Tschernobyl Jahrestag Nr. 32 – droht immer noch der nächste GAU?

Tschernobyl Jahrestag
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Henning Sonnenschein
26.04.2018

Jeder neue Tschernobyl Jahrestag ist ein guter Grund, sich die Gefahren der Atomkraft bewusst zu machen – und laut zu fragen, warum es auch 32 Jahre und einen weiteren Super-GAU (2011 im japanischen Fukushima) später immer noch Atomkraftwerke gibt, deren Sicherheit alles andere als gewährleistet zu sein scheint!

Und das nicht irgendwo fernab der westlichen Welt: Erst vor wenigen Tagen machten Atomkraftgegner Schlagzeilen, weil sie aufgrund gravierender Sicherheitsmängel Anzeige gegen einen belgischen AKW-Betreiber erstatteten.

Zwar sind medienwirksame Kampagnen von Aktivisten auch immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Aber die Kritik an der Sicherheit der belgischen Kernkraftwerke Tihange und Doel ist weder neu, noch kommt sie nur von eifrigen Umwelktschützern: Ihre Reaktordruckbehälter weisen tausende feiner Risse auf! Und auch, wenn die belgische Atomaufsicht versichert, dass diese keinen Einfluss auf die Sicherheit haben: Dass es in den beiden AKWs in der Vergangenheit immer wieder zu Störfällen und Notabschaltungen gekommen ist, stärkt nicht gerade das Vertrauen in das Problem- und Verantwortungsbewusstsein der Betreiber.

Wer für Europa ist muss gegen Tihange sein!Wer den gesamten Kontinent mit den eigenen französischen AKWs aber insbesondere mit Doel & Tihange bewußt der atomaren Katastrophe aussetzt handelt anti-europäisch!

Gepostet von Stop Tihange am Mittwoch, 25. April 2018

Da Belgien klein und ein Nachbarland von Deutschland ist, wäre ein gravierender Zwischenfall übrigens eine Katastrophe, die auch Deutschland unmittelbar betreffen würde.  Tihange liegt nur rund 70 Kilometer von Aachen entfernt.

32. Tschernobyl Jahrestag – mehr als nur Geschichte

Zwischen dem Unglücksreaktor in Tschernobyl und Berlin liegen gute 1.200 Kilometer – und trotzdem war Deutschland 1986 von dem Unglück in der Ukraine betroffen und die Bevölkerung in Aufruhr. Durch die Explosion und den Brand des Reaktors gerieten Unmengen radioaktiven Materials in die Athmosphäre und breiteten sich über ganz Europa aus. Dass es kurz nach dem Unglück über Deutschland regnete, machte die Sache nicht besser. Insbesondere Waldböden wurden stark belastet, was damals zu einer ernstzunehmenden Gefahr etwa beim Verzehr von Beeren, Pilzen oder Wildfleisch führte. Und da das freigesetzte Cäsium eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat, sind im deutschen Boden auch heute noch die Auswirkungen des GAUs messbar. Der Tschernobyl Jahrestag ist also nicht nur für die Geschichtsbücher interessant!

Der Vorfall vor 32 Jahren war eine in ihrer Heftigkeit einzigartige nukleare Katastrophe (wenn man die Atombombenabwürfe der USA auf Japan im Zweiten Weltkrieg nicht dazu zählt). Aber sowohl davor als auch danach gab es genug Winke mit dem Zaunpfahl, dass diese beeindruckende Technik nicht nur im Positiven enormes Potenzial hat: Schon 1957 kam es in dem in Nordwestengland an der Irischen See gelegenen Nuklearkomplex Sellafield zu einer verheerenden Brand, der dutzende Menschen das Leben kostete und die Gegend radioaktiv schwer belastete. 1979 kam es im US-Kernkraftwerk Three Mile Island in Pennsylvania zu einer teilweisen Kernschmelze, bei der radioaktives Gas freigesetzt wurde. Und auch die Jüngeren erinnern sich noch an den verheerenden Tsunami 2011 in Japan, der auch das Atomkraftwerk in Fukushima betraf und dort zu Explosionen und Bränden der Reaktoren führte – die schlimmste derartigen Katastrophe seit Tschernobyl.

Die Geschehnisse in Fukushima lösten bei der Bundesregierung ein Umdenken aus und führten zu der Entscheidung, langfristig aus der Atomenergie auszusteigen. So lange in unseren Nachbarländern aber an der Atomkraft festgehalten wird die AKWs teilweise in einem alles anderen als beruhigenden Zustand sind, bleibt die Angst vor einem erneuten GAU wohl noch für unsere und auch die kommenden Generationen ein aktuelles Thema …

 

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