Die 12 wichtigsten Effekte, die jeder Gitarrist kennen muss

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Jan Schröder
31.10.2018

Was genau braucht es eigentlich, um als Gitarrist einen unverwechselbaren, einen einzigartigen Sound zu kreieren, der von einem weltweiten Publikum, und mitunter über Generationen hinweg, wiedererkannt wird? Talent allein ist es sicher nicht und es liegt auch nicht nur am gespielten Instrument. In vielerlei Hinsicht, wenn auch ganz sicher nicht ausschließlich, ist es eine Frage der Technik. Im wahrsten Sinne des Wortes. So schwierig ein spezieller Sound manchmal in Worte zu fassen ist, er ist zumindest von der technischen Seite aus greifbar. In Form der Effekte und Modulationen, die über diverse Pedale und Effektgeräte die charakteristische Wirkung offenbaren.

1. Die Basics

Fingerfertigkeit und Talent sind nur die halbe Miete, selbst bei den ganz Großen ihres Fachs. Die andere Hälfte besteht in der Ausrüstung und der Art und Weise, wie diese eingesetzt wird. Erst aus der Mischung entstehen jene Signature-Sounds, die jeder kennt, die aber noch lange nicht jeder kopieren kann. Wobei das theoretisch natürlich durchaus machbar ist, zumindest von der technischen Seite aus betrachtet (und damit sind nicht die diversen Signature-Gitarren der Ikonen gemeint): Das notwendige Equipment ist schließlich überall im Handel zu haben und das meiste davon gehört ohnehin zur Grundausstattung.

Gitarrenverstärker sind dabei die erste Möglichkeit, einen eigenen Klang auszubilden, aber sie sind eben nicht die einzige. Genug Raum zum Experimentieren bieten die Verstärker gerade für Einsteiger aber allemal, obwohl die meisten Einzeleffekte nicht mehr, wie es etwa Fender früher gemacht hat, in die Verstärker integriert werden. Um den individuellen Sound zusammenzubasteln, eignen sich Einzelgeräte schon wegen der Vielzahl verschiedener Effekte deutlich besser. Wer also wie die Profis spielen will, muss sich auch so ausrüsten. Oder wenigstens die Grundlagen beim Thema Gitarreneffekte kennen.

2. Distortion

Klingt schon wie eine fertige Rockband, beschreibt aber erst einmal nichts weiter als eine Verzerrung, also eine Übersteuerung des eingehenden Signals. Wobei „nichts weiter“ die Bedeutung dieses Effekts nicht ansatzweise trifft: Denn bei genauerer Betrachtung hat dieser erste (zufällig entdeckte) Klangeffekt die Grundlage für weite Teile des Rock-Genres und Klassiker wie „Satisfaction“ von den Rolling Stones bereitet, deren verzerrter Sound im Gegensatz zum cleanen stand, wie ihn noch die Beatles gespielt hatten. Am Anfang übrigens tatsächlich noch über die Verstärker selbst, genauer: über deren Vorstufe, die mit einem „Overdrive“ einen übersteuerten Grundklang liefern konnten. Um die diversen Spielarten der Distortion nutzen zu können, kommen aber seit Langem entsprechende Effektpedale zum Einsatz.

3. Modulation

Während es sich bei der Verzerrung um eine Manipulation des Originalsignals handelt, bedeuten Modulationen, diesem Signal künstliche Anteile hinzuzufügen. Auch hier finden sich einige klassische Effekte, die bereits seit Jahrzehnten zum üblichen Repertoire für Gitarristen gehören.

4. Tremolo

Tremolo und E‑Gitarre können eigentlich nicht getrennt voneinander gedacht werden. Wirklich populär, im wahrsten Sinne des Wortes, wurde dieser Effekt, bei dem die Lautstärke in verschieden langen Intervallen von laut zu leise verändert wird, trotzdem erst in den 1950ern. Bekannt war er aber schon lange vorher und sickerte den 1950er Jahren mit Fenders Telecaster zunehmend in die Rockmusik ein. In den 1960ern war es dann unter anderem Jimi Hendrix, der das Tremolo für sein Spiel nutzte und gleichzeitig deutlich machte, wie weit man mit diesem Effekt tatsächlich gehen kann. Das Ende der Reise war damit für das Tremolo keineswegs erreicht, denn es entwickelt sich mit der Technik (das meint sowohl die Ausrüstung als auch die Spielweise) immer weiter.

5. Chorus

In den 70er Jahren steuerte Roland mit dem Jazz Chorus Verstärker JC-120 einen weiteren Effekt bei, der unter der Bezeichnung Chorus bekannt ist. Der Effekt basiert darauf, das Originalsignal leicht zu verzögern und in der Tonhöhe zu variieren. Im Ergebnis hört es sich dann so an, als würde ein zweiter, ähnlicher Ton mitklingen. Der Klang wird dadurch insgesamt voller, so wie es beim Gesang eines Chores der Fall ist. Andy Summers von The Police nutzte diesen Effekt bei seinem Spiel gerne, für die jüngeren Generationen dürfte ein anderes Beispiel aber näherliegen: Kurt Cobain spielte unter anderem „Come As You Are“ unter Verwendung des Chorus ein.

6. Phaser

Was kommt dabei heraus, wenn man ein Originalsignal nimmt und dem eine Kopie beimischt, die aber um einen Bruchteil verzögert wurde? Richtige Antwort: Gewisse Frequenzbereiche werden durch die Phasendrehung ausgeblendet. Der Phaser verbindet dabei noch verschiedene Verzögerungen miteinander und verstärkt dadurch noch die erreichten Klangänderungen. Seinen Durchbruch hatte der Effekt dank des Komponisten Steve Reich in den 1960er Jahren, ehe verschiedene Rockbands ihn für sich entdeckten.

Allen voran Status Quo in ihrem „Pictures Of Matchstick Men“ aus dem Jahr 1968, aber auch Queen („Sheer Heart Attack“), The Police („Bring On The Night”), Genesis („Cockoo Cocoon”), Pink Floyd („Have A Cigar”) oder Iron Maiden („Strange World”) bewiesen, dass der Phaser nicht nur für Gitarren, sondern genauso für Bass und Gesang eine interessante Modulation ist. Led Zeppelin steuerten mit „Kashmir“ übrigens eines der selteneren Beispiele bei, in dem der Phaser für das Schlagzeug verwendet wurde.

Der Flanger spielt übrigens ebenfalls mit der Verzögerung der Phasen, bewegt sich dabei aber in einem größeren Verzögerungszeitfenster. Für die Erfindung ist Gerüchten zu Folge der Gitarrist Les Paul verantwortlich gewesen und zwar schon in den 1950ern.

7. Zeitbasierte Effekte

Hierunter fallen ebenfalls einige grundlegende Effekte, mit denen beispielsweise so etwas wie räumliche Tiefe in das Gitarrenspiel gebracht werden kann. Was genau damit gemeint ist, wird deutlicher anhand der entsprechenden Effekte.

8.  Delay

In erster Linie geht es beim Delay um eine zeitverzögerte Wiederholung des Originalsignals: Ein Ton wird auf der Gitarre gespielt und anschließend mit gebührendem zeitlichen Abstand wiederholt. Das Resultat ist ein Echo, wie es unter anderem in Balladen gerne eingesetzt wird. Mit unterschiedlichsten Variationsmöglichkeiten übrigens, denn unter anderem lassen sich die Lautstärke der Signalkopie und die Häufigkeit der Wiederholung, bis hin zu einer Endlosschleife, einstellen. Zu hören ist der Delay-Effekt unter anderem in U2’s „Where The Streets Have No Name“ oder im sehr viel früher erschienenen „Another Brick In The Wall (Part One)“ von Pink Floyd.

9. Reverb

Hinter dem englischen Begriff verbirgt sich der Hall, also ein weiterer Raumeffekt. Er ist insgesamt weniger aufdringlich als der Delay, erzeugt trotzdem bei richtigem Einsatz genauso Tiefe und Räumlichkeit. Das sogar nach Belieben, denn über die Einstellung der Intensität lässt sich problemlos eine mehr oder weniger tiefe Umgebung ans Ohr tragen. Mitunter ist hierfür aber gar kein Effektpedal notwendig, denn manche Gitarrenverstärker bringen einen Regler für den Hall gleich mit.

10. Dynamische Effekte

Sowohl die Modulationen als auch die zeitbasierten Effekte funktionieren dadurch, dass sie dem Originalsignal künstliche Signalteile beimischen. Daneben gibt es aber Möglichkeiten, das Originalsignal auf direktem Wege zu beeinflussen.

11. Wah-Wah

Die lautmalerische Bezeichnung des Effekts ist schon der erste Hinweis, was genau mit ihm erreicht wird. Bekannt wurde das Wah-Wah-Pedal ebenfalls durch Jimi Hendrix (unter anderem in „Voodoo Child“), der mit einem Fußregler einen bestimmten und nicht sonderlich großen Frequenzbereich hervorhob (oder eben nicht). Dadurch klingt es so, als würde der Gitarrensound eine menschliche Stimme nachahmen. Theoretisch ist aber auch eine andere Herangehensweise möglich, wie sie zum Beispiel Carlos Santana praktiziert: Er lässt das Wah-Wah-Pedal einfach in ein und derselben Position stehen und nutzt es somit wie einen Equalizer mit einem speziellen Einsatzbereich.

Weitere prominente Wah-Wah-Nutzer sind Eric Clapton, David Gilmour, Tom Morello oder Kirk Hammet. Dass es nicht immer nur die Gitarristen sein müssen, die diesen Effekt in ihre Songs einfließen lassen, bewiesen Stevie Wonder mit dem Keyboard oder Bootsy Collings mit dem Bass. Ein bemerkenswertes Beispiel für den Wah-Bass ist außerdem das Solo von Geezer Butler in „Nib“ von Black Sabbath.

12. Talkbox

Der Gitarrenklang lässt sich übrigens nicht nur mit den Füßen, sondern auch mit dem Mund verändern. Dazu braucht man nicht einmal mit den Zähnen seine Gitarre malträtieren, wie Jimi Hendrix das gelegentlich gerne tat. Mit einer Talkbox wird das Signal über einen Schlauch erst in den Mund des Musikers geleitet und von dort zum Verstärker. Verantwortlich für die herauskommenden Töne sind dann unter anderem die Bewegungen von Zunge und Wangen. Diese Spielerei wird tatsächlich Musikgenre-übergreifend seit Mitte der 1970er eingesetzt, angefangen bei Jeff Beck (sozusagen der Vater der Talkbox) über Peter Frampton, Bon Jovi, den Foo Fighters bis hin zu 2Pac und Daft Punk.

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