Die 5 größten Ernährungsmythen – und was wirklich an ihnen dran ist

Ernährungsmythen
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Lea Hahn
06.03.2019

Rotes Fleisch ist ungesund, zu viel Kaffee auch und das allseits beliebte Nutella ist krebserregend. Wer aber jeden Tag ein Glas Rotwein trinkt, lebt länger. Und Veganismus ist ohnehin die gesündeste Ernährungsform – oder etwa nicht?! Solche Ernährungsmythen sind weit verbreitet, aber irgendwie weiß kaum jemand, ob diese nun wirklich der Wahrheit entsprechen oder nur ein Gerücht sind. Welche stimmen also und welche sollten endlich aus der Welt geschafft werden?

Wer sich gesund ernähren möchte, steht vor einer großen Herausforderung: Die einen Ernährungsexperten verteufeln Fette, die anderen Kohlenhydrate. Angeblich solle man nicht zu viele und nicht zu wenige Kalorien zu sich nehmen. Vielfalt sei dabei wichtig, um sämtliche Mineralien, Vitamine sowie Nährstoffe zu sich zu nehmen – wäre da nur nicht dieser böse Fruchtzucker oder die angeblich so ungesunde Wurst. Und die Tasse Kaffee am Morgen ist ohnehin bereits die erste Sünde, denken viele Menschen. Um das Thema Ernährung herrscht eine Menge Streit und noch mehr Verwirrung. Licht ins Dunkel können dabei wohl nur wissenschaftliche Studien bringen:

Mythos #1: Kaffee ist ungesund

Ein Tag ohne Kaffee wäre für viele Menschen ein verlorener Tag. Ohne den ersten Schuss Koffein am Morgen will auf der Arbeit so gar nichts nach Plan laufen. Die Konzentration lässt zu wünschen übrig – und die eigene Laune auch. Der Muntermacher hat einen festen Platz in der Morgenroutine vieler Menschen, und am Mittag, und vielleicht sogar am Abend. Jedoch wird dieser oftmals mit einem schlechten Gewissen getrunken, denn er soll ja angeblich schlecht für die Gesundheit sein. Nicht nur, dass er gelbe Beläge auf den Zähnen hinterlässt, er kann auch auf das Herz-Kreislauf-System schlagen oder zu Schlafstörungen führen. Richtig?

Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Wer ein empfindliches Herz-Kreislauf-System hat, sollte definitiv nicht zu viel oder zu starken Kaffee trinken. Zu später Stunde kann das Koffein durch seine aufputschende Wirkung zudem die Schlafqualität beeinträchtigen, schließlich wirkt es für vier bis zwölf Stunden im Körper nach – das ist je nach Mensch unterschiedlich. Wer den Kaffee jedoch in Maßen sowie zu früher Stunde zu sich nimmt, profitiert von zahlreichen positiven Effekten auf die Gesundheit:

  • Ein niedriger Blutdruck wird leicht angehoben,
  • die Verdauung angeregt,
  • die Konzentration gesteigert,
  • der Körper durch den vermehrten Harndrang entgiftet und
  • die Bronchien erweitert.

 

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Zudem weisen regelmäßige Kaffeetrinker angeblich eine um 18 Prozent geringere Mortalitätsrate auf. Wie gut oder schlecht man den Kaffee wirklich verträgt, hängt zudem von der Genetik ab. Die einen leiden schnell unter Schweißausbrüchen, Herzklopfen oder Kopfschmerzen, wenn sie Koffein zu sich nehmen. Die anderen profitieren lediglich von den positiven Effekten. So oder so, muss man wohl selbst herausfinden, ob und wann man das „flüssige Gold“ verträgt. Ein bis drei Tassen gelten jedenfalls gemeinhin als unbedenklich. Die Morgenroutine ist also gerettet – und kann ab sofort ohne schlechtes Gewissen genossen werden!

Mythos #2: Nutella ist krebserregend

Bei einer gelungenen Morgenroutine darf natürlich auch Nutella nicht fehlen. Der beliebte Brotaufstrich hat in den vergangenen Jahren aber so manche Schlagzeile verursacht. Krebserregend soll er sein, ging plötzlich ein Aufschrei durch die Medien. Angeblich sei daran das enthaltene Palmöl schuld, welches ohnehin aufgrund der Umweltschäden, welche dessen Produktion verursacht, die Geister scheidet. Nutella selbst reagierte auf die Vorwürfe mit einer Imagekampagne und dem klaren Dementi: Die Gefahr sei zu gering und noch nicht ausreichend erforscht, um solche Behauptungen in den Raum zu stellen.

Was jedoch bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Denn das Palmöl – sei es nun ungesund oder nicht – ist und bleibt ein Umweltsünder und viele Menschen rufen zu einem Boykott von Produkten auf, welche Palmöl enthalten. Darunter fällt leider nach wie vor auch Nutella. Und mit 541 Kalorien pro 100 Gramm ist die Nougatcreme auch alles andere als gesund. Ob Nutella krebserregend ist, lässt sich also zwar nicht mit Sicherheit beantworten. Die Frage, ob dieses in großen Mengen konsumiert werden sollte oder nicht, hingegen schon…

Mythos #3: Rotwein verlängert das Leben

Wenn man schon auf Nutella verzichten muss, dann kann man doch am Abend wenigstens ein Glas Rotwein genießen, oder? Schließlich soll der edle Tropfen gesund sein und das Leben verlängern. An dieser Stelle gibt es glücklicherweise eine gute Nachricht: Ja, Rotwein ist tatsächlich gesund. Allerdings kommt es auch hierbei, wie beim Kaffee, auf die richtigen Mengen an. Bei bis zu 150 Millilitern pro Tag wirkt sich Rotwein positiv auf der Herz-Kreislauf-System aus und kann also durch die Verringerung entsprechender Krankheiten wie Herzinfarkte tatsächlich das Leben verlängern.

Wer mehr Rotwein trinkt, schadet dadurch aber der Leber – auch, wenn dieser Konsum nur selten stattfindet. Frauen dürften sich zudem darüber ärgern, dass sie maximal zwei Gläser Rotwein pro Tag trinken dürfen, während bei Männern scheinbar bis zu vier Gläser unbedenklich seien. Weniger ist mehr, lautet aber in jedem Fall das Motto. Denn wer die „gesunde“ Grenze nicht überschreitet, genießt nicht nur leckeren Rotwein, sondern auch eine um 19 Prozent verringerte Sterblichkeit gegenüber Menschen, die vollständig auf Alkohol verzichten. Zudem sollte man unbedingt einen hochwertigen Tropfen wählen, keinesfalls das Tetra Pak aus dem Supermarkt. In diesem Sinne: Prost!

Mythos #4: Rotes Fleisch ist ungesund

Beim Wein ist die rote Farbe also ein gutes Prädikat. Beim Fleisch soll sie hingegen unbedingt gemieden werden. Rotes Fleisch im Sinne von unverarbeitetem Fleisch soll das Risiko von Krebs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen, heißt es. Und auch verarbeitetes Fleisch wie Wurstwaren oder zu dunkel gebratenes beziehungsweise gegrilltes Fleisch soll ungesund sein. Klingt ganz schön kompliziert, oder?

Studien gibt es zu diesem Thema eine Menge – und viele ihrer Ergebnisse sind widersprüchlich. Alles in allem, konnte jedoch keine gesundheitsschädliche Wirkung von rotem Fleisch bewiesen werden. Ob und in welcher Form Fleisch wirklich ungesund ist, bleibt also umstritten und wird noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen brauchen.

 

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Fakt ist aber: Fleisch liefert die wichtigen Nährstoffe Eisen, Zink, Selen sowie die Vitamine B3, B6 und B12. Wer also gänzlich auf Fleisch verzichten möchte, muss darauf achten, diese auf anderen Wegen zu sich zu nehmen. Hin und wieder einen saftigen Hamburger zu genießen oder im Sommer etwas Fleisch auf den Grill zu legen, ist also noch längst kein Grund zur Sorge.

Mythos #5: Veganismus ist die beste Wahl

Immer mehr Menschen entscheiden sich hingegen für das genaue Gegenteil: Eine vegane, sprich rein pflanzliche Ernährung. Sie verzichten nicht nur auf Fleisch in all seinen Formen, sondern auch auf Fisch, Eier, Milch, Honig und sämtliche tierische Produkte. Eine vorwiegend pflanzliche Ernährung ist auch tatsächlich gesund – das steht mittlerweile außer Frage!

Jedoch ist es mitunter schwierig, sämtliche benötigten Nährstoffe durch rein pflanzliche Lebensmittel aufzunehmen. Das gilt vor allem für das Vitamin B12, welches nur in wenigen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten ist – und dann vom Körper nicht optimal verarbeitet werden kann. Selbiges gilt für Eisen, Selen, Calcium und weitere wichtige Nährstoffe, die vor allem in tierischen Erzeugnissen zu finden sind. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten: Tierische Produkte essen oder das Vitamin B12 künstlich zuführen. Denn dessen Mangel kann schwerwiegende Folgen haben, bei Kindern sogar tödlich enden. Ärzte raten deshalb dringend davon ab, Kinder vegan zu ernähren.

 

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Ob Veganismus wirklich die beste Wahl für die Gesundheit ist, bleibt daher umstritten. Aus Sicht der Umwelt ist die Antwort aber eindeutig: Würden sich alle Menschen vegan ernähren, könnten viele Umweltprobleme beseitigt oder zumindest abgemildert werden. Wie weit man mit seinem Verzicht gehen möchte, ist eine Frage des eigenen Ermessens. Wer besonders streng is(s)t, darf dann nämlich eigentlich nicht einmal zur Avocado greifen.

Fazit

Schlussendlich muss wohl jeder selbst herausfinden, was ihm guttut und wie die eigene Ernährung aussehen sollte. Sich ungesund zu ernähren und das Ganze dann mit einer Flasche Rotwein am Abend wieder wettmachen zu wollen, dürfte aber leider nicht funktionieren …

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