Was macht eigentlich … der Aprilscherz?

Aprilscherz
© picture alliance/United Archives
Dennis Ebbecke
01.04.2018

Er galt jahrzehntelang als einer der Gute-Laune-Klassiker in unseren Haushalten. Er hat eine Tradition, die über unsere Grenzen hinausgeht und verfügt sogar über einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Ja, er war ein Superstar, doch inzwischen steht der Aprilscherz vor dem Aus. So traurig es auch klingen mag, aber der Aprilscherz schafft sich ab – oder besser gesagt: Er wird abgeschafft, weil die Realität in Zeiten von Fake News alles zu übertreffen scheint. Auf ein „April, April“ können wir lange warten …

Es gibt keinen Zweifel: Der Aprilscherz hat eine große – aber leider fragwürdige – Konkurrenz bekommen, die auf den Namen Fake News hört. Wir haben uns am morgen des 1. April in den sozialen Medien umgeschaut und einen allgemeinen Tenor ausfindig gemacht, der zugegebenermaßen wenig überrascht: Der Großteil der Bevölkerung hat den Spaß daran verloren, die Mitmenschen in die Irre zu führen und standesgemäß in den April zu schicken, weil vielen die alltäglichen Nachrichten das gesamte Jahr über wie Aprilscherze vorkommen.

Wenn der Aprilscherz Realität wird!

Auch wir haben uns redaktionsintern natürlich Gedanken darüber gemacht, mit welchem glaubhaft klingenden, aber frei erfundenen Beitrag wir deinen Ostersonntag versüßen könnten. Und auch wir mussten feststellen: Die meisten Aprilscherze der vergangenen Jahre sind tatsächlich Realität geworden. Donald Trump ist zum US-Präsidenten gewählt worden! Es soll Menschen geben, die heute noch auf das erlösende „April, April“ warten. Noch ein Aprilscherz gefällig? Kein Problem: Bayern München schlägt Borussia Dortmund mit 6:0 … ach ne, stimmt ja auch.

Wie du siehst, der Aprilscherz hat es dieser Tage verdammt schwer – auch in privaten Kreisen, wie der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder kürzlich im Gespräch mit dem Straubinger Tagblatt erklärte: „Er ist in der Krise, zumindest im privaten Bereich. Aus meiner Sicht hat sich die Witz-Kultur durch die Medien stark verschoben. Das Verulken, der private Witz, ist aus der Mode gekommen. Die Medien überfüttern uns quasi rund um die Uhr mit platter Comedy und zotigen Witzchen. Wir haben uns von einer Witz- zu einer Beleidigungskultur entwickelt. Quasi von Heinz Erhardt und Theo Lingen hin zu Dieter Bohlen.“

Sind Komiker wirklich lustiger als wir?

Im Ansatz mag Herr Hirschfelder richtig liegen, wenngleich es „die Medien“ so pauschal gar nicht gibt. In einem Statement wollen wir dem Experten jedoch ausdrücklich widersprechen: „Man denkt, die Komiker im Fernsehen seien sowieso viel lustiger, und die eigene Idee nicht so gut.“ Ähm … eher nicht! Vielleicht sollte er sich beispielsweise einfach die Wiederholung der neuesten Folge von Willkommen bei Mario Barth anschauen, um diese Meinung zu revidieren.

Zu Beginn der Sendung musste sich der Comedian in einem Quiz behaupten. Warum er dabei in einem roten Riesenluftballon steckte und warum der ganze Saal tobte, als Mario Barth die Aufforderung „Nenne Nahrungsmittel mit M“ mit dem Wort „Möhre“ beantwortete, bleibt ein Geheimnis. Es war auf jeden Fall einer dieser Momente, in denen wir uns nichts sehnlicher gewünscht hätten, als ein erlösendes „April, April“. Bitte, lieber Aprilscherz, gib‘ nicht auf! Komm zurück, wir brauchen dich!

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