Rote Beete: Die Bloody Mary unter den Superfoods

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Sascha Falkner
15.03.2019

Bei dem Namen „Rote Beete“ läuft dir jetzt sicher nicht auf Anhieb das Wasser im Mund zusammen. Auch mir ging es bis vor kurzem noch so, denn Rote Beete gehört(e) seit meiner Kindheit zu den abscheulichsten Gemüsen (neben Kohlrabi), die je ihren Weg auf den Teller geschafft haben. Aber: Menschen und Meinungen ändern sich, wie ich selbst bestätigen kann. Die blutrote Knolle ist nämlich eine absolute Gesundheitsbombe und vielseitig verwendbar – und sie ist in Deutschland heimisch. Wofür die purpurne Rübe gut ist und vor allem wie du abwechslungsreich in den Speiseplan einbringen kannst, verraten wir dir …

Nicht lachen: Aber schon immer erinnerte mich der Geschmack und Geruch von Rote Beete ein wenig an muffigen Keller. Die Gute hat halt irgendwie etwas Erdiges an sich. Liegt nahe, denn sie ist ein Wurzelgemüse (genauer gesagt, eine Rübenart) und wo kommt das her? Richtig, aus der Erde. Und sogar aus guter deutscher Erde, denn die Rote Beete wächst seit ewigen Zeiten in unserem Land. Hergebracht haben sie damals die Römer – die waren ja irgendwie auch überall. Die Rote Beete ist ein typisches Wintergemüse, kann aber das ganze Jahr über vorgegart und eingeschweißt oder aber eingelegt im Glas gekauft werden.

Ich erinnere mich, dass meine Oma und meine Mutter früher die eingelegte Rote Beete aus dem Glas als Salat zu Bratkartoffeln zubereitet haben. Könnte man als typisch deutsches Essen bezeichnen. Für viele eine Delikatesse, für mich jedoch war es immer die reinste Qual – zumindest der Rote-Beete-Teil. Es waren die letzten Bissen, bei denen mir die Tränen in die Augen schossen und ich krampfhaft versuchen musste, alles bei mir zu behalten. Dschungelprüfungen der Kindheit.

Der blutrote Alleskönner

Rote Beete habe ich dann für viele Jahre gänzlich von meinem Speiseplan gestrichen. Zwischendurch habe ich mal Rote-Beete-Saft probiert, da ich seit meiner Jugend öfter mal an Eisenmangel leide – für den Eisenhaushalt und die Blutbildung ist Rote Beete nämlich die absolute Nummer Eins unter den Gemüsen. Und den Saft kann man wenigstens direkt wegexen. Neben Eisen ist Rote Beete auch eine sehr gute Quelle für Vitamin B und C, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium. Aber in ihr stecken noch weitere ungeahnte Kräfte: Sie ist eine natürliche Happy Pill und hebt die Laune (in Maßen versteht sich), beugt Herz- und Gefäßerkrankungen vor, hält den Blutdruck im grünen Bereich, entgiftet den Körper und sorgt für schöne Haut mit frischem Teint, schützt Leber und Nieren und kann bestenfalls sogar vor Krebsarten schützen. Ein weiteres Prachtstück unter den Superfoods halt.

Ich bin vor einiger Zeit dann irgendwie wieder auf Rote Beete aufmerksam geworden und war bereit, ihr nochmal eine Chance zu geben. Das Problem: Ich wusste einfach nicht, was ich mit der ollen Knolle anstellen soll … oder kann. Nach Rücksprache mit Tante Google, bin ich dann auf eine Vielzahl an Rezepten gestoßen, für die man sie verwenden kann. Frisch soll man Rote Beete etwa 30 Minuten lang in Salzwasser kochen, anschließend schälen und als Salat oder Gemüse verwerten. Ich habe mich dann für die vorgegarte Variante im Vakuumpack entschieden. Aber egal, was man mit ihr macht – never ever ohne Einmal-Handschuhe (und am besten über dem Spülbecken), denn der blutrote Farbstoff lässt sich nur schwer wieder von der Haut entfernen.

Probieren geht über Studieren

Wenn man (wie ich) mit dem leicht erdigen Eigengeschmack nicht so gut klar kommt bzw. kam, dann ist es wichtig zu wissen, welche Geschmäcker und Zutaten sich gut mit Rote Beete kombinieren lassen und ihren Geschmack aufpeppen. Perfekte Geschmacks-Partnerschaften ergeben sich durch die Kombination mit fruchigen Komponenten wie Apfel, Zitrone oder Orange sowie cremige und herzhafte Käsesorten (z.B. Frischkäse, Feta oder Parmesan). Sobald man den Dreh raus hat und ein wenig experimentiert, stellt man fest: So schlecht schmeckt sie gar nicht – im Gegenteil. Und das Allerwichtigste ist, dass man stets frischen Wind in seinen Speiseplan bringt und auch mal dem Gemüse eine Chance gibt, das man nicht so gern mag. Die super Eigenschaften von Roter Beete motivieren einen dann doch dazu, über seinen Schatten zu springen und dabei die ein oder andere kulinarische Neuentdeckung zu machen.

Hier kommen fünf Rezeptideen für Rote Beete, die mir die Wurzel schmackhaft gemacht haben:

1

Rote-Beete-Pesto

Aus Rote Beete kann man ganz wunderbar ein Pesto zubereiten. Im Video siehst du die Grundlage dafür – allerdings füge ich, wie im traditionellen Pesto, geröstete Pinienkerne (Sonnenblumenkerne gehen auch), frischen Basilikum und eine gute Portion Parmesan hinzu. Abgerundet mit etwas Zitronensaft schmeckt es super lecker zu Pasta. Tipp: Schmeckt auch in Kombination mit Frischkäse als Brotaufstrich sehr gut!

2

Rote-Beete-Chips

Seit Grünkohl- und Süßkartoffel-Chips wissen wir längst, dass die crunchy Scheibchen auch gesund sein können. Auch Rote Beete lässt sich dünn gehobelt wunderbar zu knallroten, krossen Chips verarbeiten. Da snackt es sich doch gleich ohne schlechtes Gewissen.

3

Rote-Beete-Schoko-Kuchen

Rote Beete in süß und auch noch als Kuchen? Oh ja, das geht. Und zwar recht gut. Man kann es sich quasi als Red Velvet Cake der gesunden Art vorstellen. Und durch Komponenten wie Vanille und Kakao wird der erdig-süßliche Eigengeschmack von Rote Beete wunderbar aufgepeppt und neutralisiert.

 

4

Rote Beete im Salat

Ich schmeiße gerne mal ein bis zwei kleine Knollen Rote Beete mit in eine Schüssel Salat. In Kombination mit Hülsenfürchten wie Bohnen, Linsen oder Kichererbsen, Tomaten, Avocado, Öl, Zitronensaft und – ganz wichtig – Käse ein wirklich leckerer und farbenfroher Mix. Einfacher und gesünder geht’s wirklich nicht. Tipp: Probiert mal Orangenstücke dazu für eine extra fruchtige Note!

5

Cremige Rote-Beete-Suppe

Wir alle kennen doch sicher die osteuropäische Rote-Beete-Suppe Borschtsch – aber das geht auch noch etwas anders: Diese ultra fein pürierte Suppe aus Rote Beete und Kartoffeln harmonisiert vor allem mit einem guten Schuss Crème Fraîche (ich bin da gern was großzügiger).

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