Die Unerträglichkeit der aufgezwungenen Feiertage

Olivia Alferov
27.11.2016

Wenn QVC anfängt vier verschiedene LED-Schneekugeln so anzupreisen, als wäre es die neue Mercedes S‑Klasse, dann steht die Unerträglichkeit der aufgezwungenen Feiertage und Adventszeit vor der Tür. 

Für viele ist die Vorweihnachtszeit die schönste Zeit im Jahr. Für mich ist es einfach nur lästig. Es beginnt schon mit dem alltäglichen Marathon-Lauf über die Weihnachtsmärkte. Versteht mich nicht falsch, ich will gar nicht da entlang gehen, aber bei Minus-Temperaturen möchte ich auch nicht 3km-Umwege gehen. Zugegeben, der Duft vom Essen, genau wie auf dem Hamburger Dom oder anderen Jahrmärkten, ist  ziemlich verlockend, aber sobald sich die übersüßliche Penetranz vom Glühwein in meine Atemwege schleicht, könnte ich schon wieder kotzen. Anscheinend fehlt in meinen kognitiven Fähigkeiten ein Bestandteil, denn es geht immer noch nicht in meinen Kopf rein, wie man freiwillig bei dieser Kälte draußen steht und sich einen abfriert. Ich müsste in Heißgetränken baden, um das entspannt auszuhalten. 

Machen die Feiertage einen verbittert?

Es ist keine Verbitterung als Resonanz persönlicher Umstände. Es ist viel mehr die Wut darüber, dass es so unvermeidbar ist. Wenn es wirklich was christliches wäre, dann könnte man doch auf Geschenke und Glühwein verzichten und Sonntags einfach ’ne weitere Kerze anzünden. Stattdessen ist es die wichtigste Zeit des Jahres für den Einzelhandel. Bravo! Man könnte jetzt denken, dass Online-Shopping den Geschenkstress kompensieren würde, aber das ist leider falsch. Ich verbringe genauso viel Zeit damit die 3000 anderen Geschenkideen zu filtern und mir selbst nichts zu bestellen, Versandoption zu klären, zur Poststelle zur rennen, weil der Postbote das Paket nicht hochtragen wollte, als wenn ich in den Laden renne und mir was aussuche. 

Zusätzlich kommen die ganzen Festivitäten dazu: Weihnachtsfeiern, Kekse backen, Wichtel-Runden, und natürlich den Adventskranz selber basteln, „denn der von Ikea ist zwar ganz schön, aber leicht entflammbar und außerdem möchte man ja kein kommerziellen Kranz, die verdienen doch genug an uns, alleine der Kerzenverbrauch — bei den Massen könnte man denken, dass man den Weg nach Jerusalem zur Krippe mit Kerzen bepflastern möchte.” (typische Gedankenkette Teil 1).

Wenn man die Zeit vor Weihnachten irgendwie überstanden hat und es geschafft hat das Verkehrschaos am 23. und 24.12. zu überwinden, gibt es bei fast jeder zweiten Familie unglaublich viel Potenzial für Streit oder Verkrampfungen. Das große Weihnachtsessen mit allen Familienmitgliedern. Schön natürlich, wenn man ein super Verhältnis hat und alle eine glückliches Jahr und Gesundheit zelebrieren können. Aber let’s face the truth: Es ist verdammt noch mal anstrengend. Man sitzt am Tisch, vielleicht sogar mit fremden Gästen, und isst gemeinsam ein Essen, was auch schon für Stress gesorgt hat, denn es soll ja kein gewöhnliches Mahl sein. So zumindest wird es oft vom Koch betont. „Das war so klar, dass er das wieder sagt und mich dabei so anguckt. Ich würde ihm jetzt so gerne mal die Meinung geigen, aber lieber nicht, sonst gibt es wieder großen Streit.” (typische Gedankenkette Teil 2).

Ein Abend lässt sich diese Anspannung gut überstehen, aber es sind zwei weitere Feiertage die folgen. Kein Wunder, dass zwischen den Jahren, also die Tage zwischen Weihnachten und Silvester, die meisten nicht arbeiten. Das Beste was man machen kann, ist es die Weihnachtszeit einfach zu ignorieren und Pläne schmieden. Sich einfach ortsunabhängig mit Dingen beschäftigen, die man schon so lange machen wollte: Den Computer aufräumen, Musik hören, Katzenvideos schauen, Kreuzworträtsel lösen, alten Bekannten schreiben, Weihnachts-Katzenvideos schauen, Babyfotos von den Eltern klauen für deine Instagram-Story, neue Apps testen und zu versuchen die Katze in Geschenkpapier einzuwickeln, so wie hier:

 

 

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