Typisch deutsch: 9 Dinge, die nicht nur Ausländer an Deutschland komisch finden

Typisch deutsch
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Thorsten Kolsch
20.04.2018

Was ist eigentlich typisch deutsch? Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht über eine sogenannte Leitkultur debattiert wird. Wie definieren wir uns selbst? Gehört der Islam zu Deutschland? Und was ist mit dem Hip-Hop? Wie viel Antisemitismus vertragen wir? Heute wollen wir uns einmal mit den vielen anderen Spleens und Eigenheiten der Deutschen beschäftigen. Kurz: Deutschland, wir müssen reden.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Wir betreten zum ersten Mal ein fremdes Land. Wir begegnen Menschen, Meinungen und Marotten. Was mit der Wahrnehmung beginnt, geht nicht selten in eine Wertung über. Wir bilden uns ein Urteil, nur leider schlägt ein solches Urteil nicht selten in eine Vorverurteilung um.

Die angeführten Beispiele sollen Deutschland den Spiegel vorhalten. Was für uns oft selbstverständlich erscheint, ist für viele Menschen eine seltsame Eigenschaft. Wir sind eben nicht das Maß aller Dinge und die Zeiten der Vormachtstellung definitiv vorbei. Welche Eigenschaft ist aus deiner Sicht typisch deutsch, welche zwingend notwendig und welche zum abgewöhnen?

Typisch deutsch: Hier sind 9 Dinge, die nicht nur Ausländer an Deutschland komisch finden:

1

Beige Funktionskleidung

Das Wetter in Deutschland ist wechselhaft. Und schlechtes Wetter gibt es ja ohnehin nicht, sondern nur die falsche Kleidung. Die Konsequenz? Ein großer, vorwiegend der ältere Teil der Deutschen bekleidet sich stets mit funktionellem Outdoor-Fummel. Zum Einkauf in den Supermarkt? Stadtbummel? Ins Kino? Die Alpen überqueren? Anhand der Kleidung kann man nicht abschätzen, was dein Gegenüber plant. Generell diese Vorliebe für beige – passt ja so schön zu allem.

2

Überpünktlichkeit und Schlange stehen

Die deutsche Pünktlichkeit wird ja weltweit gelobt. Jedoch kann sie auch etwas nervig sein, wenn sie in Überpünktlichkeit umschlägt. Und auch erwartet wird, dass es überall ebenso gehandhabt wird. Check-in am Flughafen ist um 15:00 – also wird um 14:45 begonnen eine Schlange vor dem Gate zu bilden. Auch wenn noch kein Flughafenpersonal oder Flugzeug in Sicht ist. Um 15:01 beginnen dann die ersten Proteste und zwei Minuten später wird an die Scheiben der Tür geklopft. Bitte, entspannt euch etwas.

3

Grundpessimismus

Allein schon sprachlich lässt sich eine leicht negative Einstellung beobachten. Fragt man in anderen Ländern “Wie gehts?” hört man da “Muy Bien”, “Good, thanks!”, “Tutto bene”. Und in Deutschland? “Ja, muss ja” oder im besten Falle noch ein “Passt schon”. Würde man wie in Spanien oder Italien mit einem “Sehr gut” oder “Bestens” antworten, erntet man seltsame Blicke, als ob dein Gegenüber gerade denkt: „Dir geht’s wohl zu gut…“

Da kann man es aushalten” ist noch so ein Satz, den man gerne unter schönen Urlaubsbildern sieht. An besonders schönen Orten ist es eben auch nicht fantastisch, sensationell oder wunderbar. Nein, man kann es dort gerade so aushalten.

4

Kirmes - viel Rummel um nichts?

Auf einer traditionellen Kirmes gibt es so einige befremdliche Dinge zu entdecken. Am Softeisstand gibt es “Eisneger” und direkt nebenan verbreitet ein Fahrgeschäft Schrecken mit einem großflächigen Graffiti, auf dem dunkelhäutige Kannibalen weiße Touristen in einen Kessel stecken. So beobachtet im schönen Castrop-Rauxel. Kein Wunder, dass die zur Reinigung eingeteilten Flüchtlinge mit ratlosen Gesichtern vor diesem Fahrgeschäft standen. Und sich wahrscheinlich fragten, was die Einwohner wohl von ihnen und ihrer Kultur halten.

5

EC-Karten und Bargeld

Als Besucher in Deutschland ist es gar nicht so einfach Geld auszugeben. Denn während man in anderen Ländern wie gewohnt alles mit der Kreditkarte zahlen kann, wird in Deutschland in vielen Geschäften weiterhin nur die EC-Karte oder Bargeld akzeptiert. Blöd nur, dass es in anderen Ländern gar keine EC-Karten gibt. Diese Aufteilung in zwei Kartenarten versteht auch wirklich niemand.

6

FKK, oder: Deutsche lassen gern die Hosen runter

So traditionell und teilweise spießig die Deutschen in vielen Bereichen sind: in der Sauna und am Strand sieht das anders aus. FKK-Bereiche gibt es an fast jedem Strand und in fast jeder Therme. Und die Idee, bekleidet in eine Sauna zu gehen ist in Deutschland undenkbar, während dies in anderen Ländern wie England und Spanien vollkommen normal ist.

7

Mülltrennung und Dosenpfand

Um in Deutschland etwas wegzuwerfen, braucht man schon ein halbes Studium. Und wirft man versehentlich etwas in den falschen Container, erntet man böse Blicke und Ermahnungen. Dabei ist es für einen Besucher Deutschlands kaum ersichtlich, was in welche Box gehört. Auf den “Wertstoffhöfen” wird Plastik in zig verschiedene Arten aufgeteilt und Dosenpfand? Eine Erfindung der Deutschen und so weit ich das beurteilen kann, gibt es das auch nur hier. Mülltrennung ist natürlich löblich und wichtig für den Umweltschutz. Aber wäre sie weniger kompliziert, wäre es auch einfacher sich daran zu halten.

8

Lange Wörter

Wörter wie Datenschutzgrundverordnung oder Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung bringen nicht nur Deutsche regelmäßig zur Verzweiflung. Ausländische Designer etwa fragen sich, wie man denn bitte solche Wortmonster vernünftig darstellen soll. Nicht selten höre ich die Frage: „Gibt es da kein anderes Wort für?“ Ich so: „Nein!“. Die so: „Okay, das war kurz.“ Jetzt frage ich mich, ob Deutsche eigentlich Weltmeister im Scrabble sind?

9

Sicherheit und Überversichern

Überversichern ist wahrscheinlich ein sehr typisch deutsches Wort. Egal ob Reisegepäckversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Krankenhaustagegeld. Die Deutschen lieben Sicherheit und in der Konsequenz müssen sie sich auch gegen jede Eventualität versichern. Und wenn es für etwas noch keine Versicherung gibt, dann müsste der Schadensfall wahrscheinlich noch erfunden werden.

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