Alle unter einem Dach: Warum Familie das Wichtigste ist

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Sascha Falkner
15.05.2019

Familie ist das Wichtigste – denn es bedeutet so viel mehr als nur Verwandschaft: Sie ist unser Zuhause, unser Fleisch und Blut. Es sind die Menschen, die uns oftmals den letzten Nerv rauben, aber dennoch können wir nicht ohne sie. Weil wir diese Menschen, die uns seit Beginn unseres Lebens so nahe stehen, lieben. Die Deutschen legen seit jeher sehr viel Wert auf das Familienleben. Jedoch hat sich auch dieses, vor allem bei der jungen Generation, stark gewandelt und weniger Wichtigkeit eingenommen. Aber dann gibt es da noch die Menschen, die das alte Familienbild aufrecht erhalten und es für sich neu definieren…

Wie heißt es so schön: Familie kann man sich nicht aussuchen. Das ist absolut richtig. Und selbst, wenn ich es könnte, würde ich mir genau die selbe Familie aussuchen. Bei Freunden sieht das schon wieder etwas anders aus. In meinem bislang 32-jährigen Leben gab es da so einige Menschen, auf die ich sehr gut hätte verzichten können. Freunde kommen und gehen. Sie sind ersetzbar. Einige kann man schnell abschreiben, manche weniger schnell. Aber irgendwann macht man dann doch einen Haken an die Sache. So will es das Gesetz. Es kommen immer neue Menschen in unser Leben, andere verlassen es wiederum.

Mann, 32, lebt im selben Haus wie seine Eltern

Bei der eigenen Familie ist das schon etwas schwieriger. Klar gibt es auch da mal Zank und Auseinandersetzungen. Das geht vorbei – meistens. Dann ist wieder alles gut. Schließlich will man keine Kluft in der eigenen Familie haben. Sicherlich gibt es da auch Menschen, die damit umgehen und gut leben können, wenn es so ist. Ich gehöre da definitiv nicht zu. Das mag vielleicht mehrere Gründe haben. Einer ist, dass ich schon immer in einem Generationenhaus gelebt habe und dort auch weiterhin leben werde.

Mit den Eltern oder gar auch Großeltern unter einem Dach leben? Onkel und Tante als direkte Nachbarn? Für einige heutzutage unvorstellbar. Für mich völlig normal, denn ich kenne es nicht anders. So bin ich groß geworden, so werde ich auch alt werden. „Mann, 32, lebt mit seinen Eltern im selben Haus“… Ja, genau so ist es: Und besser geht’s (für mich) nicht!

Einsam? Kenn ich nicht!

Solange die eigene Privatsphäre gewährleistet ist und man seine Ruhe hat, gibt es meiner Meinung nach nichts besseres, als eine Wohnung im Elternhaus zu haben. Ich kenne viele Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die es nicht abwarten konnten, von den Eltern wegzukommen. Ich fand diesen Drang immer sehr befremdlich und traurig. Ich denke, wenn man ein enges und gutes Verhältnis zu seiner Familie hat, dann fehlt dieses zwanghafte Fluchtbedürfnis: Egal, ob ich Single bin und meine eigenen vier Wände habe, ich bin niemals einsam. Dieses Gefühl kenne ich nicht wirklich. Ich kann zum Quatschen einfach eine Etage höher gehen und weiß, dass immer jemand da ist, wenn ich das Bedürfnis nach Gesellschaft habe.

Als Einzelkind hat man wohl noch einmal eine etwas andere, engere Bindung zu den Eltern. Schließlich werden die ja auch älter. Wenn ich weiter weg leben würde, hätte ich ständig Sorge um sie. Ohne Geschwister nimmt einem diese Sorge ja auch niemand ab. Ich will nicht sagen, dass es ein Verantwortungs- oder gar Pflichtgefühl ist – das würde meine Familie absolut nicht von mir verlangen oder wollen. Vielmehr ist es mein eigener Wunsch, in der Nähe zu sein. Ganz alleine leben in einer Stadt ohne Familie und Freunde? Mit einer solchen Situation würde ich mich sehr schwer tun, weil es einfach nicht zu meinen Prioritäten gehört. Ich habe mein eigenes Leben, in dem ich mit beiden Beinen stehe, und ich gehe meine eigenen Wege. Nichtsdestotrotz bin ich ein Familienmensch, der seine Sippschaft stark involviert. Und das ist auch gut so!

Keine Beziehung ist mit der Familie vergleichbar

Freunde hingegen: Einige bleiben für ein Weilchen, manche für immer. Das ist oft Glückssache. Ich habe eine Hand voll Freunde, die ich seit Ewigkeiten kenne und die einen besonderen Platz in meinem Leben haben. Die gehören quasi mit zur Familie. Auch Partner kommen und gehen oftmals im Leben. Diese Menschen nehmen ebenso eine wichtige Rolle im Leben ein. Sie werden Teil der Familie. Das heißt jedoch nicht, dass man sie nicht entbehren kann. Geht es zu Ende, dann tut es weh. Klar. Aber da steht man drüber mit der Zeit. Es war die Beziehung zu einem Menschen, den du seit ein paar Monaten oder Jahren kennst. Mit den Menschen, die in deinem Leben sind, seit du geboren wurdest, kann man das nicht vergleichen. Die Familie kennt dich einfach. Sie weiß, wie du tickst und was dich ausmacht. Sie haben dich geprägt, geben dir Halt, Kraft, Hoffnung und fangen dich auf. Das kann dir ein Partner und ein enger Freund auch ein Stück weit geben – aber längst nicht in der Form.

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie man leben möchte. Ein solches Familienleben entsteht oftmals auch aus der Situation heraus: Wenn man den Platz hat, alle unter einem Dach unterzubringen, ohne dass man sich die Köpfe einschlägt und jeder seine Ruhe hat, ist es absolut genial. Aber auch abseits des Generationenhaus ist man durchaus in der Lage, eine wunderbare, enge und harmonische Beziehung zur Familie zu führen. Wichtig ist es, sich vor Augen zu führen, dass Familie ein Segen und kein Fluch ist. Also überdenkt alle Vorurteile, Streitigkeiten und Ungereimtheiten und verbringt Zeit mit den Menschen, die euch wirklich am Herzen liegen. Und denen ihr am Herzen liegt. Irgendwann könntet ihr es sonst bereuen…

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