Provokation oder Solidarität? Rammstein küssen sich

Rammstein küssen
© picture alliance/xim.gs
Henning Sonnenschein
01.08.2019

Es gibt bekanntlich so ziemlich nichts, was Rammstein nicht auf ihre Weise nutzen würden, um aufzufallen. Meist, um in einem irritierenden Sinne zu provozieren. Manchmal aber auch, um ein positives Zeichen zu setzen. Und sei es, dass sich Rammstein küssen – so wie jüngst in Moskau. 

Rammstein wären nicht Rammstein, wenn sie diese Aktion – beteiligt an dem Kuss waren übrigens die beiden Gitarristen Richard Z. Kruspe und Paul Landers – nicht ohne weiteren Kommentar durchgezogen hätten und somit natürlich jede Menge Interpretationsspielraum lassen würden. Dass die gleichgeschlechtliche Zwischenmenschlichkeit eine rein provokative Aktion war, scheint aber eher unwahrscheinlich: Schließlich ist es keineswegs Teil der aktuellen Bühnenshow, dass sich Rammstein küssen. 

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Dass ausgerechnet die russische Hauptstadt für dieses Schauspiel ausgewählt wurde, deutet viel mehr darauf hin, dass dies ein gezieltes Zeichen der Solidarität für die LGTB-Gemeinde gewesen sein dürfte, die in Osteuropa generell und in Russland insbesondere, einen äußerst schweren Stand hat. Homosexualität ist in Russland zwar nicht verboten, aber die weitgehende Ächtung in der Gesellschaft wird von der Politik nicht nur hingenommen, sondern aktiv vorangetrieben, sodass Homosexuelle dort nicht nur einen schweren Stand haben, sondern massiv bedroht, benachteiligt und unterdrückt werden.

Rammstein küssen sich – und zeigten schon vorher LGTB-Solidarität

Dass Rammstein mit dem Kuss genau vor diesem Hintergrund Solidarität zeigen wollten, deutete sich schon zuvor bei einem Konzert im polnischen Chorzów an, wo die Band im Rahmen des Konzerts ausgiebig eine Regenbogenflagge schwenkte – als ziemlich offensichtliche Reaktion darauf, dass kurz zuvor eine Gay-Pride-Demonstration in der Stadt Białystok von Hooligans und Neonazis, die allerdings mit Unterstützung vieler vermeintlich normaler Bürger, brutal angegriffen wurde. 

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Da wie erwähnt die Vorurteile gegenüber der LGTB-Gemeinde in der Bevölkerung Russland und Polens vergleichsweise weit verbreitet sind, ist fraglich, inwieweit die Botschaft sowohl der Flagge und erst Recht des Kusses im Publikum angekommen ist. Abee gerade deshalb ist ein Zeichen von der Band, die die Menschen auch dort vergöttern, umso wichtiger. Und im Zweifelsfall haben sie es wohl als eine der für Rammstein üblichen Provokationen hingenommen …

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