Seltene Krankheiten: Für diese Gebrechen braucht man zum Glück viel Pech

seltene Krankheiten
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Henning Sonnenschein
11.02.2019

Der 11. Februar ist der Welttag der Kranken. Eingeführt hat ihn 1993 der damalige Papst Johannes Paul II. Wer dieses Datum nutzt, um seinen mit Grippe, Migräne oder Rücken krank gemeldeten Kollegen zu gedenken, macht nichts falsch. Aber es gibt auch seltene Krankheiten, bei denen man sich wirklich glücklich schätzen kann, dass es eine Menge Pech braucht, um eine davon abzugreifen …

Krank sein ist immer Mist – aber wenn man nicht gerade mit einem extraordinären Immunsystem gesegnet ist, unvermeidbar. Das Angebot an Beschwerden, vor denen man sich nie in Sicherheit wiegen sollte, ist denkbar groß: Von Erkältungskrankheiten über Magenverstimmungen, Entzündungen oder chronischen Beschwerden bis hin zu jeglicher Art von Verletzungen ist alles dabei. Die Verbreitung all dieser Leiden hat immerhin auch den Vorteil, dass die Krankheit erst erfunden werden muss, gegen die es keine Therapie oder Medikamente gibt, die zwar auch heutzutage nicht immer heilen, aber zumindest lindern können. Und wer unter einer fiesen Grippe oder einem anderen Alltagsübel leidet, kann sich vielleicht damit trösten: Schlimmer geht es bekanntlich immer.

Das war wohl auch der Hintergedanke, den JP2 mit dem Welttag der Kranken im Sinne hatte: Epidemien, Seuchen und viele zumeist armutsbedingte Gebrechen quälen und bedrohen unzählige Menschen auf der ganzen Welt. Sich das bewusst zu machen, ist Sinn an diesem Tag – den es in einer ganz ähnlichen Funktion in der Schweiz übrigens schon seit 1939 gibt: Seitdem findet der Tag der Kranken dort jeden ersten Sonntag im März statt und ist so wichtig, dass der Bundespräsident (oder ggf. die Präsidentin) zu diesem Anlass eine Rede hält.

Wir halten zwar keine Rede – aber jagen dir ein paar kalte Schauer über den Rücken:

Sehr seltene Krankheiten, für die man zum Glück viel Pech braucht!

1

Nekrotisierende Fasziitis

Wäre auch ein guter Name für eine Death- oder Black-Metal-Band, beschreibt aber die Infektion mit „Gruppe-A-Streptokokken“ – oder wie der Volksmund sie auch nennt (so er sie kennt): Fleischfressende Killerbakterien. Womit eigentlich auch schon alles zur Krankheit gesagt ist: Die kleinen Fieslinge fressen das Fleisch von den Knochen und setzen Toxine und Enzyme frei, die den Körper bei lebendigem Leibe verwesen lassen. Urgs.

2

Alien-Hand-Syndrom

Nicht weniger gruselig: Wenn das Gehirn sich durch einen Tumor oder eine Verletzung so verselbstständigt, dass du keine Kontrolle mehr darüber hast, inwiefern du selbst Hand an dir anlegst – zumeist destruktiv. Wenn du Glück hast, ziehst du dir nur in aller Öffentlichkeit die Hose aus. Wenn du Pech hast, würgst du dich, fasst in die Steckdose, stichst dir ins Auge oder machst irgendwas anderes, was dein Hirn so an Gewaltfantasien hergibt. Die Krankheit kann Jahre dauern – oder nach ein paar Wochen vorbei sein. Beides unter der Voraussetzung, dass du dich so lange am Leben lässt.

3

Trimethylaminurie

Da hat diese Krankheit einen großen Vorteil: Sie tut nicht weh und gefährdet auch sonst nicht dein Leben. Es ist lediglich eine genetische Mutation, die dazu führt, dass den Betroffenen ein bestimmtes Enzym fehlt. Die Folge: Urin, Atem und Schweiß stinken penetrant nach Fisch. Dieser Geruch wird nämlich auch beim Verzehr einiger Lebensmittel erzeugt und im Normalfall durch besagtes Enzym namens „Trimethylamin“ abgebaut.

4

Hyponatriämie

Zum Durchatmen zwischendurch eine Erkrankung, deren Ausbruch man selbst in der Hand hat: Wer zu viel (im Sinne von viel zu viel) Wasser trinkt, riskiert neben einem unausgeglichenen Natriumhaushalt auch das Aufquellen von Körper und Gehirn. Kopfschmerzen sind nur die Spitze des Eisbergs – ein Fall ins Koma droht.

5

Myiasis

Wenn das mal kein Grund ist, Wunden immer mit einem Pflaster oder Verband abzudecken: Wenn es doof läuft, finden gewisse Fliegenarten eine offene Stelle an deinem Körper total dufte, um dort ihre Eier abzulegen. Wenn die Larven einmal schlüpfen, machen sie sich auf, um alle möglichen und unmöglichen Stellen ihrer Krabbelstube zu erkunden. Aber immerhin kannst du dir selbst helfen: Wenn du den Körperteil, in dem die Kleinen auf Achse sind, mit Öl oder Fett einschmierst, damit kein Sauerstoff mehr durch die Haut gelangt, zieht es sie zum Atmen an die Oberfläche, wo du sie mit einer Pinzette entfernen kannst.

6

Sklerodermie

Wofür andere viel Geld in Botox oder Silikon investieren, bekommt man als Patient dieser Krankheit zum Nulltarif: Eine Fehlfunktion des Immunsystems führt dazu, dass der Körper sich an zufälligen Stellen entzündet und dort einen Kollagen-Überschuss ablagert. Die Folge: Die Haut verhärtet sich, mitunter kann man sich kaum noch bewegen. Wirklich dramatisch daran: Dabei entstehen heftige Schmerzen – und im Laufe der Jahre verhärten sich Haut und andere Organe dauerhaft so sehr, dass akute Lebensgefahr besteht.

7

Werner-Syndrom

Die Betroffenen fangen in ihren frühen Dreißigern schlagartig an, rapide zu altern: graue Haare, gar keine Haare mehr, faltige Haut, der Körper krümmt sich, Muskeln gehen zurück und auch das Gehirn baut ab – und mit Ende 40 droht den Erkrankten auch ein frühes Lebensende.

8

Candirú

Zum Schluss noch ein Klassiker unter den Schmerzfantasien: Im Amazonas und im Orinoco lauert nämlich ein kleines Fischlein namens Candirú, dass gerade wegen seinen eher harmlosen Abmessungen eine fiese Gefahr darstellt: Er wird durch Blut oder Urin angelockt und geht dorthin, wo der Lockstoff herkommt – und zwar richtig tief. In Vagina, Penis oder auch das Rektum. Ist er dort einmal verschwunden, lässt er sich angesichts seiner Widerhaken nur sehr, sehr schwer wieder entfernen … Wer also vor hat, in einem dieser Flüsse zu schwimmen: Pack die Badehose ein!

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