Lebens-ABC: Selbstoptimierung – der krasse Zwang

Selbstoptimierung
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Soeren Janssen
16.10.2019

Selbstoptimierung ist in aller Munde. Und hier und da ist sie schon zum krassen Zwang geworden. Denn die Leute wollen sich körperlich zu Höchstleistungen bringen. Ebenso äußerlich gewissen (Instagram-)Stars nacheifern. Und sogar oft innerlich zwanghaft verbessern. Woran das liegt und was es alles gibt in diesem Bereich, das lest ihr hier im Lebens-ABC.

Selbstoptimierung – die Hintergründe

Selbst die ARD hat diesem Thema bereits ein TV-Special gewidmet. In diesem wurden unterschiedliche Leute begleitet zum Thema Selbstoptimierung. Dass Selbstoptimierung bereits ein krasser Zwang ist, sehen nicht alle. Viele Menschen betreiben die eigene Selbstoptimierung mittlerweile viel zu übertrieben. Nahezu verbissen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Anerkennungsgründen. Gut, jeder kennt den Post von 2014, der die Sozialen Netzwerke beherrschte: „Wann genau ist aus Sex, Drugs & Rock’n’Roll eigentlich Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer geworden?“. Doch irgendwann ist doch auch einmal Schluss – oder? Klar, der Blick nach innen und persönliche Weiterentwicklung im allgemeinen bringen uns alle nach vorne. Doch es sollte in Maßen ablaufen. Das bekommt nicht jede und nicht jeder hin. Denn Medien, Instagram und Gesellschaft zwingen uns, körperlich fit zu sein. Ebenso mental fit. Und dann sollen wir auch noch gut aussehen. Dass man dadurch schnell in eine zwanghafte Selbstoptimierung gerät, liegt auf der Hand.

Gesundheitliche Selbstoptimierung

Übermäßige gesundheitliche Selbstoptimierung sehen wir, wenn die Leute zwanghaft Sport treiben. Und militant nach ihren Schrittzähler-Apps leben. Und auch nicht mehr ohne das Fitnessarmband aufstehen, das Auskunft über Bewegung, Puls und Schritte gibt. Sobald man nach unwahren Glaubenssätzen lebt wie „Man muss kämpfen, um gut zu sein“, kann der Zwang eintreten. Dann verpflichtet man sich komplett dem Erfolg. Und man lebt zunehmend als unentspanntes Vergleichstier. Wenn man sich mit sich selbst vergleicht, ist es noch okay. Vielleicht macht es sogar Spaß, die gestrige Bestzeit der eigenen Joggingrunde zu überbieten. Doch wenn erst einmal der Vergleich zu anderen Menschen einsetzt, wird es haarig. Da wird die gesundheitliche Selbstoptimierung zwanghaft praktiziert und das Individuum bleibt völlig auf der Strecke. Wir meinen: Gesundheitliche Selbstoptimierung ja – aber bitte nicht um jeden Preis. Wir sind doch keine Maschinen. Der Druck sollte nicht zu eurem Lebensinhalt werden.

Optische Selbstoptimierung als Schutzstrategie

Im besagten TV-Special kommt eine Dame zu Wort, die so aussehen will wie ihre Instagram-Vorbilder. Sie und ihr Mann sind Anfang dreißig und lassen sich seit mehreren Jahren Botox spritzen. Das stärkste Nervengift, das man kennt. Sie betont, dass sie da so reingerutscht ist. Nun geht sie zwei Mal im Jahr zum Arzt des Vertrauens. Dass hinter dieser optischen Selbstoptimierung eine Schutzstrategie liegt, weiß besagte Dame vermutlich nicht. Sie lebt unter hoher Wahrscheinlichkeit nach dem Motto „Ich muss fit und faltenfrei sein“ und riskiert somit ihre Gesundheit. Leider eine abstruse Situation. Dass sie unglaublich gut aussieht auch ohne Botox, hat ihr wahrscheinlich noch niemand gesagt. Hier poppt das Thema hohes Bedürfnis nach Anerkennung wieder auf. Optische Selbstoptimierung wird als (Selbst-)Schutzstrategie genutzt. Anstatt sich eher mit sich selbst zu beschäftigen – von innen. Leute, lasst doch euer Umfeld einfach mal reden. Ihr seid gut genug. Ihr seid wirklich gut genug. Auch mit ein paar Falten mehr oder weniger.

Optimierungszwang auch mental

Nicht nur die Gesundheit und das Aussehen können zu krass optimiert werden. Auch die mentale Gesundheit. Zellwasser inhalieren, und bei Rotlicht meditieren, um den eigenen Entspanntheitsgrad zu messen, sind krasse Vorgehensweisen. Sich professionell, einem Mikrodosing zu unterziehen von LSD bzw. LSD-ähnlichen Substanzen, soll die mentale Gesundheit wieder herstellen. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Dass solche Methoden nur punktuell wirken, liegt doch klar auf der Hand. Beschäftigt euch viel mehr auf natürlicher Weise mit euch selbst. Dann kommt ihr ebenso in die Balance und könnt einem Burnout vorbeugen. Geht in die Natur. Lauft barfuß. Und genießt echte, frische Luft mit einem normalen Maß an Bewegung. Und schlaft ausreichend. Dann könnt ihr euch dem unangenehmen Optimierungszwang entziehen und werdet auf natürliche Weise entspannt.

Über den Autor

Soeren Janssen ist Experte für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Mit dem Lebens-ABC stellt er interessante Punkte vor, die immer wieder zur Thematik werden in seinen Coachings. Der Wahlberliner arbeitet mit kreativen Methoden und ist über www.soerenjanssen.com zu erreichen.

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