Zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit: Da ist noch genug Luft nach oben!

Sascha Falkner
20.02.2019

„Nimm von den Reichen und gib es den Armen“ – so hat es zumindest Robin Hood getan. Soziale Gerechtigkeit war schon immer ein wichtiges Thema, das die Menschen beschäftigt und ein angestrebtes Ideal. Auch heute hat es an Wichtigkeit nicht verloren. Im Gegenteil: Vielmehr ist es weltweit ein bestehendes Problem. Am heutigen Welttag der sozialen Gerechtigkeit, der erstmals am 20. Februar 2007 von den Vereinten Nationen eingeführt wurde, will man ganz deutlich auf die akuten gesellschaftlichen Missstände aufmerksam machen.  

Die altbekannte Kluft zwischen den Armen und Reichen ist bei Weitem nicht das einzige Manko im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit. In unserem so weitentwickelten und liberalen Westen wird weiterhin fleißig Schubladendenken betrieben – von Religion, ethnischer Herkunft oder Geschlecht bis hin zur sexuellen Orientierung hat der Randgruppenkatalog genug zu bieten, das man diskriminieren kann. Die Katholiken sind gut und die Muslime sind böse und sowieso alle Ausländer, der Mann bekommt mehr Gehalt als die Frau und die Homosexuellen sind alle wider der Natur. Die Technik schreitet immer weiter fort, da wäre es schön, wenn der Mensch diesem Beispiel folgen würde. Da kann man nicht von Solidarität und gesellschaftlicher Gerechtigkeit sprechen, selbst im Jahr 2019. Irgendwie traurig und beängstigend.

Kinderarmut und Bildungsungleichheit

Darüber hinaus stellt vor allem Kinderarmut eine erschreckende Gefahr in unserem Land dar: Laut einer aktuellen Umfrage macht sich die Hälfte der 3.450 befragten Kinder regelmäßig Gedanken oder Sorgen um Armut – begründet durch die jeweilige finanzielle Lage der Familie.

In der Pole-Position befindet sich auch die Bildungsungleichheit. Das beginnt schon bei der völlig irrsinnigen Annahme, dass Kinder mit Migrationshintergrund geistig unterlegen seien. Aber auch unsere deutschen Kinder sind Opfer der Bildungsungleichheit – und die Eltern sind daran nicht ganz unschuldig. Wenn der Papa einen Hochschulabschluss hat, dann wird der Nachwuchs natürlich aufs Gymnasium geschickt. Ob die Kompetenz des Kindes ausreicht ist da völlig nebensächlich, schließlich muss ja auch mal was Ordentliches draus werden. Arbeiterfamilien hingegen bevorzugen da eher die Real- oder Hauptschulbildung für ihre Sprösslinge, selbst wenn sie das Zeug fürs Gymnasium haben. Hier werden ganz klar Zukunftschancen für die eigenen Kinder vertan. Bildungsgleichheit sollte nach Kompetenz und nicht nach dem Werdegang der Eltern oder gar der sozialen Schicht abhängig gemacht werden. Und nicht die Eltern, sondern die Lehrer sollten hier die Entscheidungen treffen.

Dann ist da noch dieser Krieg

Am Schlimmsten trifft es den Osten der Welt: Daran dass in Ländern wie Syrien Krieg und Elend die Tagesordnung bestimmen, werden wir täglich durch die News erinnert. An diesen Orten, weit abseits unserer eigenen gesellschaftlichen Probleme, gibt es so etwas wie soziale Gerechtigkeit nicht – lediglich Angst, Gewalt und Tod. Solche Zustände sind für uns kaum vorstellbar. Ebenso wie die Hungersnot in vielen Ländern des afrikanischen Kontinents.

Die Existenz solcher Zustände alleine definiert den Gegenbegriff soziale Ungerechtigkeit. Man fühlt sich beinahe schlecht, dass wir im Westen ein mehr oder weniger friedvolles und wohlhabendes Leben führen, während im Osten der Alltag schon fast einem Katastrophenfilm von Roland Emmerich gleicht. Es passt eigentlich nicht in unsere moderne Welt. Leider ist es traurige Realität. Den Grund dafür sucht man wohl immer wieder vergebens.

Wir können die Welt nicht ändern, denn wir sind keine Superhelden. Aber: Wir können uns den heutigen Welttag der sozialen Gerechtigkeit als Aufhänger dafür nehmen, selbst etwas gegen die Missstände in unserer eigenen Gesellschaft beizutragen – unsere Denkweise ändern wäre da ein Anfang. Betrachten wir das Anderssein doch mit mehr Toleranz und räumen wir anderen einfach mal mehr Chancen ein. Schließlich zählen auch Kleinigkeiten, vor allem wenn sie sich summieren. Und das sollten wir ernst nehmen, denn es ist noch genug Luft nach oben auf dem Weg, unsere Gesellschaft zu einem gerechteren Ort zu machen.