Schlechtes Wetter, weniger Wespen: Trugschluss oder Realität?

Wespen
Fabian Langkamp
12.08.2016

Dieser Sommer ist ein gefühlter Herbst. Doch statt zu jammern, sollten wir uns lieber über die positiven Begleitumstände dieser Verschiebung freuen – wenn es denn überhaupt welche gibt. Stimmt es eigentlich, dass wir aufgrund des schlechten Wetters wenigstens von überproportional vielen Wespen verschont bleiben? Dazu hat 2GLORY Dr. Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Deutschland befragt.

Wer nach diesen einleitenden Worten in Jubelstürme ausbricht und sich auf eine Wespen-freie zweite Jahreshälfte freut, den müssen wir um etwas Zurückhaltung bitten. Denn so pauschal ist diese Frage nicht zu beantworten, wie uns Dr. Melanie von Orlow (Bundesfachausschuss Entomologie – BAG Hymenopteren) versichert. Vielmehr müssen regionale und individuelle Einflüsse berücksichtigt werden. „In Städten ist im Prinzip jedes Jahr ein gutes Wespenjahr, was daran liegt, dass die Lebensbedingungen für Wespen dort grundsätzlich besser sind – mehr Futter, mehr Versteckmöglichkeiten, ein paar Grad wärmer als im Umland und im Regelfall verhätnismäßig unbeschadet bei großen Witterungskatastrophen. Durch Überschwemmungen beispielsweise gehen viele Nester zu Grunde. In der Stadt wiederum gibt es genügend Möglichkeiten, oberirdisch zu nisten.“

Nestgründung zwischen März und Ende Juni

Soll heißen: In Gebieten, die zum Beispiel von Überschwemmungen heimgesucht wurden, dürfte eine Wespen-Entlastung festzustellen sein. In Ballungszentren und Metropolen sind dies allerdings anders aus, was auch dem Überangebot an Nahrungsmitteln geschuldet ist – womit der Mensch ins Spiel käme. Das Futterangebot hilft den Tieren natürlich dabei, sich prächtig zu entwickeln. Grundsätzlich entscheide laut von Orlow das Zeitfenster zwischen März bis Ende Juni darüber, wie erfolgreich die Wespenköniginnen bei der Nestgründung sind. Demnach spielt die aktuelle Wettersituation also keine große Rolle in Bezug auf die Populationsgröße.

So nützlich sind Wespen wirklich!

Natürlich kann das exzessive Auftreten zu Problemen führen, doch weder sollte man alle Arten unter einen Kamm scheren noch ihnen den Nutzen absprechen. Durch ihren Verzehr von anderen Insekten treten Wespen als natürliche Schädlingsbekämpfer in Erscheinung, dienen zudem selbst als Futterquelle: „Es gibt tatsächlich Tierarten, die sich auf Wespen als Futter spezialisiert haben. Aber auch die schwarz-gelben Insekten selbst haben sich spezialisiert, zum Beispiel ist die Mittlere Wespe als sehr gute Fliegenfängerin bekannt. Zudem gelten Wespen als Aasverzehrer.“

Denkfehler im Umgang mit den Insekten

Der Mensch sollte sich also immer seiner Verantwortung bewusst sein. Während die Hornisse dem besonderen Artenschutz unterliegt, kann man Wespennester ohne Genehmigung entfernen lassen. Leider muss man sagen, denn oft sind es seltene Wespenarten, die dem Schädlingsbekämpfer zum Opfer fallen. Zum Abschluss unseres Gesprächs macht Frau von Orlow mit einem anschaulichen Beispiel auf einen Denkfehler in unserem Umgang mit Wespen aufmerksam: „Wenn man die Hecke schneidet und plötzlich auf ein Wespennest stößt, rufen viele sofort den Kammerjäger. Dabei macht man sich oft nicht klar, dass man zuvor schon monatelang problemlos mit den Wespen zusammengelebt hat. Es ist in diesem Fall einfach nur doof gelaufen.“ Genauso wie für diejenigen, die aufgrund des aktuell schlechten Wetters pauschal auf weniger Wespen gehofft haben …

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