Kommentar: Solidarität fängt im Kleinen an

Solidarität
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Henning Sonnenschein
20.12.2018

Vor 13 Jahren hat die UN den 20. Dezember zum Internationalen Tag der menschlichen Solidarität erklärt – um daran zu erinnern, wie wichtig es ist, bei weltweiten Problemen gemeinsam zu agieren. Um diese Wichtigkeit ins kollektive Bewusstsein zu bekommen, braucht es aber erstmal kleinere Schritte.

Gedenktage wie dieser haben eigentlich immer den etwas betrüblichen Grund, dass auf etwas aufmerksam gemacht werden soll, was viele sonst nicht auf dem Schirm haben. Obwohl es eigentlich so naheliegend ist: Jeder Mensch, ob nah oder fern, verdient unsere Unterstützung, wenn er in Nöten steckt, denen man selbst nicht ausgeliefert sein möchte. Das kann und muss keineswegs immer in Form von aktiver und produktiver Hilfe stattfinden. Das sich bewusst Machen von Krisensituationen wirft nicht nur ein anderes Licht auf die eigenen Lebensumstände, sondern macht auch offener und sensibler für die Schicksale und vor allem den Umgang mit anderen.

Und genau das ist der springende Punkt: Den Sinn für Solidarität mit anderen Menschen schärft man nicht erst, in dem man für Hungernde in Afrika spendet oder für Kriegsopfer in Syrien eine Kerze anzündet (wobei das durchaus sinnvoll ist; das erste mehr, das zweite weniger). Solidarität fängt damit an, dass man jeden einzelnen Tag – und nicht nur an diktierten Gedenktagen – nicht nur sein eigenes Vorankommen, sondern auch das Befinden der Mitmenschen im Blick hat. Es sind letztlich banale Kleinigkeiten, an denen es im Alltag dennoch erschreckend oft mangelt.

Solidarität im Alltag schärft die Sinne

Der Frau oder dem Mann mit dem Kinderwagen die Tür aufhalten, auch wenn man es eilig hat. Dem Gegenüber in der Bahn, dem man im Gesicht ablesen kann, dass ihn innerlich etwas zerfrisst, einfach mal ein Lächeln schenken. Den völlig gestressten Kollegen im Büro etwas abnehmen, auch wenn es einen eine halbe Überstunde kostet – oder sie einfach wissen und spüren lassen, dass es jemanden gibt, der ihre Mühe er- und anerkennt. Dem Obdachlosen einfach mal ein oder zwei Euro in den Becher werfen. Und selbst wenn er sich davon Bier statt Brot kauft: Mit einer vorbehaltlosen Nettigkeit wird ihm mehr Solidarität zuteil als mit einer noch so gut gemeinten Belehrung.

Wenn man diese kleinen Akte der Solidarität in seinem Alltag integriert hat, klappt es mit dem Bewusstsein und der aktiven Hilfe für die großen Probleme auf der Welt von ganz alleine. 

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