Fall Thore Schölermann: Was darf Journalismus – und was nicht?

Thorsten Kolsch
20.09.2017

Da soll doch noch einmal einer sagen, der Wahlkampf sei in diesem Jahr langweilig. Ausgerechnet der ansonsten nicht durch politische Berichterstattung auffällige ProSieben-Moderator Thore Schölermann („taff“, „The Voice of Germany“) löst in diesen Tagen eine Mediendebatte aus: Darf man als Moderator im Fernsehen dazu aufrufen, eine bestimmte Partei nicht zu wählen? Nein, darf man natürlich nicht. Ein Kommentar. 

Was ist passiert?  Am 12. September moderierte der ehemalige „Verbotene Liebe“-Star die Lifestyle-Sendung taff. Am Ende rief Thore Schölermann die Menschen dazu auf, am 24. September wählen zu gehen. Soweit so gut. Brisant ist der Halbsatz, den er nachlegte: Aber nicht die AfD. Nun haben Zuschauer Beschwerde bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg eingereicht. Schölermann habe gegen die Neutralität in der Funktion eines Moderators verletzt. Tatsächlich wird nun gegen ihn ermittelt. Während ihn seine Fans und Anhänger des links-liberalen Lagers feiern, gehen AfD-Anhänger und Nationalkonservative auf die Barrikaden. Einmal mehr wird deutlich, wie sehr Deutschland politisch aufgeheizt ist. Stellt sich nun die Frage:

Musste sich Thore Schölermann für seine Nicht-Wahlempfehlung entschuldigen?

Man macht Fehler und bereut sie, es gibt aber auch Fehler zu den man einfach stehen muss … meiner Meinung nach ist die AfD keine Alternative für Deutschland… eine Partei die rechtes Gedankengut in ihren eigenen Reihen akzeptiert ist einfach nur peinlich für Deutschland #pfd ! Geht wählen !

Gepostet von Thore Schölermann am Freitag, 15. September 2017

Wenn wir ehrlich sind, kann man in seinem Fall die Frage nicht mit einem Ja oder Nein beantworten. Und wie Schölermann im Statement seines Facebook-Posts richtig sagte: Man macht Fehler und bereut sie, es gibt aber auch Fehler zu denen man einfach stehen muss. Fakt ist: Thore Schölermann ist kein Journalist, sondern gelernter Schauspieler und „taff“ ist kein Politik- oder Nachrichtenmagazin, sondern ein selbsternanntes Lifestyle-Magazin. Wie viel persönliche Meinungsäußerung ist also in einem privaten Medienmagazin erlaubt?

Thore Schölermann: Richtige Worte, falsches Format

Klar ist auch: Hätte er die Worte in einem eigenen YouTube-Format vorgetragen oder wäre er Gast in einer Sendung gewesen, hätte er die genannten Worte ohne Probleme sagen können. Als Moderator ist er jedoch auch Repräsentant des Senders, der medienrechtlich wiederum zur Neutralität verpflichtet ist. Mit anderen Worten: Er persönlich durfte natürlich dazu aufrufen, die AfD nicht zu wählen – nur hätte er sich dafür vielleicht besser Markus Lanz oder seine Facebook-Seite aussuchen sollen. Richtige Worte also, aber falsches Format. Vielleicht aber ist Schölermann auch bewusst dieses Risiko eingegangen, um seine Meinung kundzutun. Die mediale Aufmerksamkeit ist ihm jedenfalls seit Tagen gesichert.

Dann bleibt es zwar ein Fehler, aber ein Fehler für den ihn Millionen Menschen lieben. Und hassen.

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