Kommentar: Warum ein Iron Maiden Konzert immer eine sichere Nummer ist

Iron Maiden Konzert
© Depositphotos / gregorylee
Henning Sonnenschein
14.06.2018

Ich mache einfach mal etwas Verrücktes und beginne meinen Text, der sich auf das Iron Maiden Konzert in Hannover am vergangenen Sonntag bezieht, indem ich über einen anderen Mega-Rock-Act, nämlich Guns N‘ Roses, rede.

Die hatten nämlich kürzlich in Berlin eine bestenfalls durchwachsene Performance abgeliefert. Viele Anwesende beklagten sich darüber offensiv, verließen frühzeitig das Konzert und forderten teilweise sogar per Petition ihr Geld zurück. Unser Artikel dazu, in dem das Geschehen in Berlin eigentlich nur eine Randnotiz war, rief aber einige Fans auf den Plan, die die Kritik für übertrieben hielten.

In einem Stadion sei es nunmal schwierig, einen tollen Sound hinzubekommen, hieß es da unter anderem. Das ist richtig. Ein einigermaßen guter Klang ist aber auch in riesigen Sportarenen drin, was andere Bands und auch Guns N‘ Roses selbst schon oft genug gezeigt haben. Jeder habe mal einen schlechten Tag, hieß es da auch. Egal, ob Rockstar oder nicht. Auch das ist richtig.

Ein Iron Maiden Konzert ist eine verlässliche Größe

An diese Dinge musste ich denken, als ich auf der hannoverschen Expo Plaza auf das Iron Maiden Konzert wartete. Eine Location, die für Toningenieure alles andere als dankbar ist, wie die Vorbands bewiesen. Aber sobald Bruce Dickinson und seine Gefährten die Bühne enterten, war der Sound so gut, wie er in so einer Umgebung sein kann. Und da es wohl mein achtes oder neuntes Maiden-Konzert in den unterschiedlichsten Locations war, kann ich sagen: Iron Maiden klingen fast immer gleich gut! Und liefern fast immer eine in allen Details perfekte Show.

Die entscheidende Frage ist: Ordne ich die Show meinem Befinden unter? Oder ziehe ich alle Register, um für eine wirklich anständige Bezahlung seitens derer, die vor der Bühne stehen, um mich abzufeiern, alles zu geben? Es ist eine Frage der Motivation – und der Professionalität.

Zu Guns N‘ Roses sollte man dringend dazu sagen, dass der erste Teil ihrer Comeback-Tournee durchweg abgefeiert wurde und auf das Berlin-Desaster in Gelsenkirchen offensichtlich wieder eine hervorragende Show (von kleinen Soundproblemen zu Beginn abgesehen) folgte. Gemüts- und damit einhergehende Performance-Schwankungen gehören bei den Gunners seit jeher dazu und haben ihren Teil zu dem Kult um die Band beigetragen. So gesehen bezahlt man mit den weit ins Dreistellige reichenden Ticketpreisen für GNR wissentlich die Lotterie mit, ob sie einen guten oder einen schlechten Tag haben – und wie sich das auswirkt. Aus dieser Perspektive mag man die gut geölte und reibungslos laufende Iron Maiden-Maschinerie sogar für langweilig halten.

Ich nicht. Ich mag den Gedanken, einige (in diesem Fall gute 80,-) Euro für eine Band zu bezahlen und zu wissen, auf welchem Niveau sie mich unterhalten wird. Welches Kostüm Bandmaskottchen Eddie heute anhat, was für schweres Gerät die Bühnenshow und wie viele Lieblings-Songs die Setlist dieses Mal für mich bereithält, sind mir genug Variablen an einem Abend wie letzten Sonntag in Hannover …

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