Neues aus der Verschwörungskiste: Was hat Madonnas Auftritt beim ESC 2019 mit Corona zu tun?

madonna corona verschwörung
© WMG
Sascha Falkner
04.07.2020

Die Kreativität rund um Verschwörungstheorien zum Coronavirus kennt keine Grenzen. Aktuell gibt es in der Verschwörungshitparade einen ganz besonderen Special Guest: Madonna. Die Queen of Pop soll angeblich nicht nur Musikerin, sondern auch noch Prophetin sein. Bereits bei ihrem Auftritt beim ESC 2019 soll die Like A Virgin-Sängerin vom Coronavirus gewusst haben und mit ihrer Performance sogar davor gewarnt haben. 

Wegen der Corona-Krise fallen Großveranstaltungen in diesem Jahr flach — davon war auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam betroffen. Dafür rückt jedoch aktuell der ESC 2019 in Israel aktuell wieder ins Scheinwerferlicht. Um genau zu sein geht es dabei um den eher minderprächtigen Auftritt von Pop-Queen Madonna, die mit ihrem schiefen Gesang für mächtig Backlash und Gespött sorgte. Auf YouTube veröffentlichte Madge kurze Zeit später dann ihre eigene, akustisch aufgemotzte Version der Performance:

Madonna a.k.a. das pure Böse, die Satanistin oder doch lieber Illuminati?

Aber warum reden jetzt wieder so viele über Madonnas ESC-Desaster? Wegen dem aktuellen Desaster namens Corona. Ja! Die Sängerin soll angeblich die Corona-Pandemie über ihre ganze Performance hinweg vorausgesagt haben. Hellseherische Fähigkeiten durch zu viel Kabbala? Eine Warnung? Oder ist Madonna ebenfalls Mitglied der „Elite”, die mit Anführer Bill Gates eine neue Weltordnung schaffen möchte? Man weiß es nicht so ganz genau. Aber glaubt man den aktuellen Kommentaren auf YouTube, ist Madonna das „pure Böse”, eine „Satanistin” und „Illuminati”. Hier ein kleines Best-Of der Kommentare:

„Die ganze Performance war nur ein Mittel, um der Welt zu zeigen, was passieren wird… diese Menschen [Madonna & Co.] sind tatsächlich wahnsinnig. Sie wissen, wie sie Menschen mit dem Offensichtlichen blenden…”

„Nur geistesgestörte Leute sehen in abnormalen, satanische und perverse Darstellungen eine Kunst!”

„Verdammt, wenn man sich das 2020 anschaut hat es eine völlig andere Bedeutung, als ob sie die „Zukunft” voraussagt.”

„Sie machen sich über uns lustig und sagen, dass wir getäuscht wurden…”

„Teuflische Symbole, freimaurerische Mitteilungen… sie hat immer dem Teufel gedient.”

„Nachdem sie bei 08:36 ihre Masken abnehmen, knien sie sich hin. Genau wie unsere aktuellen Ereignisse… das ist alles ein Ritual. Corona. George Floyd. Alles ist miteinander verbunden.”

Partystimmung á la Madonna: Gasmasken, brennende Städte, eine fallende Freiheitsstatue und ’ne Corona… äh.. Krone auf dem Kopf

Die ganze Performance ist tatsächlich ein wenig düster. Während sie ihren Hit Like A Prayer singt, stehen vierzig vermummte Mönche um sie herum: 20 links, 20 rechts. Einige interpretieren dies bereits als „2020″. Madonne selbst trägt eine Krone, wie sich das für eine Queen of Pop gehört… und was heißt Krone auf lateinisch? Richtig: corona.

Bei ihrem zweiten Song Future wird es dann ganz bizarr. Ihre Tänzer tragen Gasmasken — für viele eifrige Kommentatoren ein ganz klares Symbol für Corona. Man würde ja eigentlich eher denken, dass Madonna — provokant wie sie ja ist — die Gasmasken als gewagtes Symbol für die Judenverfolgung verwendet. Schließlich war der ESC ja in Israel. Aber nein, die Maske ist ein ganz anderer Wink mit dem Zaunpfahl. Immerhin fallen die Masken tragenden Tänzer ja auch nicht umsonst auf der Bühne tot um.

Im Song Future singt Madonna „nicht jeder kommt in die Zukunft, nicht jeder lernt aus der Vergangenheit” und zeigt dabei auf das Publikum. Auch hier — sonnenklar — eine Warnung an die Menschen, da sind sich die Theoretiker in den Kommentaren einig. Was auch sonst? Dass es hier um modernes Denken vs. veraltete Ideen und Ethiken geht, steht ja mal gar nicht zur Debatte. Madonna ist ja auch keine LGBTQ-Ikone und setzt sich für Menschenrechte ein, sondern nur eine einfache Illuminati, die sich über den Pöbel lustig macht.

Verschwörungstheorien muss man mit einer guten Portion Humor betrachten

Corona ist aber nicht das einzige, was die scharfäugigen Verschwörungstheoretiker da aus Madonnas apokalyptischer Sause interpretieren. Die brennenden Szenarien im Hintergrund und die fallende Freiheitsstatue interpretieren ganz Gewitzte als Vorwarnung für die aktuellen Unruhen in den USA nach dem Tod von George Floyd. Macht Sinn, denn schließlich war die USA durch ihren Präsidenten ja nicht ohnehin schon am Rande des Abgrunds. Da muss noch eine Schöppe oben drauf! Und komme 2020, haben die Amis auch schon den Salat. Madonna hat’s gewusst!

Einen Vorteil hat das Aufkochen von Madonnas ESC-Auftritt ja: durch die Neuinterpretationen der Verschwörungstheoretiker schenkt man ihrem Gesangs-Fauxpas keinerlei Beachtung mehr. Beste PR für die Queen of Pop. Und man muss den Kommentatoren auch mal ein großer Lob für ihren Fantasiereichtum und ihr Interpretationstalent aussprechen. Auf sowas kommen selbst die erprobtesten Hollywood-Drehbuchautoren nicht. Wir dürfen gespannt sein, wer als nächstes ins Fadenkreuz der Verschwörungstheoretiker gerät. Aber vor allem lernen uns diese ganzen Theorien eins: so schwer die Zeiten in der Corona-Krise auch sind, man muss auch alles mal mit einem Lächeln und einer guten Portion Humor betrachten.

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