Wer braucht schon Kaviar? Auch simpler Luxus macht Laune

© Unsplash / Matt Lamers
Sascha Falkner
18.07.2019

Kaviar galt schon immer als Amuse-Gueule der Reichen. Je nach Sorte und Hersteller ist die Preiskategorie der kleinen Fischeier nach oben hin keine Grenze gesetzt. Das ist ja bei allen Luxusartikeln so. Aber braucht man überteuerte Statussymbole wirklich? Kann man nicht auch ohne sechsstellige Summe auf dem Konto ein mehr oder weniger luxuriöses Leben zu führen? Nun, das hängt wohl von der individuellen Definition von Luxus ab. Dabei ist Luxus weitaus mehr als nur Kaviar zum Frühstück, fette Autos, dicke Yachten und opulente Villen…

Einen Klatsch Kaviar auf Pumpernickel, ein Gläschen Schampus dazu und noch dazu ein fancy Ambiente – zack fühlt man sich wie im Denver-Clan. Ja, wir alle träumen doch irgendwo vom Luxusleben wie die Reichen und Schönen es haben. Da gehört Kaviar und Schampus natürlich zum täglich Brot. Unverständlicherweise. Teuer heißt nicht immer gut, so viel steht fest. Ich habe vor Jahren mal eine Flasche teuren Champagner, dessen Name hier nicht genannt werden soll, geschenkt bekommen. Natürlich war ich voller Erwartungen und auch ein bisschen stolz auf mein fancy Gesöff. Das Ende vom Lied? Der Schampus schmeckte wie Essig mit Kohlensäure und diente nach nur einem Glas als Abflussreiniger für meine Toilette.

Sind halt Fischeier

Wenn das also Luxus ist, okay, dann trink ich lieber den Sekt aus’m Aldi. Kaviar hat mich persönlich ja auch noch nie wirklich überzeugt. Sind halt Fischeier. Die gibt’s um jede California Inside-Out Roll beim Sushi-Laden meines Vertrauens. Klar, der Beluga Kaviar ist dann qualitativ etwas hochwertiger. Schmecken tun die kleinen Fischeier dennoch nicht anders. Das ist quasi so ähnlich wie mit diesen Tapioca-Kügelchen im Boba-Tee. Nur halt etwas fischiger im Abgang. In den USA feiert man am 18. Juli sogar den National Caviar Day – warum weiß wohl keiner so genau. Die Message dahinter heißt lediglich: Gönnt euch heute mal teuren Kaviar.

Aber Kaviar, so proteinreich er auch sein mag, ist im Grunde noch nicht einmal gut für uns. Viel zu salzhaltig und ein wahrer Cholesterin-Hammer. In zu hohen Mengen versteht sich. Da hilft auch nicht das Nachspülen mit Vinaigrette … äh … Champagner. Aber die Fischrogen machen sich ja nicht nur auf ’nem Schnittchen gut, nein. Auch die Beauty-Industrie hat das Potential von Kaviar bereits längst erkannt und verwendet ihn in der Kosmetik. Etwa in Kaviar-Gesichtscremes. Die von einer bekannten Schweizer Kosmetikfirma kostet rund schlappe 800 Euro. Schnäppchen! Man bekommt aber auch Kaviar-Cremes für rund 20 Euro beim Drogeriemarkt um die Ecke.

Luxus ist halt auch Kopfsache

Egal ob es nun Kaviar-Schnittchen, Schampus, der dir die Speiseröhre wegätzt oder eine Villa in St. Tropez mit dem Bentley vor der Tür und der Yacht im Hafen ist – Luxus hat seinen Preis. Und wie gesagt, teuer ist nicht immer gleich besser: Vergleicht man etwa Tahiti Beach im völlig überteuerten High-Society-Hotspot St. Tropez an der Côte d’Azur mit der Cala Agulla in Cala Ratjada auf Mallorca, dann gibt es vom Ambiente her keinen Unterschied. Das tropische Flair und die malerische Landschaften sind dasselbe und beides ist in der Hochsaison gleichermaßen überlaufen – der einzige Unterschied ist der Kontostand der Urlauber. Da bezahlt man eben mal den Namen des Urlaubsortes, an dem sich seit den 60er Jahren die Prominenten dieser Welt jährlich zum Rudelprotzen und Show-Flannieren treffen … und sicher wird auch das ein oder andere Kaviar-Schnittchen und Gläschen Schampus vertilgt. Luxus ist halt auch Kopfsache. Eine Denkweise. Oder aber halt einfach Macht der Gewohnheit.

Aber dann kommt es auch wieder darauf an, wie man Luxus für sich selbst definiert. Für mich ist Luxus das, was mich glücklich macht – nicht unbedingt immer Dinge, die man nicht wirklich braucht, aber die das Leben schöner machen. Und es ist so viel mehr als nur teure Items. Eigentlich sollte es vielleicht eher ein persönliches Prinzip oder ein individuelles Ideal sein. Und für den Durchschnittsbürger außerhalb der High Society, Hollywoods und des Jetset-Daseins hat Luxus eine völlig andere Bedeutung.

Luxus ist nicht immer gleich Materialismus

Für mich ist Sushi weitaus luxuriöser als Kaviar – und weitaus leckerer. Ich trinke lieber einen guten Gin als einen Champagner – davon krieg ich eh nur Sodbrennen. Ein Haus in der Vorstadt im Kreise meiner Familie und Freunde ist für mich mehr Luxus als eine Wohnung in einem trendy Viertel einer überlaufenen Großstadt. Pläne schmieden und die Welt bereisen – oder auch einfach nur mal ein paar Tage an irgendeinem Strand entspannen. Das ist Luxus für mich. Die Möglichkeit, mich gesund und ausgewogen zu ernähren und Sport treiben zu können – das ist auch eine Form von Luxus, der für viele Menschen nicht selbstverständlich war und ist. Überhaupt ist Gesundheit der größte Luxus von allen: Was bringt dir Reichtum und Protz, wenn du krank bist? Nichts, denn du bist in Wirklichkeit eine ganz arme Sau.

Es sind jedoch nicht immer nur die materialistischen Dinge, die Luxus ausmachen. Auch Dinge wie flexible Arbeitszeiten gehören zum Beispiel dazu. Seinen Lebensunterhalt verdienen, aber dennoch die Zeit und Möglichkeit haben, sein Privatleben mit in den Berufsalltag einbinden zu können. Überhaupt einen Job zu haben – und im Idealfall einen, der dich erfüllt und bei dem du deinen Lebensunterhalt mit etwas verdienst, das dir Spaß bereitet. Das ist purer Luxus. Dagegen ist Kaviar einfach nur Fischeier … ganz klein und unbedeutend.

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