Faszination Wasser: Des einen Freud, des anderen Leid

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Sascha Falkner
22.03.2019

„Kann mir mal bitte jemand das Wasser reichen?“ Für viele von uns ist es eine Selbstverständlichkeit des täglichen Lebens, für andere ist es Mangelware und purer Luxus. Klar ist aber, dass man Wasser nicht nur als Gebrauchsgegenstand, sondern als eines der wohl größten Phänomene überhaupt betrachten kann. Warum? Weil es die Macht hat, über Leben und Tod zu entscheiden – in vielerlei Hinsicht. Zwischen Mensch und Wasser herrscht eine skurrile Hassliebe: Wasser ist des einen Menschen Freud und des anderen Menschen Leid. Und auch wir sind oftmals alles andere als nett zu dem Element. Aber, ist uns das eigentlich bewusst?

Unsere Erde besteht zu rund 71% aus Wasser – da geht man davon aus, dass genug für alle da ist. Immer und überall, wann immer man will. Mit dem heutigen Weltwassertag will die UNESCO uns bewusst machen, dass dies nicht so ist: Wasser ist grundlegend für das menschliche Leben, doch seine Qualität ändert sich ständig und seine Verfügbarkeit ist aufgrund der andauernd wachsenden Bevölkerungsdichte sowie des Klimawandels gefährdet.

Von Überfluss bis Mangelware

Wasser ist ein großer und wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Das fängt morgens an und zieht sich quasi bis zum Schlafengehen: Kaffee oder Tee kochen, Zähne putzen, öfter die Hände waschen, kochen, duschen oder baden, zur Toilette gehen, Geschirr spülen, putzen, Wäsche waschen – all dies ist ohne Wasser (so gut wie) nicht möglich. Darüber hinaus wird uns allen ja auch korrekterweise vorgeschrieben, mindestens zwei bis drei Liter Wasser pro Tag zu trinken. Man muss kein Mathe-Genie sein, um zu erahnen, wie viele Kubikliter Wasser täglich auf der Welt durch uns verbraucht werden. Von Freizeitluxus wie Schwimm- und Spaßbäder oder Privatpools und Jacuzzis mal ganz zu schweigen. Irgendwie regiert das nasse Element uns und unser Leben mehr als wir denken.

In Ländern auf dem afrikanischen oder südasiatischen Kontinent sieht das Ganze hingegen schon wieder völlig anders aus. Aufgrund von großen Dürren ist Wasser dort Mangelware. Trinkwasser aus Seen, Flüssen und Brunnen (sofern es die überhaupt gibt) ist verschmutzt und ungenießbar. Die Folge sind Cholera-Bakterien. Ohne chemische Filter und abkochen würde das Lebenselixier Wasser hier zum Todestrunk werden. Vedursten ist immer noch eine der häufigsten Todesursachen. An regelmäßiges Waschen, Duschen oder Baden ist hier schon mal gar nicht zu denken.

Mensch und Wasser: Nicht immer eine saubere Sache

Schaut man sich dann beispielsweise den Ganges, Indiens heiligen Fluss, an, kann man wiederum schon regelrecht von Flussschändung sprechen: Ab- und Restwasser aus Haushalten, die Asche verbrannter Leichen, Chemikalien, Schutt und Plastikmüll – das sind nur einige Dinge, die täglich von rund 600 Millionen Menschen in dem 2700 Kilometer langen Fluss landen. Nicht umsonst also gilt der Ganges als einer der giftigsten und dreckigsten Flüsse der Welt. Was die gläubigen Hindus dennoch nicht davon abhält, sich im heiligen Fluss zu baden oder sich mit dem Wasser bei Zeremonien segnen zu lassen. Bäh!

Aber die Inder sind nicht die Einzigen, die nicht besonders gut mit dem Element umgehen. Im Grunde ist der Mensch der größte Feind des Wassers überhaupt: Das fängt bei kleinen, aber (un)feinen Gesten wie Abfall in Seen, Flüsse und Meere zu werfen an und hört bei schwerwiegenden Fällen wie Ölverschmutzungen durch Tanker auf: Aktuell ist die Westküste Frankreichs davon betroffen, vor knapp neun Jahren gab es eine große Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Das ist schlicht und einfach menschliches Versagen. Und es tut weder dem Wasser noch dem Mensch oder dem Tier gut.

Wenn Wasser zum Mörder wird

Andersrum ist das Wasser nicht nur unser Feuchtigkeit spendender Freund im Leben. Oh, nein. Es kann auch eine zerstörerische Gewalt und willkürlicher Mörder sein. Aktuell sorgen verheerende Überflutungen nach dem Tropensturm Idai in Mosambik für Kummer und Not. Es ist schon fast Ironie des (unfairen) Schicksals: Dort, wo Wasser Mangelware ist, kommt es plötzlich in großen Mengen – jedoch nicht als Trinkwasser, sondern als Flut. Es zerstört das Zuhause der Menschen, die ohnehin schon nicht viel haben und bringt Krankheitserreger und den Tod. Wir sprechen tatsächlich von demselben Element, das uns jeden Tag so viel ungeahnte Freude bringt.

Eine ähnliche Naturgewalt ist der Tsunami: Eine gewaltige Wasserwand, ausgelöst durch Erd- bzw. Seebeben, die mit großer Wucht auf das Festland zurast – und alles und jeden verschlingt. Verheerender kann man sich die Kraft des Wassers nicht vorstellen. Das wissen wir spätestens seit 2004, als ein Tsunami zahlreiche Inselgebiete in Südostasien überrollte und tausende von Menschenleben forderte. 2011 rollte ein verheerender Tsunami über das Festland Japans und sorgte dort nicht nur für Tod und Verwüstung, sondern löste gleichzeitig eine Nuklearkatastrophe aus. Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich, dass unser Lebensspender Wasser genauso gut unser Leben mit seiner Kraft beenden kann.

Alle an einem Strang ziehen!

Wasser ist viel mehr als nur ein Getränk oder eine flüssige Substanz. Wasser ist wertvoll. Wasser ist ein Geschenk. Wasser kann aber auch zum Feind werden und Leben kosten. Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein: Ohne Wasser können wir nicht überleben. Also müssen wir zu unser aller Wohl behutsamer und bewusster damit umgehen. Gegen die Naturgewalten können wir nichts tun. Aber wir können unsere eigenen alltäglichen Gewohnheiten hinterfragen. Muss das Wasser beim Duschen wirklich durchgehend laufen? Wie wäre es mal mit einer Regentonne? Das Wasser kann man zum Putzen und zum Bewässern von Pflanzen verwenden und spart Leitungswasser. Auf die kleinen Dinge kommt es an. Und wenn der Mensch noch viele Jahrhunderte lang seinen Durst mit Wasser stillen will, dann sollten wir alle an einem Strang ziehen. In diesem Sinne: Prost!

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