Raus aus dem Versuchslabor: Wie man einem Hund ein schönes Leben schenkt

© Sascha Falkner
Sascha Falkner
10.10.2019

Der Hund ist des Menschen bester Freund – dem kann ich nur beipflichten. Leider weiß der Mensch das aber nicht immer zu schätzen. Umso schlimmer ist die Tatsache, dass neben Affen, Katzen, Mäusen und Ratten auch jedes Jahr tausende Hunde in Deutschland für Versuchszwecke in Laboren gequält und oftmals getötet werden. Auch meine Familie hat einen Hund, der im Labor geboren wurde. Den heutigen Welthundetag nehme ich mir zum Anlass, seine Geschichte zu erzählen und zu zeigen, wie man auch einem Versuchshund ein schönes Leben bescheren kann… und soll!

Lenny ist ein Beagle und wurde im Labor in Ungarn geboren. Bereits als Welpe wurde er für Versuchszwecke missbraucht. Der Tierschutz konnte ihn nach Deutschland bringen, wo er vermittelt wurde – und schließlich in Aachen landete. Als er im Dezember 2012 zu uns kam, war er gerade mal süße sieben Monate alt. Und er hatte schon so einiges durchgemacht. Offenbar hatte man ihm im Labor hartnäckige Substanzen eingeflößt. Die Folge: Herpesviren im Auge und einen aggressiven Pilzbefall in der Nase. „Auf natürlichem Wege kann ein junges Tier so etwas Hartnäckiges nicht bekommen“, lautete das Fazit des Tierarztes. Es folgte ein aufwendiger Eingriff unter Narkose. Dabei war Lenny noch nicht mal ein Jahr alt. Die kurze Zeit im Labor hat aber noch weitere Spuren hinterlassen, die erst später zum Vorschein kamen. So ist heute sein Herz leicht vergrößert. Mit Medikamenten ist das jedoch in Schach zu halten und nicht weiter bedrohlich. Dennoch unnötig für ein so fideles und gesundes Tier.

Tierversuche sind unethisch und sinnlos

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Beagles sind sehr agile, temperamentvolle und robuste Jagdhunde. Genau deshalb eignen sie sich wunderbar für Versuchszwecke, da sie (angeblich) sehr schmerzresistent und hart im Nehmen sind. Außerdem sind sie sehr zutraulich und können auch in größeren Gruppen gehalten werden – perfekt für’s Laborleben, sofern man es überhaupt Leben nennen kann. Medikamente und Grundstoffe für Kosmetik sind die größten Versuchszwecke. Absolut unethisch, da die Tiere unnötig leiden und oftmals auch sterben. Unnötig? Ja!  Denn es bringt nichts. Tiere und Menschen haben komplett unterschiedliche genetische und anatomische Grundrisse. Vierbeiner sind demnach nicht für die akkurate Darstellung unserer Krankheiten geeignet. Schlägt ein Medikament beim Tier gut an, kann der Mensch wiederum komplett gegenteilig darauf reagieren. Experiment kläglich gescheitert … Wäre ja nicht das erste Mal.

Zuneigung und Geborgenheit können Wunder bewirken

Einen Versuchshund aus dem Labor zu adoptieren ist eine gute Sache. Auch wenn es vielleicht etwas mehr Mühe und Zeit kostet, denn Labore hinterlassen Spuren. Auffallend war, dass Lenny es anfangs beispielsweise nicht mochte, wenn man seinen Kopf von oben anfasste – entweder drehte er den Kopf dann weg oder er versuchte, mit seinen Pfoten die Arme unten zu halten. Einerseits ulkig, andererseits traurig: Denn es war ein Zeichen der Verängstigung. Tiere können nun mal nicht sprechen. Sie können uns ihre Geschichten nicht erzählen oder uns sagen, was ihnen Angst macht oder fehlt. Umso wichtiger ist es, dem Hund zu zeigen, dass er bei uns sicher ist. Und man merkte sehr schnell, dass Beagles sehr anhänglich sind. Am besten immer direkt auf den Füßen des Menschen liegen oder fest angeschmiegt. Hauptsache Nähe.

Mit fast sieben Jahren ist Lenny ein komplett anderer Hund als damals: Während er früher leicht ängstlich, unerzogen und ungestüm war, ist er heute ein selbstbewusster und lebhafter Hund, der (meistens) aufs Wort hört. Ich frage mich manchmal, ob er an seine Zeit im Labor überhaupt noch irgendwelche Erinnerungen hat nach all der Zeit. Oder ob gute menschliche Fürsorge dafür gesorgt hat, all das zu vergessen. Auch Hunde müssen instinktiv über gewisse Erinnerungen verfügen, so viel steht fest.

Der Hund wird’s mit Liebe danken

Was ich jedem raten würde, der sich einen Hund anschaffen möchte? Schaut im Tierheim und nicht bei Züchtern. Es gibt so viele Tiere, die ein gutes Zuhause brauchen. Mit ein wenig Geduld und Arbeit kann man jeden Hund zu einem wohlerzogenen besten Freund machen – und ein schönes Leben schenken. Schafft man sich einen Hund an, dann ist es nicht einfach nur ein Tier, sondern ein Familienmitglied.

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