Casino-Feeling und Pay-to-Win: Fans zerlegen NBA2K20 – Auch FIFA und Madden in der Kritik

NBA2K20, FIFA, Madden
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Angelo Freimuth
14.09.2019

Seit Jahren werden populäre Sportspiel-Serien wie FIFA, NBA2K und Madden von Sammelkarten-Modi dominiert. Doch unter den Spielern regt sich jetzt vor allem beim neuen NBA2K20 massiver Widerstand gegen den Pay-to-Win-Trend. Ob das auch Folgen für Spiele wie FIFA 20 oder Madden 20 hat, ist unklar. 

Slot-Maschinen, Glücksrad, Pinball – das ist die Realität in der neuen „Basketball“-Simulation NBA2K20. „Bitte, lasst euch nicht so ausnutzen“, appelliert der YouTuber AngryJoe am Ende seines Videos zur neuesten Ausgabe der traditionsreichen Reihe und trifft damit einen Nerv. Denn Entwickler Visual Concepts hat den Pay-to-Win-Wahn in Sportspielen auf die absolute Spitze getrieben.

Seit Publisher EA mit FIFA 09 das damals revolutionäre Ultimate Team eingeführt hat, kommt nahezu kein Sportspiel mehr ohne einen ähnlichen Modus aus. Der Clou: Der Spieler kann sich in solchen Online-Modi wie bei einem Sammelkartenspiel nach und nach bessere virtuelle Kicker, Basketballer, etc. erarbeiten – oder einfach kaufen. Denn die Karten für neue Spieler müssen gegen In-Game-Währung freigeschaltet werden. Und diese kann wiederum mit echtem Geld gekauft werden, um den mühsamen und zeitintensiven Prozess, sich ein gutes Team zusammenzustellen, abzukürzen.

Kritik an NBA2K, FIFA und Madden

Das Geschäftsmodell ist dermaßen erfolgreich, dass in beliebten Sportspiel-Serien wie FIFA, NBA2K oder Madden diese Modi inzwischen absolute Priorität genießen. Neuerungen in anderen Gebieten sind rar, vielmehr warb beispielsweise das US-Unternehmen 2K für NBA2K20 explizit mit der Weiterentwicklung des MyTeam-Modus. Im neuesten Ableger hat quasi eine Casino-Mentalität Einzug in die Basketball-Simulation gehalten. Spieler können in verschiedenen Varianten (gegen Echtgeld erwerbbare) Münzen investieren, um sich nach Zufallsprinzip neue Karten oder Gegenstände zu besorgen. Das Ganze hat so perverse Züge angenommen, dass ein bislang einzigartiger Shitstorm auf den Games-Konzern niederging.

Besagter Trailer kassierte bei YouTube satte 29.000 Dislikes bei nur 3.700 Likes. Auf Metacritic.com bewerteten die Spieler NBA2K20 bei über 400 Stimmen mit dem absurd schlechten Wert von 0,7 von höchstens 10 Punkten. Und auf Steam avancierte der neueste 2K-Ableger gar zum zweitschlechtesten Spiel aller Zeiten mit nur 15 positiven Wertungen der Gamer. Auch professionelle Kritiker straften den Entwickler für diese Dreistigkeit ab: Die Seite 4players.de verzichtete sogar auf eine offizielle Wertung und entschied sich stattdessen für einen Satire-Artikel.

FIFA-Profis kritisieren hohe Kosten

Allerdings bergen solche Spielmodi durchaus auch reale Gefahren. Die oftmals minderjährige Zielgruppe kommt so bereits früh mit Glücksspiel-Mechaniken in Kontakt. Das birgt einerseits Suchtpotenzial und kann andererseits schnell zu finanziellen Problemen führen. Denn um Online wirklich mithalten zu können, braucht es entweder jede Menge Spielzeit oder eben echtes Geld, mit denen Münzen gekauft werden. Der FIFA-Profi Benedikt ‚SaLz0r‘ Saltzer schätzte beispielsweise, dass Spieler aus der kompetitiven FIFA-Szene bis zu 4.000 Euro ausgeben müssten, um früh ein wettbewerbsfähiges Team aufzustellen. Das ist mehr oder weniger unproblematisch, wenn bei Profis finanzstarke Teams im Hintergrund stehen. Ein Einstieg in die professionelle Szene ist für Amateure so allerdings kaum möglich.

Mit der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) gibt es in Deutschland eine Institution, die auf diese Problematik reagieren und die für gewöhnlich ohne Altersbeschränkung freigegebenen Sportspiele abstrafen könnte. Jedoch ist die USK in ihren Regularien nicht für den Kampf gegen Pay-to-Win und Glücksspiel gewappnet. So heißt es: „In Deutschland gibt es für die Definition von Glücksspiel juristisch festgelegte Kriterien. Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt und der Gewinn einen tatsächlichen Vermögenswert darstellt.“ Bei „simuliertem Glücksspiel“, wie es in Sportspielen oft gegeben ist, sei das nicht der Fall.

Die Realität spricht aber eine andere Sprache. So wird im Spiel selbst zwar mit einer virtuellen Währung gezahlt, diese wird aber in vielen Fällen mit realem Geld erworben. Aus den Geschäftszahlen von EA zum Finanzjahr 2019 ergab sich, dass 28 Prozent des gesamten Umsatzes in Höhe von rund 4,93 Milliarden Euro aus den Ultimate-Team-Modi der FIFA-, Madden- und NHL-Serien stammt – die Einnahmen aus den eigentlichen Verkäufen der Vollpreis-Spiele nicht inklusive. Mit der virtuellen Währung werden dann entweder auf einer internen Handelsplattform direkt Spieler gekauft oder sogenannte Packs erworben. Darin befinden sich mehrere Karten, die allerdings rein zufällig verteilt werden. Die Chance, aus solchen Packs wirklich wertvolle Karten zu ziehen, ist minimal.

NBA2K, FIFA und Madden finanziell erfolgreich

Doch während die Kritik an den Praktiken der Publisher wächst, verkaufen sich die Spiele selbst weiterhin mit großem Erfolg. Von NBA2K19 wurden mehr als neun Millionen Kopien an den Mann gebracht, FIFA19 wurde sogar weit mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Echten Wandel können wohl nur die Spieler selbst schaffen, doch bislang fehlte bei vielen Gamern scheinbar die Bereitschaft dafür.

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