Kevin Spacey schwul +++ Belästigungsvorwürfe +++ „House of Cards“ vor dem Aus: Wie passt das zusammen?

Dennis Ebbecke
31.10.2017

Keine 24 Stunden nach dem Outing von Hauptdarsteller Kevin Spacey verkündete Netflix auf BILD-Anfrage das Aus von House of Cards. Nach der sechsten Staffel ist Schluss! Es versteht sich von selbst, dass diese Entscheidung nichts damit zu tun hat, dass Kevin Spacey schwul ist. Doch hatten die unbestätigten Belästigungsvorwürfe gegen den Schauspieler Einfluss auf das Ende der Erfolgsserie?

Zunächst einmal ist es immer zu begrüßen, wenn sich eine Person des öffentlichen Lebens als homosexuell outet – auch wenn das in der heutigen Zeit längst nichts Besonderes mehr sein sollte. Natürlich geht es niemanden etwas an, dass der 58-Jährige „immer wieder Männer geliebt und romantische Begegnungen mit ihnen gehabt“ hatte. Allerdings kann ein solcher freiwilliger Einblick in die Privatsphäre eines Superstars immer auch ein Schritt weiter in Richtung Normalität sein.

Fält das Kartenhaus des House of Cards-Stars in sich zusammen?

Doch der Begriff „freiwillig“ ist in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen und der Grund, warum sich die Öffentlichkeit mit Lobeshymnen auf Kevin Spacey aktuell zurückhält. Der US-Schauspieler legte immer größten Wert darauf, sein Privatleben auch privat zu halten – bis Ende Oktober 2017. An diesem Tag sah er sich gezwungen, die Öffentlichkeit über seine Sexualität aufzuklären. „Ich weiß, es gibt da draußen Geschichten über mich, die von der Tatsache befeuert wurden, dass ich mein Privatleben so sehr abschirme“, twitterte Spacey.

Mit den „Geschichten da draußen“ meinte er den Vorwurf des Star Trek-Darstellers Anthony Rapp. Dieser hatte in einem Buzzfeed-Interview angegeben, als Jugendlicher im Alter von 14 Jahren von dem damals 26-jährigen Spacey sexuell belästigt worden zu sein. Auch zu dieser Aussage gab der Beschuldigte ein Statement ab: „Ich erinnere mich wirklich nicht an die Begegnung, es wäre jetzt mehr als 30 Jahre her. Doch sollte ich mich verhalten haben, wie er es beschreibt, schulde ich ihm meine aufrichtigste Entschuldigung für das, was ein in höchstem Maß unpassendes Verhalten im betrunkenen Zustand gewesen wäre. Und es tut mir leid für die Gefühle, die er beschreibt und während all dieser Jahre ertrug.“

Die Tücken von #MeToo

Ein Dementi kliegt anders! Und es scheint zumindest fragwürdig, dass er sich zwar an den Alkoholkonsum, nicht jedoch an die Siutuation selbst erinnern kann. Allerdings muss man hier extrem vorsichtig sein. So wichtig die #MeToo-Bewegung auch ist, die belästigte oder vergewaltigte Menschen aus dem Opferstatus befreien soll: Sie darf nicht dazu führen, dass Kevin Spacey pauschal mit Harvey Weinstein, Bill Cosby und Co. in einem Atemzug genannt wird, solange keinerlei Beweise vorliegen.

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Es muss differenziert werden und es muss verhindert werden, dass vermeintliche Opfer auf den #MeToo-Zug aufspringen wollen, um sich ins Licht der Öffentlichkeit zu befördern – ohne dies Anthony Rapp vorwerfen zu wollen. Seine Vorwürfe müssen ebenso ernst genommen werden wie Spaceys erste Sicht der Dinge. Alleine diese Relativierungen zeigen, wie schmal und verworren der Grat doch ist …

Kevin Spacey schwul und beschuldigt! Ist Letzteres der Grund für das Serienende?

Einfacher gestaltet sich die Klärung der Frage nach dem von Netflix angekündigten Serienende von House of Cards: Diese habe angeblich weder etwas damit zu tun, dass Kevin Spacey schwul sei noch dass Belästigungsvorwürfe gegen den Protagonisten im Raum stünden. Der Streamingdienst verwies darauf, dass die Entscheidung bereits vor einigen Monaten gefallen sei. Im nächsten Jahr wird Spacey noch einmal in seiner Paraderolle als Francis Underwood zu sehen sein, die Dreharbeiten laufen bereits. Auch wenn es keinen Zusammenhang geben soll: Für die Fans von Kevin Spacey und der Erfolgsserie folgt urplötzlich ein Schockmoment auf den nächsten.

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