Blick in die Zukunft: So leben wir im Jahr 2045

Blick in die Zukunft
Sonja Lichtmann
20.12.2018

Jules Verne hat der Nachwelt packende Abenteuerromane hinterlassen, in denen es um Helden – aber auch Visionen der Zukunft geht. Einige der Maschinen, von denen zum Zeitpunkt der Verfassung nur zu träumen wahr, gibt es heute tatsächlich. Ein Beispiel sind U-Boote, für die Jules Verne mit der Nautilus die Blaupause abgeliefert hat. Viele moderne Entwicklungen – gerade jene, welche mit der Digitalisierung in Zusammenhang stehen – waren selbst vor 20 Jahren noch undenkbar. Umso interessanter ist es, einen Ausblick zu wagen. Wie werden Alltag und Wohnen im Jahr 2045 aussehen? Ein Zeitpunkt, der kurz vor der Hälfte eines Jahrhunderts steht. Es stellt sich bei diesem Zukunftsausblick nicht nur die Frage nach immer neuen Ideen und Visionen.

Heute ist die Menschheit an einem Punkt angekommen, der durchaus als Scheideweg bezeichnet werden kann. Über Jahrhunderte hatte es den Anschein, dass Ressourcen unerschöpflich vorhanden sind. Heute drängt es sich Menschen immer klarer ins Bewusstsein, dass das Gegenteil der Fall ist. Um über das Jahr 2045 hinaus eine Zukunft haben zu können, wird sich der Mensch verändern müssen. Und ob er diesen Wandel geschafft hat, zeigt sich am Ende schon Jahr 2045.

Smart Home Technologien sind Standard

Laut einer Umfrage, welche durch den Branchenverband BITKOM zitiert wird, nutzt bereits heute etwa ein Viertel der Bevölkerung Technologien aus dem Bereich Smart Home. Viele Haushalte assoziieren damit immer noch in erster Linie ein TV-Gerät, das vernetzt ist und sich mit dem Handy steuern lässt. Smart Home bedeutet mehr. Es geht hier (zumindest heute) um:

  • Beleuchtungskonzepte und Lichtsteuerung
  • Sicherheit
  • Sprachsteuerung
  • Assistenzsysteme.

Gerade die letztgenannte Gruppe erlebt einen sehr starken Zulauf. Nutzer sehen in diesen Sprachsteuerungen heute vor allem eine komfortable Möglichkeit, einzelne Bereiche der Haustechnik zu steuern.

Damit beschränkt sich das Thema Assistenzsystem in erster Linie auf eine Erhöhung des Wohnkomforts. Allerdings lässt sich die Idee noch sehr viel weiterspinnen. Virtuelle Assistenten können schon in wenigen Jahren in der Lage sein, Termine selbständig zu koordinieren. Beispiel: Statt persönlich einen Termin auszumachen, wird dem Sprachassistenten einfach die Anweisung gegeben, einen Gesprächstermin mit dem Bankberater auszuhandeln.

Das Smart Home Assistenzsystem fragt beim virtuellen Assistenten des Beraters an – und gleich automatisiert Termine ab. Worin kann eine weitere Idee liegen?

Blick in die Zukunft
Die technische Kontrolle über das Eigenheim wird 2045 ein Kinderspiel. Foto: Fotolia.com / wladimir1804

Energie gezielt einsparen (lassen)

Energieverbrauch und Energieeffizienz sind heute zwei sehr wichtigen Themenkomplexe, wenn es um Fragen des Klima-/Naturschutzes geht. Was hat das Ganze mit Smart Home zu tun? Über die Kopplung von:

1. Temperatursensoren

2. Heizungsteuerung

3. Thermostat

können schon heute Wohnräume aufs Grad genau beheizt werden. Der Vorteil: Solange niemand in der Wohnung anwesend ist, wird aufs Heizen verzichtet. Auf diese Weise sparen schon heute Haushalte Geld. Dank Fernsteuerung mit dem Smartphone sind selbst Überstunden o. Ä. kein Problem.

Was hat Energieeffizienz mit dem Leben im Jahr 2045 zu tun? Mithilfe der modernen Assistenzsysteme wird der Verbrauch in Echtzeit ausgewertet. Dem virtuellen Assistenten wird nur noch vorgegeben, wie viel Energie eingespart werden sollen – alles Weitere regelt das IoT (Internet of Things, Internet der Dinge) selbständig.

Maximaler Wohnkomfort

Im Jahr 2045 wird alles auf Komfort und Optimierung ausgerichtet sein. Gerade ganz alltägliche Abläufe, die heute vollkommen normal sind, werden dann vielleicht schon komplett von Maschinen gesteuert. Ein Kühlschrank, welcher das Verfallsdatum der Lebensmittel misst und einkauft – erste Ansätze zu einer solchen Entwicklung sind bereits zu erkennen.

Und auch hier lässt sich der Faden im Kopf weiterentwickeln. Wer Gewicht verlieren – sprich abnehmen – will, lässt sich von Assistenzsystemen einfach einen Trainings- und Ernährungsplan erstellen. Die Technik ist inzwischen soweit, dass wichtige Vitalfunktionen wie:

  • Blutdruck
  • Puls
  • Fettanteil

bestimmt werden. Auf diese Weise werden Ärzte entlastet – und die Zeit zur Alarmierung eines Rettungsdienstes schrumpft (da virtuelle Assistenzsysteme Zeichen eines Infarkts erkennen).

Städte werden zu Megametropolen

Wenn wir uns wachsende Städte anschauen, ist München ein Paradebeispiel. München hat aktuell circa 1,55 Millionen Einwohner. Trotz sehr hoher Kosten für Wohnraum ist die bayerische Landeshauptstadt damit in den letzten Jahren sehr deutlich gewachsen. Ein Trend, der sich in vielen Großstädten beobachten lässt. Demografen rechnen damit, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

Großstädte entwickeln einen zunehmenden Staubsaugereffekt. Für den Raum München gehen Schätzungen beispielsweise davon aus, dass bis 2035 die Zahl der Einwohner auf mehr als 1,85 Millionen steigt. Bis 2045 könnte die Stadt also auf die Marke von zwei Millionen Menschen zusteuern. Und dürfte dann viele deutsche Städte in den Schatten stellen. Mit diesem Wachstum ergeben sich allerdings auch sehr viele Probleme – für den einzelnen Münchener und die Stadt als Kommune.

Wohnraum wird noch knapper

Was hebt München im gesamtdeutschen Vergleich heraus? Ein Punkt taucht immer auf die Liste auf: hohe Wohnraumkosten. Hier geht es um Mieten und die Kaufpreise für Immobilien. München gehört nach wie vor zu den besonders teuren Städten in Deutschland und Europa. Setzt sich der Zustrom in Richtung München fort, dürfte dieses Problem sich versschärfen. Damit wird die Stadt auf Konzepte setzen müssen, die neue Wege gehen – wie:

1. Sozialer Wohnungsbau

2. Tiny Home

3. Planung in die Vertikale.

Speziell in den letzten Jahren hat sich in verschiedenen Kommunen eine Mentalität breitgemacht, die eher an den Stadtkämmerer denkt als die Tatsache, dass der Wettbewerb um Wohnraum in erster Linie auf Verdrängung basiert.

Im Jahr 2045 hat hier vielleicht schon ein Umdenken stattgefunden und Städte nutzen endlich neueste Erkenntnisse, um den Herausforderungen der Zukunft Herr zu werden. So könnten Flächen genutzt werden, um Mehrgenerationen-Anlagen zu errichten. Neben dem Vorteil, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wird so auch dem Problem der Pflege im Alter Rechnung getragen.

Ein zweiter Ansatz besteht darin, beim Wohnraum pro Kopf umzudenken. Die Frage wird sich stellen müssen, wie viel Fläche braucht ein Mensch. Das Konzept des Tiny Homes beschäftigt sich mit genau diesem Problem. Durch eine gezielte Optimierung des verfügbaren Platzes wird erreicht, dass die Fläche pro Kopf sinkt. Damit lässt sich Wohnraum, den heute eine drei- oder vierköpfige Familie belegt, ganz anders nutzen.

Urban Gardening

Parallel zu den Entwicklungen am Wohnungsmarkt stellt sich ein weiteres Problem. Je mehr Wohnraum geschaffen werden muss, umso mehr geht an Grünfläche verloren. Letztere ist für die Stadtentwicklung aber von großer Bedeutung. Bis 2045 werden sich auch hier neue Konzepte entwickelt haben – wie Hängende Gärten (in Form begrünter Fassaden). Aber auch Dachterrassen, welche bepflanzt werden, sind 2045 sicher ein sehr vertrautes Bild in Großstädten.

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Urban Gardening könnte einer der Megatrends der Zukunft werden – schon jetzt existieren viele kreative Ideen dazu. Foto: Fotolia.com / AYAimages

Weitere mögliche Entwicklungen

37 Jahre können wie eine Ewigkeit wirken oder ein Wimpernschlag sein. Gerade angesichts des technischen Fortschritts ist 2045 wahrscheinlich:

  • Autonomes Fahren
  • Hoverboards
  • Mobilität ohne Verbrennungsmotor

keine Zukunftsmusik mehr. Und auch die virtuelle Realität wird Formen angenommen haben, an die bisher nur Visionäre zu denken gewagt haben. Die Entwicklung könnte Bereiche wie die Robotik und Digitalisierung in einem bisher nicht für möglich gehaltenem Ausmaß miteinander verschmelzen. In vielen Bereichen könnte es 2045 vielleicht schon selbstverständlich sein, dass autonome Robotiksysteme Aufgaben übernehmen. In einigen Bereichen – wie dem Krankenhaus- und Pflegesektor – werden entsprechende Entwicklungen schon getestet.

Blick in die Zukunft – Fazit: 2045 ist Deutschland vielleicht nicht mehr wiederzuerkennen

Wie leben wir in 30 Jahren oder 40 Jahren? Eine Frage, die selbst Visionäre nicht zufriedenstellend beantworten werden. In den letzten Jahren hat die Digitalisierung ein Tempo erreicht, das atemberaubend scheint. Gleichzeitig wird seit Jahren deutlich, dass die Entwicklung gesellschaftliches Konfliktpotenzial in sich birgt. Spannungen können sich gerade beim Wohnraum oder den Gegensätzen zwischen Arm und Reich verschärfen. Hierauf wird die Gesellschaft Antworten suchen und finden müssen. Es reicht nicht, immer neue technische Spielzeuge in die Hand zunehmen. Vielmehr ist es nötig, sich mit den Konsequenzen der Entwicklung auseinanderzusetzen. Und hierin wird eine Herausforderung für 2045 liegen.