Die Karriere von Xavier Naidoo steht vor dem Aus – na endlich [Kommentar]

Xavier Naidoo Karriere Aus
© picture alliance / Kadir Caliskan
Lisa-Marie Yilmaz
31.03.2020

Glaubt man den Aussagen Xavier Naidoos, handelt es sich bei seinem Rauswurf aus der Jury bei Deutschland sucht den Superstar um eine von ihm kalkulierte Aktion. Ob das so stimmt, wollen wir an dieser Stelle einmal so stehen lassen. Fest steht jedoch: Ginge Xavier Naidoos Weitblick tatsächlich so weit, hätte er schon vor langer Zeit – genauergesagt seit mindestens zehn Jahren – wissen müssen, dass seine Karriere zum Scheitern verurteilt ist. Marke: Eigenbau.

Seit Jahren sorgt Naidoo für ein gesellschaftliches Kopfschütteln. Verschwörungstheorien sowie rechte und mindestens genauso wirre Parolen haben stets ein krudes Gesamtkonstrukt um den Musiker geschnürt. Was zunächst mit einem peinlich berührtem Lächeln als kleiner Ausrutscher des Sängers abgetan wurde, entwickelte sich im Laufe der Jahre in eine eindeutige Richtung: Von antisemitischen Songtexten wie in dem Lied Raus aus dem Reichstag, über Aussagen, Deutschland sei noch immer ein besetztes Land bis hin zur Verbrüderung mit Reichsbürgern – Xavier Naidoo hat in den vergangenen Jahren alles, wirklich alles dafür getan, sich in ein gesellschaftliches Aus zu manövrieren.

Und dennoch: Wirkliche Auswirkungen auf seine Karriere hatte das Ganze nie. Irgendwie genoss Xavier Naidoo eine gewisse Narrenfreiheit: TV-Sender wie Vox, RTL und auch die Öffentlich-Rechtlichen machten ihm den Hof und verschafften ihm Medienpräsenz zur Prime-Time.

Ein rechter, schwarzer Verschwörungstheoretiker? Kann nicht sein …

Anlässe und Gründe, ihm eben diese medialen Plattformen zu nehmen, servierte Naidoo den Sendern im Laufe der Jahre auf dem Silbertablett. Und dennoch: Sich wirklich vorstellen, dass es sich bei dem Ausnahmemusiker um einen Rassisten und Antisemiten handeln könnte, konnte und wollte niemand so recht. Womit wir auch beim Stichpunkt wären, denn hey: ein rechter, schwarzer Verschwörungstheoretiker? Kann nicht sein …

Dann, 2015, machte es für einen kurzen Moment den Anschein, als würde Naidoos Verhalten endlich Konsequenzen mit sich bringen. Denn nachdem der NDR den Sänger als deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest ins Rennen schicken wollte, hagelte es nur so an Kritik. Die Folge: Der NDR zog die Nominierung zurück. Doch so laut der Aufschrei damals war, so schnell verblasste dieser Skandal auch wieder und Naidoo setzte sein Bühnen-Hopping zwischen Reichsbürger-Demos, Sing meinen Song und der Jury bei DSDS fort. Ganz wie von selbst folgte dann auch noch im vergangenen Jahr der Plattendeal mit einem Major-Label – all das grenzte beinahe an eine Verschwörungstheorie.

Und tschüss, Xaver!

Vielleicht hätte Xaver sein Spiel noch eine ganze Weile so weiterspielen können – wäre da vor einigen Wochen nicht ein Video mit rassistischen Botschaften bei Twitter aufgetaucht. Haussender RTL kickte den Sänger daraufhin aus der DSDS-Jury, das wirre Konstrukt rund um Xavier Naidoo begann zu bröckeln. Den finalen „Todesstoß” verpasste sich Xavier dann selbst – in einem Interview mit dem Rechtspopulisten Oliver Janich deutete er an, er habe seine Teilnahme in der Jury bei Deutschland sucht den Superstar und den damit verbundenen Rauswurf als geplante PR für sein kommendes „patriotisches” Album genutzt. Zufälligerweise tauchte auch dieser Mitschnitt im World Wide Web auf – und eine Welle der „Und Tschüss”-Bewegung setzte sich in Gang: ProSieben und RTL distanzieren sich endgültig von Naidoo und auch auf der Website des besagten großen Labels ist der vermeintliche Top-Star plötzlich nicht mehr zu finden … Eine Verschwörung? Nein! Logische Konsequenz? Ja!

Eines ist sicher: Wirklich auf die Schulter klopfen müssen die Big Player in der Medienwelt sich wegen dieser Moves nicht. Denn jetzt mal ehrlich: Die Einsicht bezüglich der Gesinnung Naidoos kommt reichlich spät. Das rechte Auge wurde sich mit Blick auf die Causa Naidoo in den vergangenen Jahren gekonnt zugehalten. Das Karriere-Ende Xavier Naidoos war lange überflüssig und ist absolut richtig. Bleibt an dieser Stelle nur zu hoffen, dass besagter Musiker sich gerade nicht wieder seinen Aluhut aufsetzt und ein neues Kapitel der Akte Die Irrungen und Wirrungen des X. N. verfasst …

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