Offener Brief: Hoch sollst du leben, Popcorn!

© Unsplash/Christian Wiediger
Kathi Bettels
19.01.2019

Es gibt Tage, die in meinem Kalender genauso rot markiert sind, wie der Geburtstag meiner Oma oder mein nächstes Handballspiel: Der Tag des Popcorns am 19. Januar! Du findest das übertrieben oder gar verrückt? Nicht, nachdem du diese Zeilen über meine Liebe zu Popcorn gelesen hast.

Klar, faktisch reden wir von einem getrockneten Maiskorn. Aber allein die Tatsache, dass sich ein Korn unter Zugabe von Hitze entfaltet, verdient meiner Meinung nach größte Anerkennung. Und die bekommt es von mir auch. Bei welchem Lebensmittel gibt es das schon? Ein vergleichbares Beispiel fällt mir nur in der Tierwelt ein, wenn die Raupe sich zum Schmetterling entwickelt. Apropos Schmetterling: Wusstest du, dass Popcorn auf Spanisch Palomitas – also Tauben – heißt? Aber gut, ich schweife ab und letztendlich ist das auch nicht der Grund, warum ich so auf das Zeug abfahre.

Mich gibt´s nur im Doppelpack: mich und mein Popcorn

Der wahre Grund ist schlicht und ergreifend, weil es so lecker ist. Der eine kann nicht ohne Schokolade, der nächste greift zum Eis, ich brauche nur Popcorn, um glücklich zu sein – und zwar ausschließlich das süße. Kein Karamell, kein Chilli, kein Thymian. Der neu moderne Wahnsinn kann bleiben wo der Cayennepfeffer wächst. Und auch bei der mittlerweile weitverbreiteten salzigen Variante schüttelt´s mich – Igitt! Ich brauche nur das ganz normale gezuckerte Popcorn ohne viel Chichi – und zwar am liebsten aus dem Kino.

 

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Manchmal gehe ich einfach nur ins Kino, um Popcorn zu essen. Film egal. Hauptsache, ich habe Popcorn. Klar, ich mach das Zeug oft genug selbst, auch gerne mal zum Frühstück. Aber findest du nicht auch, dass es auswärts einfach besser schmeckt? Mittlerweile muss ich allerdings schauen, dass ich überhaupt eine Begleitung finde. Eigentlich gehen nur noch die wahren Freunde mit mir ins Kino. Warum? Problem Nummer eins: Bei Popcorn bin ich ein echter Ego. Ich gebe nur ungern etwas ab von meinem Jumbo-Eimer ab. Problem Nummer zwei, und eigentlich auch das wahre Problem: Ich habe mich beim Essen nicht mehr unter Kontrolle. Sobald mir dieser süße Geruch in die Nase steigt, werde ich zum Popcorn-Monster. Permanent geht die Hand vom Eimer in den Mund und wieder zum Eimer. Non-Stop. Und zwar nicht einzeln sondern eher händeweise. Das kann für den Nebenmann recht anstrengend werden und ist eine echte Bewährungsprobe.

Credit: Kathi Bettels

Datingwaffe Popcorn: So werden falsche Männer gefiltert

So auch damals: Ich hatte eine neue Bekanntschaft. Zum zweiten Date gingen wir ins Kino, kauften Popcorn, setzten uns auf die Plätze – da ging es auch schon los. Immer wieder griff ich in den Eimer und war wie in meiner eigenen Welt. Neben mir ein schockierter Blick, der so viel sagte wie: Was stimmt mit dir nicht?! Das war dann auch das letzte Date. Was ich daraus lerne? Nächstes Mal gehe ich schon beim ersten Date ins Kino, das scheint ein gutes Instrument zu sein, um die falschen Männer auszusortieren. Denn: Mich gibt es nicht ohne mein Popcorn! Da gibt es eine Verbundenheit. Eine Vertrautheit. Und ja, ich würde es Liebe nennen. Hoch sollst du leben!

Und daher feiere ich meine Popcornliebe am 19. Januar wie den Geburtstag eines Familienmitgliedes oder Freundes. Vergangenes Jahr habe ich an dem Feiertag ausschließlich Popcorn gegessen – morgens, mittags abends. Dieses Jahr habe ich mir überlegt, ins Kino zu gehen – zwei Mal hintereinander. Allerdings fehlt mir bisher die Begleitung. Traust du dich?

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