Europawahl 2019: Unter 30-Jährige wählen grün (und lustig) [Update]

Europawahl 2019
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Thorsten Kolsch
26.05.2019

Europawahl 2019: Für die Grünen war es der „Sunday for Future“, während Comedian Nico Semsrott von Die Partei als Reaktion auf seinen Einzug ins Europaparlament lediglich ein „Lol“ bei Twitter übrig hat. Fest steht, geht es nach den jungen Menschen, braucht sich Europa vor den rechten Parteien nicht fürchten. 

Nein, es gibt nichts schön zu reden bei der Europawahl 2019. Die Rechtspopulisten sind weiter auf dem Vormarsch. Da genügt ein Blick nach Frankreich, Ungarn, Österreich, Italien und Großbritannien. Okay, letztere sind eh bald raus. Vielleicht. Doch es gibt diesen Funken Hoffnung, den wir bei den jungen Leuten in Europa sehen. Oft wurde von Politikern kritisiert, dass die junge Generation große Errungenschaften der EU, wie Frieden, Reisefreiheit, Erasmus und Roaming, als selbstverständlich ansehen. Sie würden sich daher nicht für Europa interessieren. Tatsächlich ist die Wahlbeteiligung allein in Deutschland von 48,1 auf 61,5 Prozent hochgeschnellt. Vor allem konnten viele junge Wähler mobilisiert werden. Das liest sich auch im Wahlergebnis, besonders wenn man sich nur das Abstimmungsverhalten der U30-Wähler ansieht:

Europawahl 2019: Partei-Chef Sonneborn schickt doch keine Bombe nach Brüssel

Danach kommen CDU/CSU nur auf 13 Prozent (22,6% insgesamt), die Grünen auf 33 Prozent (20,5% insgesamt) und die Satirepartei Die Partei auf 8 Prozent (2,4% insgesamt). Deutlich wird zudem erneut, dass junge Menschen deutlich weniger rechtspopulistisch wählen, als die Gesamtbevölkerung. So wählten „nur“ 6 Prozent die AfD, insgesamt jedoch 11,0 Prozent. „Die Partei“-Parteichef Martin Sonneborn sitzt mit diesem Ergebnis nicht mehr allein im Parlament. Nico Semsrott hat den zweiten Listenplatz für sich entscheiden können. Für die Dritte im Bunde, Lisa Bombe, hat es knapp nicht gereicht. Letztere wurde nur aufgrund ihres Nachnamens auf den Listenplatz 3 gewählt. Sie sollte darauf aufmerksam machen, dass die EU mehr Geld für Rüstungsexporte als für Entwicklungshilfe ausgibt. Dass dieses fulminante Wahlergebnis auch bei den gestandenen EU-Spaßmachern für ausgelöste Stimmung sorgt, zeigt die ausführliche Wahlanalyse von Semsrott:

Fazit der EU-Wahl bislang: Das europaweite Problem mit den Nationalisten ist nicht klein zu reden. Dafür können wir mit Blick auf die Zukunft auf die junge Generation setzen. Eine Generation, die für ein soziales und klimafreundliches Europa nicht nur auf die Straße geht, sondern auch wertebasiert wählen geht. Und wir werden eine gestärkte Satirepartei  im EU-Parlament haben, die uns mit viel Witz, provokanten Aktionen und ihrer links-liberalen Ausrichtung unterhalten wird.

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