCHUFA-Daten erhalten. Gleichzeitig wird aber bemängelt, dass bonify letztlich Marketing in eigener Sache betreibt – die SCHUFA präsentiert sich innovativ, sammelt aber potentiell noch mehr Daten über die Nutzergewohnheiten und verkauft Finanzprodukte. Insgesamt lautet der Tenor vieler Experten: Die Idee, seine Bonität im Blick zu haben, ist gut – aber man sollte genau hinschauen, wer davon am meisten profitiert.
Fazit: Ist bonify seriös oder nicht?
Bonify.de ist ein legales und etabliertes Angebot, hinter dem mit der SCHUFA ein großer Akteur der Finanzwelt steht. Insofern kann man bonify als seriös im Sinne von echt und gültig einstufen – es handelt sich nicht um Betrug oder Abzocke im klassischen Sinne. Nutzer erhalten tatsächlich Zugriff auf ihre Bonitätsdaten und zusätzliche Tools, ohne dafür zunächst Geld zahlen zu müssen. Das Unternehmen ist reguliert, legt Wert auf Datenschutz-Zertifizierungen und hat wirtschaftlich gesehen ein nachvollziehbares Provisionsmodell.
Andererseits zeigen unsere Recherchen, dass bonify nicht uneingeschränkt empfehlenswert ist. Verbraucher zahlen mit ihren Daten, bekommen dafür aber überwiegend Informationen, die sie anderswo auch (teils kostenlos) erhalten könnten. Die aggressiv beworbenen Premium-Abos mit Jahresbindung, diverse Dark Patterns bei der Vertragsgestaltung und die enge Verzahnung mit kommerziellen Kreditangeboten hinterlassen einen faden Beigeschmack. Verbraucherschützer raten klar zur Vorsicht, da bonify letztlich vor allem dazu dienen könnte, neue Geschäfte für die SCHUFA zu generieren. Auch die durchwachsenen Kundenbewertungen – viele Beschwerden über Abo-Fallen und technische Probleme – mahnen zur Zurückhaltung.
Unser Urteil: Bonify ist seriös im Sinne von legitim, aber nur bedingt verbraucherfreundlich. Wer den Dienst nutzt, sollte genau wissen, worauf er sich einlässt: Die App kann hilfreich sein, um einen schnellen Überblick über die eigene SCHUFA-Bonität zu bekommen oder Finanztipps zu erhalten. Dabei sollte man aber sorgsam mit den Freigaben umgehen (Bankdaten nur verknüpfen, wenn nötig) und sich nicht blind auf Angebotsvorschläge verlassen. Ein bonify-Premium-Abo lohnt sich nach objektiven Einschätzungen kaum. Wenn es nur um die Bonitätsauskunft geht, erzielt man dasselbe Ergebnis auch kostenlos auf direktem Weg bei der SCHUFA.
Insgesamt kann man bonify als grundsätzlich seriöses Angebot bezeichnen, dem jedoch einige Haken anhaften. Es ist kein reines Wohltätigkeitsangebot, sondern ein Geschäftsmodell mit eigenen Interessen. Wer das berücksichtigt und die genannten Kritikpunkte im Hinterkopf behält, kann bonify durchaus nutzen, um seine Finanzen im Blick zu behalten – sollte aber stets wachsam bleiben. So ist bonify „seriös, aber mit Vorsicht zu genießen“, anstatt uneingeschränkt vertrauenswürdig. Denn am Ende des Tages gilt: Vertrauen ist gut – Kontrolle der eigenen Daten ist besser.