Der Weg ist das Ziel – was heißt das eigentlich?

Der Weg ist das Ziel
© Unsplash / redcharlie
Soeren Janssen
27.02.2019

Jeder von uns hat bestimmt schon einmal das Sprichwort Der Weg ist das Ziel gehört. Und gegebenenfalls als belanglose Floskel abgehakt. Denn nicht jeder versteht dieses Sprichwort sofort. Was heißt das denn genau?

Laut Überlieferung stammt dieses Sprichwort vom chinesischen Philosophen Konfuzius (551-479 v. Chr.). Er will uns mitteilen, dass der Weg bzw. der (Lern-)Prozess zu einem bestimmten Endergebnis oder einem Ziel tatsächlich wichtiger ist als das Ziel selbst.

Der Weg schwankt

Egal, ob es sich um ein privates oder berufliches Ziel handelt, das Sprichwort trifft auf alle Bereiche zu. Dabei kann es sich beispielsweise um die Trainingszeit auf dem Weg zur Handballmeisterschaft in der Kreisliga drehen, um die Vorbereitungsmonate aufs Abitur oder um den Prozess beim Bau des Eigenheims.

Wichtig sind die Phasen des Weges bzw. Prozesses: denn der Weg schwankt, genau genommen die Phasen. Zugrunde liegt bei jedem Prozess (Weg) das Gesetz der Polarität. Wir leben in einer Welt, die auf zwei Pole bzw. Gegensätze ausgerichtet ist: z.B. Nordpol-Südpol, Ebbe-Flut, warm-kalt, gut-schlecht, Yin-Yang etc. Diese Polarität ist ebenso im Prozess zu erkennen: Es gibt Tage, da machst du Fortschritte. Dann gibt es Tage, an denen du Rückschläge erlebst. Es folgen Tage des massiven Fortschritts. Wiederum andere Tage sind von einem Stillstand geprägt. Regelrechte Auf-und-ab-Bewegungen sind Bestandteil des Weges. Diese Schwankungen sind das Normalste der Welt.

Gesellschaft und Medien verhalten sich konträr

Unsere Gesellschaft und die Medien verhalten sich gegenüber Der Weg ist das Ziel konträr und missachten das alte Naturgesetz der Polarität oft: Sie versuchen uns einzutrichtern, dass wir nur dann wirklich gut genug sind, wenn wir über Nacht Erfolg haben. Oder wenn unser Erfolg linear verläuft. Wer mitdenkt, stellt fest, dass das nicht funktionieren kann.

Geduld und Kontinuität sind die Zauberformel für die Bewältigung des Weges, der durch natürliche Schwankungen gekennzeichnet ist. Dann erlebt man eine entspannte Zeit, und es kann einem egal sein, was Medien oder Gesellschaft sagen.

Das Ziel ist oft nur temporär

Der Weg ist zudem deswegen so wichtig, weil das Ziel oft nur temporär ist. Ein Ziel ist sehr schnell wieder vorbei, wenn es einmal erreicht ist. Und es kommt vor, dass man nach tagelanger, wochenlanger oder monatelanger Vorbereitungsphase in ein Loch fällt, sobald der Erfolg eingetreten ist. Insofern ist derjenige gut beraten, der immer mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt oder zumindest überlappend an unterschiedlichen Themen und Projekten arbeitet.

Das Ziel wird schnell Normalität

Studien haben ergeben, dass nach 21 Tagen eine bestimmte Tätigkeit oder ein Zustand so langsam zur Routine wird. Will heißen, nach 21 Tagen kannst du dich nicht mehr so freuen über die gewonnene Handballmeisterschaft, über das bestandene Abitur oder über das fertiggestellte Eigenheim wie am Tag der Zielerreichung.

Den Weg genießen

Das Geheimnis lautet: den Weg genießen. Wenn du den Weg regelrecht genießt, kommst du wesentlich schneller in den eigenen Flow und wirst zufrieden. Glücksgefühle und Gelassenheit sind die Folge. Und dann ist das lang ersehnte Ziel umso schöner. Denn die Vorbereitungsphase (der Weg) ist von Vorfreude geprägt. Viele Menschen kommen in meine Coachings und sind unzufrieden, da ein bestimmter Prozess in ihrem Leben schon sehr lange andauert. Zu lange ihrer Meinung nach. Sehr oft sind diese Menschen nicht richtig im Flow. Mit Methoden zur Stärkung von Achtsamkeit und Dankbarkeit bestreiten sie dann ihren Weg zum jeweiligen Ziel viel besser. Sobald wir die hinderlichen Glaubenssätze bzgl. ihres Wegtempos aufgelöst haben, haben diese Menschen wieder regelrecht Freude am Weg. Wenn man für sich und seine Mitmenschen also zusätzlich etwas mehr Freude und Wertschätzung in den Prozess pumpt, dann gelingt der Weg umso besser.

Dann ist für alle klar: „Der Weg ist das Ziel“.

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