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Was der Style über den Musikgeschmack aussagt

© Pixabay.com © RyanMcGuire
Martin Gössler
01.07.2021

Zeig mir, was du trägst und ich verrate dir, welche Musik du hörst? Klingt zwar cool, ist aber in der Realität dann doch nicht ganz so simpel. Dennoch kann der Style eines Menschen auch zum Musikgeschmack passen, ist aber natürlich kein Garant für eine perfekte Analyse. Wir möchten dennoch ein paar Zusammenhänge zwischen Style und Musik vorstellen, die zumindest in vielen Fällen voll ins Schwarze treffen.

Musik ist für viele Menschen ein unverzichtbarer Begleiter. Wir drücken in alltäglichen, aber auch speziellen und besonderen Situationen unsere Gefühle und Gedanken aus. Wir hören Musik zu Hause, in der Bahn, im Auto, unterwegs, beim Sport, beim ersten Date, mit Freunden und auch sonst fast überall, wo wir uns aufhalten könnten. Nicht ohne Grund kann die Musik sehr viel über deine Persönlichkeit und damit auch über deinen eventuellen Stil aussagen. Doch wie sieht es umgekehrt aus? Lässt sich anhand des eigenen Styles auch der Musikgeschmack vorhersagen? Nicht jeder Mensch ist ein wandelndes Klischee, weshalb die Realität natürlich deutlich komplexer ist. Dennoch lassen sich zwischen dem Style, der Persönlichkeit und dem Musikgeschmack gewisse Parallelen finden.

Stereotypische Stile und der Musikgeschmack

An welchen Musikgeschmack denkst du, wenn du eine schwarz gekleidete Person mit langen Haaren vor dir hast, die noch dazu eine Kutte oder ein typisches Fanshirt trägt? Bestimmt hast du Metalheads und entsprechende Metal-Musik vor Augen. Wie sieht es aus, wenn die Person eine Lederjacke trägt, dazu eine karierte Hose und die Haare auffällig bunt gefärbt sind? Stellst du dir passend dazu auch Punk als Musikgeschmack vor? Wie ist es bei einem lässigen Kerl mit Goldketten, sehr großen Hosen und lässigen Schuhen? Denkst du dabei an die Rapper, die auch in vielen Musikvideos diesen Stil zur Schau stellen? Gerade im Rap und Hip Hop Genre spielt hochpreisiger Schmuck eine bedeutende Rolle. Seien es goldene Ketten, Ohrringe oder der passende Begleiter fürs Handgelenk. Hier gilt oftmals: Umso teurer und auffälliger, umso besser.
Genau das meinen wir, wenn wir von Klischee und Stereotypen sprechen. Gewisse Modeerscheinungen und Musikstile sind eng miteinander verknüpft. Obwohl wir gerne behaupten möchten, dass diese Klischees nicht der Realität entsprechen, so tritt die Realität dennoch sehr oft ein. Dennoch ist der Style deutlich vielschichtiger.

Auf einem Konzert der Toten Hosen triffst du beispielsweise mit Sicherheit zahlreiche Fans, die ihr spezielles Punk-Outfit aus dem Schrank geholt haben. Vielleicht haben sie sich sogar bewusst die Haare gefärbt oder spezielle Band-Shirts erworben. Ein Blick auf die Konzertbesucher verrät – na klar, Tote Hosen, alle sind gleich gekleidet. Das Bild des Stereotypen wurde bestätigt. Doch so einfach ist es nicht, denn bei einem Konzert ist der Dress deutlich anders als für viele Konzertbesucher im Alltag. Hier kann es der Bankangestellte im Anzug genauso sein wie die Lehrerin der Grundschule, die gerne Tote Hosen hört und mit Band-Shirt beim Konzert war.

Die Persönlichkeit und der Musikgeschmack

Kommen wir zu einem Punkt, der schon deutlich mehr Rückschlüsse zulässt: Die eigene Persönlichkeit. Der Charakter eines Menschen ist in der Tat recht eng mit dem Musikgeschmack verwoben. Natürlich drücken wir auch anhand unserer Kleidung Gefühle aus, allerdings ist gerade Mode oft ein sehr zweischneidiges Schwert. Wir werden beobachtet und bewertet, sodass die Mode nicht immer auch genau unseren Gefühlen entspricht. Sitzen wir dagegen alleine in unseren vier Wänden oder hören unbeobachtet Musik in der Bahn, so ist es allein unsere Entscheidung, welche Musik wir uns zu Gemüte führen wollen. Unser Gefühl und unsere Emotionen entscheiden.

Der Spruch „Sage mir, was du hörst und ich sage dir, wie du dich fühlst“ könnte also schon etwas besser hinkommen als in Bezug auf die Kleiderwahl. Zu diesem Phänomen haben Psychologen und Soziologen der Cambridge Universität einen Test erstellt. Auf einer Webseite füllten Personen anonym Fragen aus. Die Probanden mussten sich Songs aus 26 Musikrichtungen anhören und danach Fragen zu den eigenen Persönlichkeitsmerkmalen beantworten. Durch diese fünf großen Faktoren, kombiniert mit den bevorzugten Songs, konnten die Forscher Rückschluss darauf erstellen, welche Persönlichkeitsmerkmale und welcher Musikgeschmack zumindest in diesem Test häufig beisammen lagen. Die Umfrage ist übrigens noch immer erreichbar, steht allerdings nur in englischer Sprache zur Verfügung.

Blues, Jazz, Klassik, Heavy Metal:

Personen, die diese Musikrichtungen bevorzugen, sind dem Test zufolge offen für neue Erfahrungen. In einem anderen Test wiederum (der von Sam Gosling und anderen Wissenschaftlern durchgeführt wurde) kam man zu dem gleichen Schluss. Zusätzlich stellten die Forscher fest, dass Menschen, die Klassik, Jazz und Blues (besinnliche und komplexe Musik) bevorzugen, auch intelligent und politisch liberal sind. Sie gelten dagegen nicht als athletisch. Hörte eine Person dagegen eher Heavy Metal, so hielt sie sich gleichzeitig auch für athletischer.

Pop, Soundtrack, Religion, Soul, Funk, Elektronik, Dance:

Menschen mit dieser bevorzugten Musikrichtung punkteten bei dem Test vor allem in der Verträglichkeit sowie bei der Extraversion. In Sachen Offenheit und Intelligenz schnitten Fans von peppiger Musik zwar schlechter ab, dafür galten sie als extrovertiert, wohlhabend, sportlich, politisch konservativ und sahen sich zudem als attraktiv und gewissenhaft an. Im Vergleich zur poppigen Musik galten Personen, die energetische und rhythmische Musik bevorzugen, als intelligenter und weniger wohlhabend.

Übrigens: Die Forscher der Universitäten Leipzig, Münster und Mainz sind in einer Studie zu dem Schluss gekommen, dass der Charakter eines Menschen erst ab dem 30. Lebensjahr als ausgereift gilt. Wie der Charakter, so können sich demnach auch Mode und Musikstil noch häufig anpassen, da es zusätzlich zum Leben und den Ereignissen geprägt wird.

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