German Horror Story: Fünf gruselige deutsche Sagen

Sascha Falkner
20.03.2019

Ob Märchen, Mythen, Legenden, packende Romane oder fesselnde Filme und Serien: Menschen lieben Geschichten in jeglicher Form. Egal ob (teils) wahr oder fiktiv, eine Geschichte kann verschiedene Reaktionen in uns auslösen – von Spannung, Belustigung oder gähnender Langeweile bis hin zu purer Angst. Für Letzteres sorgen eine ganze Reihe von schaurigen Sagen aus unserer Heimat Deutschland. Wir stellen euch fünf gruselige deutschen Sagen(gestalten) einmal vor…

„Erzähl mir eine Geschichte!“ Insbesondere Kindern macht man damit eine Freude (oder aber auch nicht). Doch auch Erwachsenen dürstet es oft nach Geschichten. Früher galten Schauergeschichten um Schreckgestalten und übernatürliche Wesen als Ammenmärchen, um Kindern Angst einzujagen, damit sie keine Dummheiten begehen. Oder generell um Ehrfurcht, Sitte und Ordnung zu propagieren. Man war halt weitaus leichtgläubiger als heute. Es waren Erzählungen, die zuerst nur mündlich überliefert und irgendwann dann schriftlich festgehalten wurden. Bis zur heutigen Zeit haben solche Sagen und Erzählungen überlebt, sich evolutioniert, und bieten dadurch jede Menge Stoff für die Horrorliteratur und Filmwelt.

Schaudergeschichten made in Germany

Der diesjährige Weltgeschichtentag, der seit 2004 jedes Jahr am 20. März stattfindet, steht ganz im Zeichen von Sagen, Mythen und Legenden. Der perfekte Anstoß, um einmal einen Blick in die deutsche Geschichtenkiste zu werfen. Und wir haben einiges zu bieten – man denke beispielsweise an das Rheingold und die Niebelungen. Klassiker des deutschen Sagentums. Aber, es geht auch richtig creepy, denn in unseren heimischen Gefilden gibt es eine ganze Reihe unschöner und unangenehmer Gestalten, die ihren eigenen regionalen Sagen entspringen. Denen möchte man nicht unbedingt über den Weg laufen.

Lust auf Gutenachtgeschichten mit Wohlfühlgarantie? Hier sind die Top 5 der schaurigen Sagen und ihre nicht weniger schaurigen Protagonisten:

1

Die Mittagsfrau

Mittagsfrau – klingt erst mal recht sympathisch: So nach netter Frau, die einem das Mittagessen bringt. Aber, weit gefehlt! Die Sage um die Mittagsfrau ist in der Region rund um den Brandenburger Spreewald beheimatet. Dort soll sie Feldarbeitern, die um 12 Uhr mittags in der heißen Mittagssonne noch auf dem Feld arbeiten, erschienen sein. Sie ist eine alte, schrumpelige Frau mit schwarzer Kleidung und Pferdefüßen. Als Accessoire trägt die Gute eine Sichel, mit der sie gerne mal Köpfe abschneidet. Sie macht ihre Opfer ganz kirre und fragt sie buchstäblich tot. Retten kann man sich nur, indem man ihr eine Stunde lang ganz professionell von der Feldarbeit erzählt. Andernfalls: Kopf ab! Offenbar entstand die Geschichte der Mittagsfrau, um Feldarbeitern ihre wohlverdiente Mittagspause zu gönnen und sie vor dem Hitzeschlag zu schützen, für den sie als Metapher steht.

2

Der Erkinger

Der Erkinger ist eine furchteinflößende Sagengestalt aus Bad Liebenzell in Baden-Württemberg. Es handelt sich dabei um einen diebischen Riesen, der schlappe vier Meter groß ist, und in einem Turm hauste. Seine große Vorliebe: Saftige Bräute – die hat er zum Fressen gern! Erkinger war bekannt dafür, dass er junge, frischverheiratete Bräute aus dem Ort entführte, in seinen Turm verschleppte und sie dann dort verspeiste. Die Gebeine wurden dann anschließend aus dem Fenster geworfen, bis sie irgendwann einen Berg bildeten: Den Beinberg, der noch heute steht. Irgendwann waren die Menschen von Bad Liebenzell es leid und wollten dem Riesen-Kannibalen den Gar ausmachen. Also mauerten sie nachts den Eingang des Turms zu. In seiner Verzweiflung brachte sich Erkinger selbst um, indem er aus dem hohen Turmfenster sprang. Sein Gewand sowie ein Hosenträger und ein Schuh sollen angeblich lange Zeit in der sogenannten „Riesenkapelle“ in einem Kloster aufbewahrt worden sein.

3

Die Saalenixe

Nixen (Wassergeister) und Meerjungfrauen werden oft als ein und dasselbe betrachtet und sind in vielen Erzählungen und Mythen weit verbreitet. Am bekanntesten ist wohl Hans Christian Andersens Die kleine Meerjungfrau, die für Disneys berühmteste Unterwasser-Sängerin Arielle als Inspiration diente. Dabei sind Nixen ursprünglich alles andere als Hold gesonnene Wesen: Als verführerische Sirenen locken sie Seefahrer, Fischer und Schwimmer mit ihren hypnotisierend schönen Gesängen in den Tod. Die Loreley ist wohl das berühmteste deutsche Beispiel für ein solches Wesen. Aber auch in der Saale soll eine Nixe ihr Unwesen getrieben haben… einmal im Jahr ging es auf Opferjagd. Da dieser Tag (welcher genau, ist nicht bekannt) von den Leuten gefürchtet wurde, waren Seefahrten und Schwimmen absolut tabu. Wer dann doch einen auf dicke Hose machen wollte, der wurde schließlich von der süßen kleinen Badenixe in die Tiefe gezogen und ertränkt. Selten konnte ihr jemand entkommen. Laut einer Geschichte gelang es aber einem Mann aus Jena, der während des Schwimmens von ihr an den Füßen gepackt und unter Wasser gezogen wurde, sich aus ihren Fängen zu befreien und so dem Tod zu entkommen. An seinen Beinen hatte er blutige Krallenspuren.

4

Das Bahkauv

Das Bahkauv (hochdeutsch: Bachkalb) ist das Heimatmonster von Aachen. Zielobjekt: Betrunkene Männer, die nachts nach Hause torkeln. Als Mischung aus riesigem Kalb mit fletschenden Reißzähnen und Reptil, soll das Tierchen im Abwasserkanal am Büchel, von wo aus die vielen Aachener Thermalquellen versorgt werden, hausen. Vor allem abends und in der Nacht bildete sich durch den Dampf meist dichter Nebel – das sorgt für extra Orientierungslosigkeit, wenn man(n) einen im Tee hat. Das nachtaktive Bahkauv erschien dann plötzlich im Nebel, sprang den Betrunkenen von hinten an und hockte sich ins Genick: Machten die Opfer nun einen auf Mitleid oder fingen an zu beten, wurde das Bahkauv immer schwerer… fluchten und schimpften sie, so wurde es leichter. Manchmal trug es auch klimpernde Eisenketten, so dass die schadenfrohen Nachbarn hörten, wenn wieder ein Betrunkener unterwegs war. Das Bahkauv ist wohl mit Abstand das harmloseste Wesen der deutschen Sagen, denn außer Huckepack und einem Mordsschreck, hatten die Betroffenen (zu denen nie Frauen gehörten) nichts zu befürchten – es wollte halt einfach nur etwas spielen. Seit 1967 ziert den Aachener Büchel eine wasserspeiende Bronzestatue des Bahkauvs.

5

Der Gonger

Der Gonger ist ein Untoter oder Wiedergänger, um den sich viele Sagen der norddeutschen Inseln Sylt und Amrum drehen. Dabei unterscheiden sich die Erzählungen: Manche glauben, dass es sich bei den Untoten um unschuldige Mordopfer, Selbstmörder oder Gotteslästerer handelt, die keine Ruhe finden. Größtenteils handelt es sich bei den Gonger-Geschichten jedoch um verstorbene Seefahrer, die auf dem Meer den Tod fanden. Diese suchen dann ihre Verwandtschaft heim, um ihren Tod zu verkünden. Dazu betreten die klatschnassen Untoten nachts die Häuser, löschen alle Lichter aus und legen sich dann zu den schlafenden Verwandten ins Bett – wo sie einen nassen Salzwasserfleck hinterlassen (so also kleiner Hint, dass sie Gesellschaft hatten). Das Spielchen macht der Gonger dann so lange, bis sich die Verwandten an ihn und seinen Tod erinnern. Äußerst behagliche Vorstellung.

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