Selbstversuch: 7 Tage Heilfasten ohne Hunger!

Heilfasten ohne Hunger
© depositphotos / julos
Thorsten Kolsch
21.04.2017

7 Tage Heilfasten ohne Hunger zu haben? Das soll gehen? Wenn früher Leute auf mich zugekommen sind und gesagt haben, dass sie eine längere Zeit gar nichts essen (also rein gar nichts!), habe ich nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Das kann doch nicht gesund sein. Jetzt weiß ich: Es geht und es tut gut. Ein Selbstversuch eines Skeptikers. 

Sagen wir’s so, ich esse unheimlich gerne. Ich gehe gerne und gut essen. Ich bin quasi ein Hedonist. Zudem bin ich ziemlich kochfaul.

Kurz: Ich konnte mir anfangs einfach nicht vorstellen, wie ich 7 Tage überstehen soll, ohne einen Bissen zu mir zu nehmen. Das aber ist das Prinzip des Heilfastens nach Dr. Otto Buchinger. Die Idee dahinter: Man nimmt für einen bestimmten Zeitpunkt keine feste Nahrung zu sich und ernährt sich nur von Säften, Gemüsebrühe oder Tee.

Was anstrengend und für viele undurchführbar klingt, ist einfacher als man denkt. Der anstrengende Part kommt dagegen am Ende. Denn nachdem man ja so schön abgenommen hat und sich so viel fitter fühlt, will man dieses Gefühl schließlich auch halten.

7 Tage Heilfasten ohne Hunger — Mein Tagebuch:

1

Tag 1: Vorbereitungstag

Am ersten Tag sollte man nach Möglichkeit nicht mehr viel essen und so habe ich es auch gehalten. Ich hatte eh einen Flug vor mir und so gab es am Flughafen nur einen Obstsalat und im Flugzeug den obligatorischen Tomatensaft. Abends nochmal Obst und: Glaubersalz. Denn das wichtigste für ein erfolgreiches Fasten ist ein leerer Darm. Dadurch, dass ich aber das erste Mal richtig faste und das Glaubersalz erst am Abend genommen habe, tat sich noch nicht viel. Außer ein bisschen blubbern. Dafür am nächsten Tag umso mehr…

2

Tag 2: Ein Scheiß-Tag…

Ja, es gibt schönere Tage im Leben. Am Morgen nach dem Glaubersalz hängt man erst einmal eine Weile auf der Kloschüssel. Das Salz bewirkt, dass sich das Essen quasi zu Wasser verflüssigt. Ohnehin sollte man während des Fastens keine Termine (erst recht Essenstermine) wahrnehmen. An diesem „Scheiß-Tag” ist es ganz besonders ein Tabu. Ganz am Ende erlebt man allerdings ein erstes befreiendes, entschlackendes Gefühl.

3

Tag 3: Was sollen die Kopfschmerzen?

Etwas Katerstimmung macht sich am dritten Tag breit. Dabei ist Alkohol während der gesamten Fastenzeit natürlich verboten. Die Kopfschmerzen können verschiedene Gründe haben, in der Regel ist es jedoch eine Entzugserscheinung. Ich habe vorher, dank meines Besuches, viel geschlemmt und auch Kaffee getrunken. Für den Körper fühlt sich das wie ein Entzug an, wenn gar kein Kaffee mehr nachkommt. Daher hilft nur: Viel Wasser trinken und den Körper austricksen. Und dennoch: Wer schon immer viel Kaffee getrunken hat, der kann auch während der Fastenzeit weiterhin Kaffee trinken. So habe ich es dann auch ab dem 4. Tag gehalten.

Ansonsten sieht mein Ernährungsplan in diesen Tagen wie folgt aus: Morgens 1 Glas Saft, Mittags 1 Glas Saft und 1 Tasse Kaffee, Abends 500ml Gemüsebrühe und etwa 3 Liter pro Tag Wasser trinken. Wichtig dabei: Immer schön langsam und kauen, auch wenn es nur Flüssignahrung ist. Dadurch beschäftige ich den Körper und der kleine Hunger meldet sich gar nicht erst zu Wort.

4

Tag 4: Hunger adé

Es ist wirklich überraschend, aber nach ein paar Tagen hat man verlernt „Hunger” zu haben. Und wenn wir ehrlich zu uns sind, können wir auf diesem Kontinent auch keinen Hunger spüren, es ist maximal Appetit. Kleiner Unterschied. Denn die Verführung lauert überall. Ich habe meine Fastenwoche in der Altstadt von Barcelona gemacht. Mehr Herausforderung geht nicht bei der hiesigen Restaurantdichte.

Wie kommt es also, dass der Hunger auf einmal vorbei ist, obwohl man weiterhin nichts isst? Der Körper hat seinen Stoffwechsel mal eben angepasst. Ab sofort bedient er sich bei meinen Fettreserven (von denen es einige gibt). Und dieses Signal leitet er ans Gehirn weiter, von dem das vermeintliche Hungergefühl ausgelöst wird. Ab sofort kann ich dem Abnehmen quasi zusehen.

5

Tag 5: Ich freu mich jetzt schon auf die allabendliche Gemüsebrühe. WTF?

Jeden Tag gehe ich an diesen tollen Läden und Bäckereien vorbei, mit all ihren tollen Gerichten und Gerüchen. Doch es juckt mich nicht mehr. Stattdessen freue ich mich auf meine Gemüsebrühe am Abend. Generell: Der sogenannte Hunger dominiert nicht (mehr) meinen Tagesablauf. Und ich habe sonst oft Hunger, bzw. Appetit.

Gleichzeitig bin ich auch etwas stolz. Während andere Fastenurlaub am A*** der Welt machen, ziehe ich das Ding in einem der kulinarischsten Viertel der Welt durch. Ich fühle mich übrigens leichter. Ich könnte den ganzen Tag rumhopsen. Was dazu führt, dass ich aktuell mehr Kalorien verbrenne, als zu mir nehme.

6

Tag 6: Ich fühl mich wesentlich fitter — mit Einschränkungen

Vorletzter Tag. Tatsächlich fühle mich so gut wie schon lange nicht mehr. In den ersten Tagen fiel es mir schwer mich zu bewegen, da ich mich etwas geschwächt gefühlt habe. Nun aber hat sich ein Gefühl von Stärke eingeschlichen. Ich bewege mich mehr und mehr.

Mehr noch: Ich habe eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung (was für ein Wort) und habe sie durch das Fasten in den Griff bekommen. Kein Nasenspray mehr, kein Nießen, die Nase fühlt sich freier an. Außerdem habe ich nicht unerheblich abgenommen. Allerdings gibt es auch leichte Einschränkungen: Ich habe ohnehin eine nicht unerhebliche Sehschwäche. Mein Eindruck ist der, dass ich mangels Essen, so ab frühen Nachmittag, schneller verschwommen sehe — mit Brille.

7

Tag 7: Der harte Teil kommt erst jetzt

Letzter Tag. Irgendwie freue ich mich natürlich auf das Essen wieder. Ich beginne mein Fastenbrechen mit einer Banane. Ein Apfel wäre wohl besser, wie ich gehört habe, weil abführender. Tatsächlich beginnt jetzt die eigentliche Herausforderung. Denn den größten Fehler, den man jetzt begehen kann, ist der Flashback alter Essgewohnheiten. Darum werde ich in den nächsten Tagen zwei bis drei Aufbautage einplanen. Mich also erst einmal von Rohkost und Knäckebrot ernähren. Denn Körper und Geist müssen den Stoffwechsel erneut anpassen. Auf einmal kommt ja wieder feste Nahrung durch die Speiseröhre rein. Die Organe haben wieder ein bisschen mehr zu tun.

Ein weiterer positiver Effekt ist die Tatsache, dass jeder Bissen Essen ein absoluter Genuss ist. Selbst ein Stück Apfel schmeckt jetzt intensiver als sonst. Hinzu kommt, dass ich durch meine Nasenerkrankung zeitweise Probleme mit dem Geruchs- und Geschmackssinn hatte. Alles Geschichte!

Fazit: Ich bin froh, dieses Experiment gemacht zu haben und kann mir vorstellen, in Zukunft mindestens einmal im Jahr zu fasten. Der positive Effekt überwiegt jedenfalls. Einen weiteren Nebeneffekt gibt es auch noch: Man spart so viel Geld (das man dann wieder in Klamotten investieren kann, weil einem einiges nicht mehr passt).

Passend zum Thema